Zur Geschichte der Obergassels



Der Obergasselhof am Eichhofweg 30 Sennestadt – lange nach dem Umbau durch Bethel (siehe Sende-53-15.jpg)
Obergassel-Hof-AndreWinternitz-RottenPlaces-SG102407.jpg
Abb. 1: Foto: André Winternitz ca. 2010. Quelle: rottenplaces.de


Weitere Fotos incl. der Nebengebäude Leibzuchthaus (Altenteil) und Heuerlingshaus, Karten und Infos:

Westfalenhöfe - Kreis Gütersloh: Sende Haus Nr. 53

Ein Youtube-Video zeigt das Gebäude nach dem Brand 2013 mit einer Drohne von oben:

Der Obergasselhof nach dem Brand


Ursprünge und Entwicklung des Namens Obergassel

Nahe der Raststätte Obergassel an der A2 werkelten die Ur-Obergassels auf Urhöfen (Hofstellen) zwischen Paderborn und Brackwede (nahe Bielefeld) in einem Areal, welches im Jahre 1153 als Godesloh bezeichnet wurde. Die Ur-Obergassels hießen damals Gasel, Gadesell, Gaeßell, Gahßel, Overgaeßell.
Der Name Obergassel entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte, varierte mehrfach und leitete sich der Erzählung nach von jungen Gänsen ab, die auch heute noch 'Gösseln' heißen.
Die Bauern in diesem Gebiet züchteten auf dem relativ kargen Sandboden des Sennegebietes, dem südöstlichen Teil des Münsterlandes, offenbar Gänse.
Manche auf einem höher, andere auf einem tiefer gelegenen Gebiet. Daraus entstanden die Namen Obergassel, Niedergassel und natürlich auch Gassel.
(Wie sich der Name Obergassel im Laufe der Zeit entwickelte, lässt sich an der Besteuerungauflistung von 1555-1800 ersehen.)

Ich finde, das ist eine schöne und plausible Geschichte, die man all denen erzählen kann, die die Obergassels beim Hören des Names automatisch in Bayern verorten wollen. :-)




Bei der Recherche in den Kirchenbüchern kamen sehr viele Puzzleteile aus dem Dunkel der Vergangenheit ans Licht der Erkenntnis, die ich hier gerne – unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz – mitteile. Trotz vieler Lücken ergab sich recht schnell ein recht umfassendes Bild, da unser Name einen regionalen Ursprung besitzt.
Um den Überblick über die gefundenen Personen in den Familienzweigen zu behalten, habe ich die Funde in Ahnentafeln eingetragen und hierfür eine Freeware-Version des Programms „Ahnenblatt“ verwendet. Jedoch geben Ahnentafeln viele Informationen, Schlussfolgerungen und Zusammenhänge nicht ausreichend wieder, sodass ich hier auf dieser Seite ergänzende Infos bereitstelle. Wer Informationen zu den Ahnentafeln wünscht darf mich gerne anmailen:  E-Mail

Letzte Aktualisierung dieser Seite:




Inhalt



Allgemeines

Sich durch die alten Kirchenbücher zu quälen wird mit zahlreichen Entdeckungen belohnt. Viele Schreiber hatten allerdings eine nahezu unleserliche Sauklaue. Manch einer schrieb auch mit deutlich erkennbarem Tremor bis ins hohe Alter. Meist führten die Pfarrer selbst die Aufzeichnungen. Aushelfen durften aber auch der Pfarrprovisor (Stellvertreter) und der Küster. Die Führung der Kirchenbücher (Trauungen, Taufen, Sterbfälle) galt zunächst lediglich als Nebenpflicht; erst im Laufe der Zeit wurden die personenbezogenen Angaben umfangreicher. Wenn also der ‚hochwürdige’ Herr Pfarrer eine wunderbare Handschrift hatte und ein paar Jahrzehnte leserlich blieb, dann darf man als Ahnenforscher auch ‚Gott sei Dank’ rufen.
Aus der Zeit um 1700 habe ich Kirchenbücher gefunden, die über Jahrzehnte Zeile für Zeile von oben bis unten vollgeschrieben wurden. Mal eng und fast unleserlich zusammengequetscht, mal mit sehr schwungvollem Schreibstil und gar nicht selten ziemlich schief. Zugegeben, die Federkiele waren keine Montblanc-Schreibstifte, und mit ein wenig Fantasie kann man sich kratzende Geräusche auf rauem und faserigem Papier leicht vorstellen. Aber ein wenig mehr Mühe hätte man sich ganz sicher geben können, finde ich. Möglicherweise hielt so mancher Geistliche diese Dokumentationsaufgabe nicht nur für lästig, sondern sogar für unnötig; schließlich war für ihn das ‚Jüngste Gericht’ nicht fern. Warum sich dann noch mit ungeliebter Dokumentation abplagen?

Da die Kirchenbücher in den verschiedenen Orten in ganz unterschiedlicher Weise beschrieben wurden, gab es offenbar noch kein einheitliches System und so experimentierte man wohl.
In Brackwede zum Beispiel, beschrieb man das Taufbuch um 1715: "filius - geschweifte Klammer auf - dann die Namen der Eltern darin untereinander, daneben den Namen des Kindes, dann - geschweifte Klammer auf - dann die Namen der Taufzeugen darin untereinander". Ein Optimum war es nicht und setzte sich auch nicht durch.
Zum Glück hatte irgendwann jemand die glorreiche Idee, den Namen des neuen Erdenbürgers in einer Spalte an den Rand zu schreiben. Irgendjemand hatte herausgefunden, dass man mit einem Stöckchen und einem Stift einen Strich ziehen konnte.
Chapeau! (War es Leo Linne, der diese geniale Idee hatte und damit das Lineal erfand?). Kleiner Scherz!
Bis man feststellte, dass Zeilen, Spalten und eine Überschrift doch ganz sinnvoll sind, dauerte es mancherorts mal eben 100 Jahre.

Joannes Otto Overgahsel, Sohn von Petrus Obergehsel und Anna Eckerhoff, erblickte im Jahre 1702 in Bielefeld das Licht der Welt. Genauer gesagt: Ich fand seine Taufnotiz in den Bielefelder Kirchenbüchern. Der wahre Geburtsort wird allerdings im Umland gelegen haben, da Hausgeburten damals üblich waren, hingegen die Nennung des Wohnortes in den Büchern noch nicht. Dieser dürfte jedoch auf dem Hof in der Senne gelegen haben.
Dass in der oben genannten Taufnotiz mal Overgahsel, Avergasel oder mal Obergehsel steht, verwirrt zwar, jedoch stellt man schnell fest, dass die damaligen Schreibkundigen recht flexibel in der Schreibweise waren. Dies galt nicht nur für den Nachnamen; auch der Vorname variierte, wie ich bei den Geburten seiner zahlreichen Kinder bemerkte: Joanne, Joanni, Joannis Ottonis (= der lateinische Genitiv des Joannes Otto), Joes Otto.
Man nahm das offenbar nicht so genau und schrieb wohl oft nach Gehör. Einen Personalausweis kannte man schließlich noch nicht. Wenn eine Verifizierung nicht schlüssig gelingt, bleiben leider immer Restzweifel, ob es sich tatsächlich um ein und dieselbe Person handelt.

Auch die Schreibweise des Buchstabens „ß“ zum „ss“ im Namen Obergassel ist eine Entwicklungsgeschichte für sich. (Siehe dazu den Artikel bei Wikipedia zum ß)
Die Schreibweise „hs“ (oder auch „sh“) ist streng genommen eine Missdeutung: Das ursprüngliche lateinische Lang-ſ ähnelt grafisch dem „h“ der Kurrentschrift. Da beide Zeichen in unserem heutigen Alphabet nicht mehr in dieser Form existieren, ich diesen Buchstaben aber nicht gänzlich ignorieren wollte, fiel die Wahl oft auf das heutige „h“.
Bei Franz Obergaſsel beispielsweise so: Franz_Obergahsel-1778-09Feb1862.jpg (Quelle: Rietberg, Sterbefälle 1855-1880, pg=65)
Ich habe die Schreibweisen hier im Text jeweils so übernommen, wie sie im Originaldokument des jeweiligen Ereignisses (Taufe, Heirat, Tod) verzeichnet sind.
In meinen Ahnentafeln habe ich mich einheitlich für „ss“ entschieden, da diese Schreibweise am häufigsten vorkommt.

Und wo ich gerade schon bei den Namen bin: In vielen Taufbüchern – grob ab 1860 rückwärts – da lauten die Taufnamen: Bernardus, Henricus, Antonius, Franciscus, Josephus, Benedictus, Ferdinandus, Philippus, Hermannus, Christianus, Casparus etc.
In den späteren Heirats- und/oder Sterberegistern fand ich dann aber Bernard, Heinrich, Anton, Franz, Joseph, Ferdinand, Philipp, Hermann, Christian, Caspar etc.
Die kirchlichen Schreiber haben die Namen lateinisiert – ganz so, wie wesentlich früher aus dem chinesischen Lehrer Kong Fuzi im lateinischen Gelehrtenkreis ‚Konfuzius’ wurde. In meinen Ahnentafeln habe ich stets die Taufnamen eingetragen, sofern sie in den alten Registern auffindbar waren.

Bei Cath. Marg. Kulage (*20. 7bris 1788), der Ehefrau meines Urururopas Franz Obergahsel, der erst Ackerknecht beim ‚Schulten aufm Wiehe’ und später ‚Beylieger’ bei dem Colonat Heilf war, finden sich in den Dokumenten unterschiedliche Namensvarianten: Anna Maria Catharina, Anna Catharina und Maria Catharina(e) Kulage. Wie schon erwähnt, bleiben auch hier oft Restzweifel, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt.
Ganz rappelig wird man, wenn man zwei Personen zur Auswahl hat:
Den Vater von Cath. Marg. Kulage, Otto Kulage, gibt es als Variante Joan Otto und Johan Otto mit verschiedenen Eltern. Sie liegen ein paar Jahre (1765-1810 und 1757-1815) auseinander.
Bei der Heirat der C.M. Kulage mit Franz Obergahsel waren dort nur Otto Kulage und Gertrud Buschherm (Schnieder) als ihre Eltern genannt. Eine Heirat des anderen Ottos fand ich leider nicht. Und auch als beide Ottos starben, fehlte der zweite Vorname und auch die Angabe ihrer Eltern, sodass nicht klar ist, welcher Otto nun Eingang in die Ahnenreihe finden soll. Da muss man mit dem arbeiten, was man gefunden hat, sich einfach entscheiden und seinem Bauchgefühl folgen oder Mut zur Lücke zeigen. Oder anders ausgedrückt: Irrtümer vorbehalten!
Anfangs hatte ich den Falschen eingetragen. Wie wichtig die Beachtung der Taufpaten ist, zeigte sich an diesem speziellen Fall. Da einer der Ottos 1811 Taufpate bei seinem Enkel (ein Halbbruder von Franz’ Kindern) und der andere ein Jahr zuvor verstorben war, fiel das Ausschlussverfahren leicht.

Nicht selten wurden die Vornamen in den Taufbüchern abgekürzt: Joes Hen. = Joan(n) Henricus oder Jo(h)ann(es) He(i)nrich. Das ermöglichte später eine gewisse Kreativität beim Umgang mit dem Namen und sorgt zweifelsfrei für Verwirrung bei Ahnenforschern. Rufnamen ebenso: Therese Schlüter (meine Ururoma und Ehefrau von Ururopa Heinrich Caspar Obergassel) wurde am 11. September 1840 als Maria Theresia getauft.
Wie Ludvig van Beethovens Mutter, Maria Magdalena Leym, wurde auch Therese Obergassels Tochter Maria Magdalena (30. August 1872 - 05. Mai 1909), „Helena“ genannt.
Um alles noch zu verkomplizieren, stimmen die Altersangaben bei der Heirat oder im Sterbefall auch nicht immer mit den Geburtsangaben überein. Man muss schon einen gewissen Forscherdrang besitzen um hier „am Ball“ zu bleiben. ^^

In den von mir gesichteten Büchern, wurde zum Anfang des 18. Jahrhunderts nur das Taufdatum eingetragen und nicht (auch) das Geburtsdatum. (Klar - es waren ja auch Taufregister der Kirche(n) und keine Geburtsregister) *fg*
Zwar war man darauf aus, seinem neugeborenen Kind so schnell wie möglich durch die Taufe „Gottes Segen“ zu Teil werden zu lassen, dennoch liegen zwischen Geburts- und Taufdatum nicht selten mehrere Tage.
Bei den ganz alten Sterberegistern fiel mir auf, dass man zwar das Todesdatum niederschrieb, bei Kindern entweder „Kind“, „Infant“, „Infans“ hinzufügte, und weder eine Namens- noch Alterangabe als nötig erachtete.
Z.B.: 06. 9bris 1761 Infans von Obergasel - mehr Infos gab es oft nicht. (9bris = November)
Selbst die Eltern von verstorbenen Erwachsenen schienen viele Jahrzehnte lang auch niemanden zu interessieren. Sie wurden oft nicht genannt. Damals brauchte man auch nicht mehr wissen. Die allermeisten Menschen waren Leibeigene ihrer Grundherren und an ihren Höfen gebunden. „Kind von Obergassel“ oder „die alte Gäßelsche“ genügte vollkommen.
Ab Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich langsam durch, die Kirchenbücher mit mehr Angaben zu füllen. In manchen Büchern wurden die Nachnamen sogar (auch schon manchmal einige Jahrzehnte vorher) mit einem Farbstift zart unterstrichen, was das Auffinden des gesuchten Namens doch ungemein erleichtert.
Ab 1874 waren dann bereits Formulare bei den Standesämtern im Umlauf. Dort wurde akribisch festgehalten, wer die Eltern der Verstorbenen waren - soweit sie bekannt waren - und wo sie wohnten. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland einen Kulturkampf. Ein Konflikt, bei dem es um die Loslösung des Staates von der katholischen Kirche ging. Otto von Bismark erwirkte Reformen. Die von da an eingeführten Formulare ware recht aussagekräftig.
Die Eltern zu nennen, wurde leider 1921 generell wieder abgeschafft. Ein Schritt, der die Ahnenforschung nun wirklich nicht erleichtert.




Die Bielefelder

Übersichtskarte der Katastergemeinde Verl (mit den Untergemeinden Bornholte und Sende)


Abb. 2: Ausschnitt aus der Karte mit dem Meierhof Obergassel in Sende.
            Titel: Abt. Ostwestfalen-Lippe, D 73 Kataster Minden 1, Karten, 090/001/001 K
            Klicke auf die Karte zur Vergößerung, auf (Quelle) für die ganze Karte.

Bielefeld und Brackwede gehörten zur Grafschaft Ravensberg. Die Senne zur Grafschaft Rietberg. Frühe Obergassels wurden in den Kirchenbüchern in Bielefeld, Brackwede und Verl registriert. Brackwede und der Stadtbezirk Senne wurden 1973 nach Bielefeld eingemeindet.

Das älteste Dokument das ich auftreiben konnte, beschreibt einen sogenannten Weinkauf von 1701 aus einem Weinkaufsregister. (Wikipedia: Weinkauf)


Peter ein Sohn von Meyer zu Verll
kombt auff Obergaeßels Volspän-
niges Erbe, so vorhin discutüret
gewesen und alßo ex nova gratia
wieder übergelaßen wird, giebt
deßwegen zum Weinkauff ...... 100

Enneke Echterhoff des Peters Frau
kombt auch auff dies Gaeßell
Volspänniges Erbe ...... 80

Für zusammen 180 Thaler als Antrittsgeld bzw. Hofübernahmegebühr wurde der Hof übergeben. „ex nova gratia“ übersetzt deepl.com/translator zwar mit „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ bzw. „ohne Gegenleistung“.
Jedoch war dies zur Zeit der Leibeigenschaft (= Eigenbehörigkeit) – die erst 1808 abgeschafft wurde – nicht gemeint. Gemeint war hier vielmehr eine Erlaubnis „ex nova gratia“ des Gutsherrn, die Peter benötigte um die Hofübernahme anzutreten. Peter Meyer zu Verl war zuvor offenbar frei. Denn wer den elterlichen Hof verließ, brauchte dafür ebenfalls ein Dokument, einen sogenannten Freibrief. (vgl. Brackweder_Heimatblaetter_2003.pdf, Seite 26 ff.)

Da es zu der Zeit noch ausreichend Obergassels gab, sollte die Möglichkeit des fehlenden Nachfolgers eigentlich ausgeschlossen werden können. Eine Einheirat fand hier auch nicht statt.
Offenbar wurde der Hof, der in der Rietberger Senne lag, vom damaligen Grundherrn, dem Grafen von Rietberg, neu vergeben. Gründe dafür konnten sein: Es wollte oder konnte kein erbberechtigter Obergassel den Hof weiterführen oder der Hof wurde nicht gut genug bewirtschaftet und der Grundherr war demzufolge unzufrieden mit den Steuereinnahmen.

Die Heirat von Peter Meyer zu Verl und Anna Echterhoff fand am 31. Majus 1695 in Verl statt. (Quelle).
Im Verler Taufbuch fand ich nur ihren Sohn Jacobus, der 1697 geboren wurde (Quelle).
Nach der Hofübernahme nahm Peter Meyer zu Verl und seine Ehefrau den Hofnamen Obergassel an. Durch diese Vorgehensweise auf Preußischem Gebiet, blieben die Höfenamen erhalten und man brauchte die Karten nicht ständig aktualisieren.

Joannes Otto Overgahsel (~26. Dezember 1702) der im Bielefelder Taufbuch als Otto Obergehsel eingeschrieben wurde, erwähnte ich ja schon bereits. Als Eltern waren Petrus Obergehsel und Anna Eckerhoff genannt. Also der ehemalige Peter Meyer zu Verl und seine Frau Anna Echterhoff (Quelle).
Nur eine Schwester von Otto fand ich noch in dem Bielefelder Taufbuch. Catharina Maria Avergasel, ~20. September 1705. Eltern: Petri Avergasel et Anna Achterhofe (Quelle).
Als ich im Bielefelder Taufbuch auf Jacobus und Catharina Maria Obergassel als Taufpaten stieß (in den Jahren 1705, 1716 und 1718), kamen mir Zweifel, ob dies wirklich die Kinder von Peter sein konnten. Jacobus wäre zu diesem Zeitpunkt erst knapp zehn Jahre alt gewesen, Catharina Maria elf bzw. dreizehn. Erfahrene Ahnenforscher bestätigten mir jedoch, dass ein solch junges Alter für Taufpaten damals durchaus vorkam.
Ahnentafel_Joannes_Otto_Obergassel_und_Anna_Maria_Lisabeth_Westerman-780x324.jpg
Abb. 3: Letzte Aktualisierung: 24. Dezember 2024

Und es scheint mehr als einen Peter Obergassel zu der Zeit gegeben zu haben.
In Verl (St. Anna) fand ich die Heirat eines Peter Obergaßel und einer Maria Kleinegräber (oo18. Junius 1698) (Quelle).
Da dieser Peter jedoch auf dem Hof Kleinegräber einheiratete und dessen Namen annahm, schied er als Erbe für den Obergassel-Hof aus – er hatte 1698 alle dortigen Rechte verloren. (siehe weiter unten bei den unsortierten Ahnenfunden).

Auch in den Brackweder Kirchenbüchern fand ich einen Peter Obergassel, der im Jahr 1713 Anna Clara Riehten heiratete. Die drei gemeinsamen Kinder wurden unter dem Namen Peter Riethen (nach dem Hofnamen der Frau) eingetragen. Nachdem Anna Clara 1725 im Alter von 47 Jahren (=> *1678) verstorben war, wurde Peter in den Registern wieder als Obergassel geführt – seine Kinder behielten jedoch den Namen Riethen bei.
Peter ehelichte noch im selben Jahr Margreth Ilsabein Grundman, die 1732 bei der Geburt des Sohnes Johann Gerdt im Kindbett starb. Nur sechs Monate später heiratete Peter ein drittes Mal: Anna Margreth Ilsabein Brinkman. Aus dieser Ehe gingen mehrere Töchter hervor. Peter verstarb 1745 im Alter von 64 Jahren (=> *1681). Seine Witwe schloss acht Monate später erneut den Bund der Ehe mit Johann Jacob Göke.
A.M.I. Brinkmann starb 1765 im Alter von 58 Jahren und J.J. Göke ehelichte Anna Catharine Birkemeier.
Vom Alter her könnte Peter durchaus vor der Riehten bereits eine Ehe gehabt haben. Aber da der ehemalige Peter Meyer zu Verl am 21. Augustus 1659 (als Petter zu Verll) getauft wurde, (Quelle) können beide nicht identisch sein. Zwischen ihnen liegen 12 Jahre.

Peter hinterließ aus seiner vorletzten Ehe die Söhne Christoffel Henrich (~1727) und Johann Gerdt (~1732). Sein Sohn Christoffel Henrich starb bereits mit 3 1/4 Jahren im Januar 1731.
Von Peters Sohn Johann Gerdt und dessen Ehefrau Margreth Ilsabein Diekman stammen die Söhne Johan Christoff (~1757) und Franß Henrich (~1759), die sie zu Verl katholisch taufen ließen.
War es möglich, dass Franß Henrich mein Ururururgroßvater und der Vater von Urururgroßvater Franz Obergassel ist? Ich halte ihn für zu jung. Es könnte eher Henricus Wilhelmus – Sohn von Joannes Otto – sein, der zehn Jahre älter war. (Siehe unten: Die Rietberger)
Da die Taufbücher in Verl über den Zeitraum 1766-1801 fehlen, gibt es hier leider auch keine genaueren Informationen.

Otto und Anna Maria Elisabetha Westerman heirateten am 28. November (9bris) 1734 in Bielefeld (Quelle).
Dabei wurde Otto als „Meyer zu Obergaaßel“ bezeichnet. Somit wird der Obergassel-Hof ein sog. Meyerhof gewesen sein. (Siehe: Wikipedia)
Von Otto und seiner Frau fand ich im Bielefelder Taufbuch 13 Kinder.

Anna Maria Elisabeth (~11.12.1735) war das erste Kind.
Elisabetha Obergasel und Joes Hermannus Hermanwille heirateten offenbar am 28. November 1761 in Verl, St. Anna (Quelle).
„Offenbar“ deshalb, weil ich hier immer nur den Namen Elisabeth fand. Wenn ich jedoch von der Exaktheit der Altersangabe bei ihrem Tod ausgehe – beim Gatten stimmte es genau –, dann kann es nur diese Anna Maria Elisabeth gewesen sein.
Elisab. nata Obergaßel vidua de Hermannus Hermwille Colona Senior, at: 84 an., aus Sende starb am 28. Martii 1819 (=> geb.: 1735) an Auszehrung (Quelle).
Ihr Gatte starb 1815 im angegebenen Alter von 77 Jahren (=> geb.: 1738) an Wassersucht (Quelle).

Ab 1745, der Geburt seiner Tochter Anna Catharina, stand „Coloni“ bei einigen Taufeinträgen. Daraus geht hervor, dass Otto den Hof als Colon führte. Einen Sterbeeintrag fand ich nicht.
Ottos Ehefrau kam aus einer calvinistischen Familie. Als ihr Sohn Joannes Hermannus am 08. September 1739 in Bielefeld getauft wurde, stand hinter ihrem Namen:
„qua aliquot Septimanus ante partum ex Calvinismo conversa est ad fidem orthodoxam“ (Quelle).
Was soviel bedeutet wie: „die einige Wochen vor der Geburt vom Calvinismus zum rechten Glauben konvertiert ist“

Der Sohn Joannes Hermannus heiratete 1764 die Witwe Lillman und wurde damit zum „Colono Lillmann“.
Joes Hermannus Obergassel et Elisab. vidua Lillman oo28. Februar 1764 in Verl, St. Anna. Trauzeugen waren Joes Henricus Stutewille et Herm Freytag (Quelle).
Jacob Lillman starb im Alter von 40 Jahren am ✝08. Februarius 1753 in Verl (Quelle).
Jacob Lillman et Anna Margretha Elisabeth Freytagsmüller oo03. Julius 1747 in Verl, St. Anna (Quelle).

Die Witwe Lillman verstarb irgendwann und Joes Hermannus O. heiratete offenbar neu:

Catharina Maria Vidua de Conjuge Hermannus Obergasel, olim Colono Lillmann feb put. def? panes Hemke to Kraxt. Alter: 72 Jahre, ✝29. Martius 1809 in Verl, St. Anna (Quelle).
Anmerkung 1: olim = einst verstorben
Anmerkung 2: Ein Geburtsname der Catharina Maria (=> geb.: 1737) wurde leider nicht genannt und in diesem Jahrgang wurden allein in Verl sechs Kinder mit diesen Vornamen geboren.

Was sicher aufgefallen ist: Man heiratete untereinander in Höfe ein. Es gab ja auch nicht sehr viel Auswahl ^^.

Nach dem Otto war zweifelsfrei ein Johan Christoff Colon. Leider fand ich Johan Christoff unter Ottos Nachkommen nicht. Wurde er eventuell woanders registriert?
Wenn Otto einen Sohn namens Johan Christoff hatte, dann müsste seine Geburt zwischen der von Joannes Hermannus (~1739) und Henricus Wilhelmus (~1749) gelegen haben. Dieser Sohn wäre ebenso wenig erbberechtigt gewesen. Wer wann den Hof erbte, ob der (die) Ältere oder der (die) Jüngere, dies unterschied sich allerdings von Region zu Region.
(So) „...galt in Ravensberg das Anerbenrecht in der Form, daß der jüngste Sohn bzw. die jüngste Tochter erbte.“ Quelle: Brackweder Heimatbätter 2005, Seite 14, Fußnote 27. In Rietberg galt oft das Majorat (der Älteste erbt).

Nur von Johann Gerdt fand ich einen Sohn mit dem Namen Johan Christoff, der aber eigentlich zu jung war und außerhalb der Erbfolge stand. Dass Johan Christoff bereits mit 15 Jahren geheiratet und einen Hof übernommen haben soll, erscheint aus damaliger rechtlicher Sicht nahezu ausgeschlossen. In der Zeit der Leibeigenschaft war für die Hofübernahme sowie die Eheschließung ein Mindestalter erforderlich, das in der Regel erst mit der Volljährigkeit (oft erst mit 21 oder 25 Jahren) erreicht wurde. Zudem wäre ein 15-Jähriger kaum in der Lage gewesen, die geforderten schweren Hand- und Spanndienste gegenüber dem Grundherrn zu leisten.
Unterhalb 1772 gibt es noch einiges zu erforschen.

Johan Christoff (welcher nun auch immer) und Anna Maria Henrich zu Brumel heirateten den Funden nach 1772. Ihr Nachnahme ist schlecht zu lesen. Aber Nachnamen wie Henrig zu Brumel, Claß zu Brumel, Cordt zu Brumel ect. gab es und wurden manchmal auch mit Doppel-m geschrieben. Brummel und Kleine-Brummel fand ich auch. Ebenso Heinrich-Brummel in späteren Aufzeichnungen. Anna Maria Henrich zu Brumel starb 1773 im (angegebenen) Alter von 25 Jahren (=> *1748) im Kindsbett.
Im Rittbergischen. Des Coloni Obergaßels Frau Margrete Brummels im Kindbette gestorben, ✝08. April 1773, ißt auf Dimissoriales zu Verrel begraben alt 25 Jahr“ (warum zum... stand da Margrete und nicht Anna Maria???)
Auch von Ihnen fand ich keine Kinder. Im Jahr darauf heirateten Johan Christoff und Anna Maria Lisabeth Delker in Neuenkirchen.

Definitiv sicher ist, dass Johan Christoff Obergassel mit seiner Frau Anna Maria Elisabeth Delker im Jahre 1791 das markante Hofgebäude in Sende erbaute. Eine Inschrift an dem Altbau bezeugte es. (siehe Sende-53-14.jpg)
Der Obergassel-Hof war von der Größe her in der Lage, mehr als eine Familie zu ernähren, während dies für kleinere Kotten in der Umgebung oft schwierig war.
Johan Christoff hatte mehrere Kinder. Mehrmals fand ich den Hinweis: „Colonus Obergaßel hat sein Kind mit Confens zu Verrel tauffen laßen
Wie sie alle hießen – und wann genau sie getauft wurden – steht sicher in den nicht vorhandenen Verler Büchern. Drei von den Kindern starben kurz hintereinander im April 1783. Nur die Tochter Anna Maria Elisabeth überlebte.
Joes Wilhelm Gaukstert aus Stukenbrock und Anna Maria Elisabeth Obergassel heirateten Ende 1803. Oft stehen in den Büchern noch wichtige Hinweise, die man in den Ahnenforschungsportalen MyHeritage und Ancestry nicht findet. Es geht eben nichts über die Sichtung der Originaleinträge. So stand in einem Brackweder Buch: „Wilhelm Gookstert verheiratet sich mit Col. Obergaßel Tochter und Anerbin Namens Elisabeth und wird Colonus Obergaßel“. Kinder fand ich hier auch nicht. Wilhelm starb 1819 im Alter von 39 Jahren.

Anna Maria Elisabeth Obergassel war Anerbin des Hofes, da Johan Christoff bereits drei Jahre zuvor (1816) verstarb (Quelle). Sein Alter wurde in Verl mit 68 Jahren angegeben.
In Brackwede stand ein Alter von 70 Jahren und der Satz: „Der Verstorbene war ins Waßer gefallen, und ertrunken aber vielleicht auch an Schlagfluß gestorben.
Lieber hätte ich dort die Namen der Eltern gelesen. Immerhin stand auch dort eine Altersangabe, aus der sich rechnerisch das Geburtsjahr 1746 ergibt. Demnach müsste Johan Christoff im Zeitraum von 1746 bis 1748 geboren worden sein. Aber bei Ottos Kindern fand ich nunmal keinen Johan Christoff. In das entsprechende Zeitfenster würde Henricus Wilhelmus (~1749) zwar nicht perfekt spassen. Bei Henricus Wilhelmus war jedoch erstaunlicherweise Joannes Christophorus Meyer zu Verl Taufpate, und man darf sich fragen, warum Henricus Wilhelmus nicht den Namen des Taufpaten bekam. Hatte sich etwa der Pfarrer lediglich verschrieben? Hier ist irre viel Raum für etliche Fragen und Spekulationen.

Es gab noch einen anderen Johan Christoff, ~27. Januar 1757 in Verl, nur ein paar Monate vor dem zuvor genannten geboren. Seine Eltern waren Hermann und Elisabeth bei Obergassel (Quelle).
Offenbar verstarb dieser Sohn: Joes Xtophorus, Infans von Hermanni Beyliegers bey Obergasel ✝06. November 1761 in Verl (Quelle).

Und weil es auch noch verwirrender geht. Hier ist noch einer:
Joannes Christophorus, ~05. October 1760 in Verl, von Joes Xtophorus et Anna Maria Beylieger bey Obergaesel (Quelle).

Der am 12. April 1757 getaufte Johann Christoff, Sohn vom Johann Gerdt Obergassel, heiratete in den Hof Seppeler in Bornholte ein und hieß dann Johan Christoff Obergassel gnt. Seppeler. Wohl 1798 heiratete er die Witwe Colona Anna Maria Seppeler geb. Meyer zu Verl. In der Hofbesitzerfolge des Seppeler-Hofes steht: „23.02.1798 Wittib Colona Anna Maria Seppeler und Ehemann Johann Christoph Obergassel“.
Auch hier verbergen sich die Details in den nicht vorhandenen Verler Kirchenbüchern, die hoffentlich irgendwann in einem ausgetrockneten Brunnenschacht oder wo auch immer wiederentdeckt werden.
Der Sterbeeintrag einer Seppeler-Tochter lautete: „Elisab Seppeler filia Colonorum Christophori nata Obergaßel et Anna Maria nata Meyer zu Verl, at: an: 20, Mortius: 12 Octobris 1819 Bornholte“ (Quelle).
Der Sterbeeintrag des Johan Christoph Seppeler in Verl fällt dagegen bemerkenswert hinweislos aus: „Christophorus Seppeler ✝30 Aprilis 1804, 48“ Jahre (=> geb.: 1756) (Quelle).
In der Hofbesitzerfolge des Seppeler-Hofes stand nun: „20.07.1804 Colona Wittib Anna Maria Obergassel, verwitwete Seppeler, geborene Meier zu Verl und Ehemann Henrich Langhorst genannt Seppeler.“ Die Anna Maria heiratete also schnell erneut. Zum Trauern blieb auf den Höfen keine Zeit.

Ahnentafel_Franß_Henrich_Obergassel-780x500.jpg
Abb. 4:

Anmerkung: Ursprünglich hatte ich in meiner Ahnentafel den Johan Christoff vom April 1757 mit seinen Nachfahren als Colon des Obergassel-Hofes eingetragen aber dann doch wieder entfernt, nachdem ich zwei Hinweise auf das Alter fand. 68 bzw, 70 Jahre ergab ein Geburtsjahr um 1746. Nun steht da halt ein J.C.O mit „um 1746“ als Geburtsangabe und ohne Eltern.
In den Brackweder Büchern fand ich nur den Eintrag eines Taufpaten „Joh Christoffel Obergaßel“ im „Februarius 1728“, der dann wohl weiter vor 1748 geboren wurde und damit ausscheidet.

Nachdem Joes Wilhelm Gauksterdt Ende 1819 die Hof-Anerbin Anna Maria Elisabeth Obergassel zur Witwe machte, heiratete sie Anfang 1821 erneut.
Johan Christoffs Tochter Anna Maria Elisabeth und Johannes Antonius (Anton) Stutewille heirateten im Jahr 1821. Anton heiratete somit in den Obergassel-Hof ein und bekam auch den zusätzlichen Namen Obergas(s)el. Er wurde „angeklebt“. (genealogy.net Namensanklebung und Wikipedia: Genanntname)
Ab da hieß er Anton Stutewille genannt Obergasel. (hier wurde oft, aber eben auch nicht immer, nur ein „s“ geschrieben)

Der Anton war der Sohn von Christoph Stutewille und Anna Maria Walkenforth. Und ein Joan Christoph Stutewille war der Sohn von Henrich Stutewille und Anna Maria Obergassel (ca. 1710-1765) Bei der Heirat von Anton mit der Anna Maria Elisabeth Obergassel wurde ein Verwandschaftsverhältnis 3. Grades notiert. (Siehe: Quelle).
Dies ergab sich aus der Heirat von Anna Maria Obergassel mit Henrich Stutewille 1733.
Ahnentafel_Anna_Maria_Obergassel_und_Henrich-Stutewille-780x520.jpg
Abb. 5:

Fazit: Bei der Suche nach dem Colon Johan Christoff Obergassel kam ein wichtiger Hinweis zutage: Nämlich, dass Verwandschaftsverhältnis 3. Grades bei der Heirat seiner Tochter Anna Maria Elisabeth Obergassel mit Johannes Antonius Stutewille. Denn dieses Verwandschaftsverhältnis schließt die Möglichkeit aus, dass ein weiterer Weinkauf erfolgte und der Hof nach dem Otto abermals von einem Fremden übernommen wurde, der dann auch den Namen Obergassel übernahm. Oder sollte etwa Joan Christoph Stutewille, *1738...? nee, das wäre ja dann nicht 3. Grades ^^
Da die A.M.O. um 1710 geboren sein soll, muss sie – da ja eine Familienlinie besteht – eine Schwester Ottos sowie J.C. ein Sohn Ottos sein. Tja... nur beweisen muss man es ^^
Hier steckt also noch Forschungsarbeit drin und eventuell hilft nur ein Besuch im Staatsarchiv Münster um hier mehr zu erfahren.

Im Jahr 1822 starb Anna Maria Elisabeth im Kindsbett. Also... schicksalshafter und tragischer ging es nun wirklich nicht!

1823 heirateten Anton und Anna Maria Catharine Hapig aus Delbrück. Sieben Kinder gebar sie, wobei 1834 ein Mädchen bald nach der Geburt verstarb. Die vier Söhne wurden in Verl, St. Anna, katholisch getauft. Alle Söhne jeweils ein paar Tage danach und auch die beiden Töchter in Brackwede (evangelisch). Doppelter Segen irgendwie - bemerkenswert!
Beim Carl Joseph (*27.12.1832) mogelte man ein wenig. In Verl wurde er am 29.12.1832 getauft. In Brackwede nannte man das Geburtsdatum den 05.01.1833 als er am 15.01. dort getauft wurde.
Die Kinder hießen später nur noch Obergas(s)el. Eine 1828 erlassene Verordnung des Oberpräsidenten von Westfalen bestimmte es so. Denn die Genannt-Namen konnten lang werden, wenn mehrmals entsprechend geheiratet wurde.
Als die Eltern Anton und seine Frau 1837 zeitgleich an der Cholera starben, hinterließen sie den Hof und sechs minderjährige Kinder.
Allein waren sie aber ganz und gar nicht. Es gab einige Familien auf dem Hof, die dort als Heuerlinge arbeiteten. Auch von diesen gab es Geburten, und so dürften ständig Kinder dort herumgewuselt sein. Natürlich fand ich in den Sterberegistern auch viele, die dort starben. Freude und Trauer waren somit permanent präsent.

In der Digitalen Biblothek des Münchener Digitalisierungszentrums fand ich bei der Eingabe des Namens Obergassel: „Paderbornsches Intelligenzblatt : für den Appellationsgerichts-Bezirk. 1837 ## 12.08.1837“ eine Bekanntmachung mit dem Text:


18)    Auf den Antrag der Vormünder der Minorennen Obergaſſel zu
Sende iſt über den Nachlaß der verſtorbenen Eheleute Anton und Maria
Catharina Colonen Obergaſſel zu Sende der erbſchaftliche Liquida-
tions-Prozeß durch die heutige Verfügung eröffnet worden, die ſämmtlichen
Gläubiger werden daher hierdurch vorgefordert, binnen 3 Monat und ſpä-
teſtens in dem vor dem Herrn Landrichter Pelizäus auf
                    den 26ten October Vormittags 9 Uhr
im Gerichtshauſe angeſetzten Termine ihre Anſprüche anzumelden und nach-
zuweiſen.
     Diejenigen, welche dies unterlaſſen, trifft der Nachtheil, daß ſie aller
ihrer etwaigen Vorzugsrechte verluſtig erklärt und mit ihren Forderungen
nur an dasjenige, was nach Befriedigung der ſich meldenden Gläubiger von
der Maſſe übrig bleibt, verwieſen werden. Uebrigens können die, welche
perſönlich zu erſcheinen verhindert ſind, ſich an den hieſigen Juſtiz-Com-
miſſar Herrn Groneweg zu Gütersloh wenden und ihn mit Vollmacht
verſehen.
     Rietberg am 2. July 1837
               Fürſtlich-Kaunitzſches Gericht der Grafſchaft Rietberg
                              Pelizäus

Diese Bekanntmachung erfolgte mehrere Male.

1857 wurde der Hof für 19.250 Taler an Otto Diekhoff aus Neuenkirchen verkauft. Danach ging er noch durch mehrere Hände, bis er 1884 an Bethel verkauft und „Eichhof“ genannt wurde. (siehe Hofbesitzerfolge Sende-53-14.jpg)
Elisabeth Obergassel (21 Jahre) und Joan Henrich Kaupschäfer heirateten 1846 in Kaunitz.
Johan Conrad Obergassel (26 Jahre) und Maria Theresia Kiffe aus Boke heirateten 1856. Sie blieben auch dort. Sie bekamen sechs Kinder.
Carl Joseph Obergassel (29 Jahre) und Anna Maria Elisabeth Troja heirateten 1861 in Thüle. Carl wanderte ein paar Jahre später in die USA aus. (siehe: Die Auswanderer)
Die Hanna Maria Anna Obergassel heiratete 1851 Wilhelm Thiesbohnenkamp gnt. Bremehr aus Bornholte in Verl. Anfangs war ich mir nicht 100%ig sicher bei der Hanna Maria Anna. Bei der Heirat der beiden wurde Maria Anna angegeben. Es gab für mich bis zum Fund des Taufeintrags in Brackwede nur eine Hanna Maria vom Anton und seiner Ehefrau Anna Maria Catharine Hapig. Erst im Taufeintrag fand ich ihren ganzen Namen: Hanna Maria Anna. War ich mir nun sicher? Hmm... es gibt da noch einen Taufeintrag aus Friedrichsdorf:

Maria Anna Obergassel, geb. 25. November 1827, Taufe: 27. November 1827 in Friedrichsdorf, St. Friedrich
Parentes: Colonus Antonius Obergashel natus Stutewille et Maria Francisca Haupmann in Sende
Patrini: Maria Anna Haupmann
(Siehe: Quelle)
Der Name der Mutter weicht aber sehr ab von Antons Frau ^^ Und das Taufdatum der Maria Anna liegt zwei Monate vor dem der Hanna Maria Anna. Dennoch könnte sie es sein, da ich eine Maria Francisca Haupmann nirgendwo fand. Die Doppeltaufe war beim Anton wohl üblich, und es gab nicht selten Ungereimtheiten.
Sicherer war ich mir nach dem Fund des Taufeintrags am 06. Jan. 1828 im evangelischen Buch in Brackwede. Dort stand bei der Spalte der Taufzeugen:
„Die Geburt dieses Kindes wurde aus Vernachläßigung der Eltern, und des Pfarrers so spät angezeigt, weil sie katholisch sind, und sich dieses erlauben zu dürfen glauben.“ (Siehe Bild 278 bei: Quelle)

Wo waren Antons Kinder Johan Wilhelm (*1824) und Joannes Hermannus (*1835) abgeblieben? Ich fand sie nicht in den westfälischen Kirchenbüchern. Das Fehlen von Heirats- oder Sterbevermerke in den westfälischen Kirchenbüchern kann aber auch auf eine „stille“ Auswanderung hindeuten. Waren sie vor dem Carl in die USA ausgewandert? Eigentlich sollten alle Auswanderer registriert werden. Aber viele entzogen sich der Registrierung. Auch wurden die Passagierlisten je nach Schiff und Hafen unterschiedlich detailliert geführt. Dazu kommt, dass nicht alle Passagierlisten erhalten geblieben sind.
Die „KI“ gemini fand jedoch eindeutige Hinweise, dass alle drei Brüder in Missouri lebten. (28.01.2026) Ein Dokumentennachweis für Johan Wilhelm (William) und Joannes Hermannus (Herman) steht noch aus.


Die Auswanderer

Wo waren Antons Kinder Johan Wilhelm (*1824) und Joannes Hermannus (*1835) abgeblieben? Ich fand sie nicht in den westfälischen Kirchenbüchern. Das Fehlen von Heirats- oder Sterbevermerke in den westfälischen Kirchenbüchern kann aber auch auf eine „stille“ Auswanderung hindeuten. Waren sie vor dem Carl in die USA ausgewandert? Eigentlich sollten alle Auswanderer registriert werden. Aber viele entzogen sich der Registrierung. Auch wurden die Passagierlisten je nach Schiff und Hafen unterschiedlich detailliert geführt. Dazu kommt, dass nicht alle Passagierlisten erhalten geblieben sind.
Die „KI“ gemini fand jedoch eindeutige Hinweise, dass alle drei Brüder in Missouri lebten. (28.01.2026)
Ein Dokumentennachweis für Johan Wilhelm (William) steht noch aus. Für Joannes Hermannus, der in den USA Herman hieß, fand ich u.a. ein Dokument aus dem Jahr 1861, in dem er als Nachlassverwalter von Pauline Joppich genannt wird. Ein Beweis, dass Hermann vor dem Carl ausreiste. (Quelle).

Carl Joseph Obergassel aus Brackwede und Elisabeth Troja heirateten in Thüle 1861. Sie starb 1865 an Morphinsucht und hinterließ ihren Gatten und den zweieinhalbjährigen Sohn Stephan Konrad. (Interessant ist: Das Morphin wurde erstmals in Paderborn von Friedrich Sertürner aus Opium isoliert.)
Einen Monat nach dem Tod seiner Frau reiste Carl im Zwischendeck der „Hansa“ von Bremen nach New York. Sein Sohn blieb hier. (bei Carls Verwandten?)
Obwohl ich kein direktes Dokument über die Schiffspassage finden konnte, existiert eine Registrierung im Ankunftshafen (United States Germans to America Index, 1850-1897). Als Beruf gab er „Farmer“ an, als letzter Wohnort wurde Sende vermerkt (Quelle).
1862 wurde in den USA der „Homestead Act“ (das Heimstättengesetz) erlassen, durch den Siedler kostengünstig Land erwerben konnten. Dieses Gesetz wirkte als starker Pull-Faktor und löste eine weitere große Auswanderungswelle aus. Eventuell warf auch der Deutsche Krieg von 1866 bereits seine Schatten voraus und fungierte für Carl als Push-Faktor. Da seine Brüder Johan Wilhelm (*1824) und Joannes Hermannus (*1835) zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA waren, ist es wahrscheinlich, dass Carl ihnen dorthin folgte.

Stephan Konrad reiste 28 Jahre nach seinem Vater, im Jahr 1893 und inzwischen fast 31-jährig, mit der S.S. Weimar der Steam Ship Company Norddeutscher Lloyd von Bremen nach Baltimore, Maryland. In den Vereinigten Staaten nannte er sich fortan Conrad. Laut der Passagierliste (Passenger List) war er ledig, stammte aus Wanne (gemeint war sicher Weine bei Büren) und sein Vater bezahlte die Passage. Als Beruf wurde „Distiller“ (Brenner) eingetragen, als sein endgültiges Reiseziel (Final Destination) St. Louis (Quelle).
Der Grund seiner Reise war der Besuch des Vaters in St. Louis, Missouri. Stephan Konrad reiste somit während der größten Auswanderungswelle in die USA, die den Zeitraum von 1880 bis 1900 umfasste.

In einer Volkszählung aus dem Jahr 1900 (12th Census of the United States) – Conrad war zu diesem Zeitpunkt 38 Jahre alt – wurde sein Beruf als „Laborer Glue Wks“ (Arbeiter in einer Leimfabrik) angegeben. Er war mit der ebenfalls aus Deutschland stammenden Anna E. verheiratet. Anna wurde 1836 geboren und war somit 26 Jahre älter als er. Bemerkenswert ist ihr eingetragenes Einwanderungsjahr 1867; damit lebte sie fast so lange in den Staaten wie sein Vater. Ihr Mädchenname lautete Abeln. Unter „Number of years married“ war eine „0“ eingetragen, denn die beiden hatten erst am 21. November 1899 geheiratet. (Quelle).
Sie hatten weder lebende noch verstorbene Kinder.
Beide wohnten zur Miete in dem Haus einer Witwe Christina Abeln (Head of family) mit fünf Kindern. Christina war Boarding House Keeper; ihr Haus fungierte also als Pension, in der zum Zeitpunkt der Volkszählung noch weitere Kostgänger registriert waren. Christina war höchstwahrscheinlich eine Verwandte (vielleicht die Schwägerin oder Nichte) von Anna.
Da Carl in der 1900er-Volkszählung nicht mehr auftaucht, wird er zwischen 1893 und 1900 verstorben sein. Leider begann die systematische Aufzeichnung der Totenscheine in Missouri erst im Jahr 1910.
In der Volkszählung von 1910 (13th Census of the United States) wird lediglich eine „Elisabet“ als Conrads Ehefrau aufgeführt. Aus der Zählung von 1920 (14th Census of the United States) geht hervor, dass Conrad und Elizabeth im Jahr 1901 eingebürgert worden waren.

Die Adresse North 11th Street Nr. 3624, wo sie lebten, liegt nur ein paar Blocks vom Ufer des Mississippi River entfernt. Der Fluss gehört dort nur bis zur Mitte zu Missouri, die andere Hälfte gehört bereits zu Illinois. In Illinois finden sich Orte mit Namen wie Paderborn, Germantown, Freeburg, New Hanover und New Minden. Zwischen Baltimore (Maryland) und St. Louis (Missouri) liegen die Staaten Virginia, West Virginia, Kentucky, Ohio, Indiana und Illinois. Je nach Route durchquerte Stephan Konrad, alias Conrad, auf seinem Weg nach St. Louis im Bundesstaat Missouri also mehrere Bundesstaaten.
Es bleibt der Fantasie überlassen, was die Beteiligten damals alles erlebt haben könnten – darüber ließen sich wahrlich wilde Geschichten ersinnen! :-D

Conrad lebte mit seiner Frau Anna Elisabeth in St. Louis, bis beide dort verstarben: sie im Jahr 1922 im Alter von 86 Jahren, er 1928 mit 65 Jahren. In Conrads Certificate of Death wurde als Beruf „Night Watchman“ (Nachtwächter) eingetragen.
(Quelle für Conrad), (Quelle für Elisabeth).

Nachfahrentafel_Johan_Christoff_Obergassel-780x580.jpg
Abb. 6:


Die Rietberger

Übersichtskarte der Katastergemeinde Rietberg (mit der Untergemeinde Bokel)


Abb. 7: Ausschnitt aus der Karte mit Rietberg-Herrenbruch.
            Titel: Abt. Ostwestfalen-Lippe, D 73 Kataster Minden 1, Karten, 086/001/001 K
            Klicke auf die Karte zur Vergößerung, auf (Quelle) für die ganze Karte.

Leider kann ich nur stark vermuten, dass Franz Obergassel ein Sohn von Henricus Wilhelmus (~1749) war. Wenn es sich erwiese, käme ich zwei Generationen weiter, und auch die Verbindung zu den Bielefeldern wäre gegeben. Damit würde sich ein sehr großer Stammbaum ergeben. Aber solange ich dies nicht schwarz auf weiß in den Büchern nachlesen kann, wäre eine reine Behauptung sehr unwissenschaftlich und unprofessionell. Jedoch darf man obigen Zusammenhang durchaus im Hinterkopf behalten und eine ‚Indizienreihung’ aufstellen.
Bei Franz seiner Heirat 1821 wurden als sein Eltern Henrich Obergasel Beylieger bey Obergasel in Sende und Elisabeth Kleinelillmeyer genannt. Konnte dieser Henrich denn nicht auch Gerdts Sohn Franß Henrich (*1759) gewesen sein?
• Es erscheint plausibler, dass Henricus Wilhelmus (Sohn des Joannes Otto) der Vater von Franz war, da er – 1749 geboren – 10 Jahre älter als der andere Kandidat und damit näher an dem damals heiratsüblichen Alter lag. Mit 26 Jahren hatte er ein absolut klassisches Alter für eine Familiengründung im 18. Jahrhundert.
• Ein Frans Willhelm war 1811 in Verl Taufpate. Ist das ein Hinweis auf Henricus Wilhelmus als Vater von Franz? Da Mehrfachnamen damals üblich waren, könnte Franz durchaus Franz Wilhelm getauft worden sein. Hatte er den zweiten Vornamen vom Vater Henricus Wilhelmus? Dies blieb jedoch der einzige Fund dieser Art; ansonsten fand ich nur den Vornamen Franz, wenn dieser als Trauzeuge oder Taufpate auftrat.
Wenn nur die Verler Bücher des entsprechenden Zeitraumes verfügbar wären ... (Ich hasse den Konjunktiv :-o)

Nun wird es komplexer:
• Elisabeth Kleinelillmeyer, Spinnerin und Beyliegerin bey Hagencord No. 41 in Westerwiehe, starb am 05. März 1832 im Alter von 84 Jahren in Neuenkirchen. Sie war Witwe vom Heuerling Bernhard Zirkel und hinterließ vier großjährige Kinder (Quelle).
zurückgerechnet ergibt sich ein Geburtsjahr von 1848. Henricus Wilhelmus wurde 1849 geboren.

Nun wird es noch komplexer:
• Heirat von Bernardus Henricus Cirkel et Anna Maria Elisabeth Linnemeyers ex Verl am 04. October 1777 in Bielefeld (Quelle).
Einen anderen Bernhard (Cirkel, Sirkel, Zirkel), der infrage käme, fand ich nicht. Drei Töchter der beiden fand ich im Bielefelder Taufbuch. Einmal wurde der Nachname der Mutter zu Linnemann. War es ein Schreibfehler und die Mutter war doch die Kleinelillmeyer? Ein Hinweis, dass die Linnemeyer Witwe oder Jungfrau (virgo) war fehlte.
Wenn es sich wirklich um die Elisabeth Kleinelillmeyer gehandelt hat, dann wäre Henricus Wilhelmus kurz nach der Geburt von Franz verstorben, und sie hat neu geheiratet.
Welche Hinweise gibt es noch?
• Anna Margaretha Sirkel virgo filia legitima defti. (defuncti) Bernardi Sirkel Sartoris (= Schneider) et Elisabetha Kleinelillmeyer inquilinourus in Sende anno 1788 die 25te December heiratet am 11. Majus 1811 in Neuenkirchen, St. Margaretha, Joannes Henricus Brüggershemke adolescens filius legitimus Joannis Henrici Brüggershemke (Quelle).
Anna Margaretha war leider nicht unter den drei gefundenen Töchtern vom Bernhard und der Elisabeth. Sie wird sicher in Verl getauft worden sein. In der berüchtigten Verler ‚Lücke’.
• Als Elisabeth Obergasel 1821 geboren wurde – Kind von Franz Obergassel und Maria Catharina Kulage – da war Witwe Elisabeth Obergasel Taufpatin (Quelle).
Hier stand leider nicht ‚Elisabeth Zirkel Witwe Obergassel’. „In Westfalen war es jedoch üblich, Witwen nach ihrem ersten Ehemann zu nennen, wenn dieser den höheren sozialen Status hatte oder wenn sie auf dem betreffenden Kotten (Obergasel) noch Rechte hatte.“, sagte die ‚KI’ gemini am 28.12.2025.

• Als Maria Elisabetha Margarethe 1827 geboren wurde – Kind von Franz Obergassel und Maria Catharina Kulage – da war Anna Margarethe Brügeshemke Taufpatin (Quelle).
„Da Patenschaften damals fast ausschließlich innerhalb der Familie vergeben wurden, ist dies der Beweis: Franz Obergasel und Anna Margaretha Brügeshemke sind Geschwister (bzw. Halbgeschwister). Damit ist Elisabeth Kleinelillmeyer definitiv die Mutter von beiden und die Brücke zwischen Obergasel und Zirkel ist geschlagen“, sagte die ‚KI’ gemini am 28.12.2025.

Naja, ich verlasse mich da lieber auf eindeutige Dokumente, aber es scheint bisher nichts zu geben, was dieses Ergebnis unwahrscheinlich macht. Jeder relevante Fund kann dieses Gedankengebäude untermauern oder zum Einsturz bringen. Jedoch kann man es bis dahin durchaus als Möglichkeit im Sinn behalten.

Franz Obergassel (46 Jahre) und die Witwe Maria Catharina Kulage heirateten im Mai 1821 (Quelle).
Danach wäre er 1775 geboren. Als er 1862 starb, stand dort 84 Jahre => *1778.
Franz seine Frau war zuvor mit Joannes Petrus (Joan Peter) Langhorst aus Gütersloh verheiratet (oo1809) und bekam von diesem vier Kinder. Peter verstarb Anfang 1820. Als Franz und die Kulage heirateten, war sie bereits seit drei Monaten schwanger, denn im November 1821 kam Elisabeth – das erste Kind von den beiden – zur Welt. Es folgten Everhard (*1823), Magdalena (*1824), Elisabeth (*1826), die Zwillinge Catharina Elisabetha und Maria Elisabetha Margarethe (*1827), Anna Maria Elisabeth (*1829), Johann Heinrich (*1831) und mein Ururgroßvater Heinrich Caspar (*1835) als letzes Kind. Mal locker insgesamt 13 Kinder aus beiden Ehen. ^^

Ahnentafel_Heinrich_Caspar_Obergassel_und_Maria_Theresia_Schlüter-780x336.jpg
Abb. 8: Ohne Bernhard Zirkel

Wie erstaunlich Ahnenfunde sein können, zeigen die komplizierten Familienverhältnisse meines Rietberger Ururgroßvaters Heinrich Caspar Obergassel. Hier waren sechs Personen nacheinander verbandelt.
Wenn mehrfach hintereinander geheiratet wird, sprechen Geneaologen von einer Ehenkette bzw. Kettenehe.

Heinrich Caspar (27 Jahre), Kötter im Herrenbruch bei Rietberg, und Therese Schlüter (23 Jahre) aus Neuenkirchen heirateten 1862.
Therese Schlüter starb 1884 im Alter von 43 Jahren an Schwindsucht und hinterließ 1 Gatten und sieben (!) Kinder.
(Es sollten acht sein. Offenbar hatte sich da jemand verzählt. ^^)
Heinrich Caspar (50 Jahre) heiratete danach Margarethe Blankenaufulland (44 Jahre) aus Bornholte, die lange Magd bei Winkelheide in Westerwiehe war, im Jahr 1885.
Heinrich Caspar starb 1886 im Alter von 51 Jahren an einem Magenleiden und hinterließ 1 Gattin und acht (!) Kinder.
Margarethe Blankenaufulland (46 Jahre) und J. Hermann Holtkamp (64 Jahre), Kötter in Mastholte, heirateten 1887. Da war er bereits 64 Jahre alt.
J. Hermann Holtkamps Ehefrau, Margarethe Deiters, starb zuvor im Jahre 1886 im Alter von 65 Jahren. Diese Ehe hatte keine Kinder.
J. Hermann (67 Jahre) verstarb 1890 an Schlagfluss und Margarethe (50 Jahre) heiratete Conrad Pickert (32 Jahre) im Jahre 1891.
Margarethe Blankenaufulland starb 1899 im Alter von 58 Jahren. Vermutlich durften die jungen Obergassels auf Holtkamps und Heinrich Caspars Kotten ordentlich arbeiten. Mutter tot, Vater tot. Waren die Stiefeltern nicht so nett zu ihnen? Anscheinend hatten viele die Nase voll gehabt und zogen weg als sie erwachsen waren.
Ein Vater mit Kindern, darunter Minderjährige und Kleinkinder, dem die Ehefrau verstirbt, brauchte dringend eine neue Frau. Und eine (Stief-) Mutter, dessen Ernährer und Versorger verstirbt, brauchte dringend einen neuen Solchen. Eine andere Absicherung gab es früher ja nicht und somit wurde wohl auch nicht nach Schönheit geschaut.
Das Leben war damals kein Ponyhof ^^

Neben meinem Urgroßvater, Hermann Everhard, kamen noch sein Bruder Hermann Heinrich und seine Schwestern Maria Margarethe und Franzisca Elisabeth nach Dortmund-Hörde. Damals war Hörde noch eine eigene Stadt und wurde erst 1928 zu Dortmund eingemeindet. Johann Georg war nur kurz um 1904 in Hörde gemeldet, heiratete später in Liesborn und blieb dort.
Hermann Everhard, der als Fabrikarbeiter im Hörder Stahlwerk arbeitete, und seine erste Frau Caroline Keller (*1864 bis ✝27. Mai 1899) heirateten 1888 in Dortmund. Die Rietberger Obergassels waren katholisch. Dass die Caroline evangelisch war, überraschte mich. Geburten stellten auch zum Ende des 19. Jahrhunderts noch ein erhebliches Sterberisiko dar. Caroline starb am Wochenbettfieber.
Auch sein Bruder Hermann Heinrich gründete 1891 eine Familie in Hörde und auch die Schwestern waren bald „unter der Haube“. Hermann Heinrich arbeitete zuvor als Diener bei dem Rietberger Gutsbesitzer und Industriellen Tenge. In Hörde/Dortmund arbeitete Hermann Heinrich als Badewärter.
Meine Urgroßeltern Hermann Everhard Obergassel und Maria Elisabeth Dreier aus Liesborn heirateten 1901 in Liesborn. Er brachte sie mit nach Dortmund. Drei Söhne und zwei Töchter bekamen sie. Kohle und Stahl sorgten in den kommenden Jahrzehnten für harte Arbeit aber auch bescheidenen Wohlstand. Damals konnten Berg- und Stahlarbeiter sich sogar ein Eigenheim erarbeiten.
Unvergesslich: In dem großen Garten meiner Großeltern habe ich als Kleinkind die Hühner mit Würmern gefüttert und einmal im Jahr wurde ein Schwein verwurstet. Leeecker!!!

Ahnentafel_Hermann_E_Obergassel_und_Maria_E_Dreier-reduziert-780x277.jpg
Abb. 9:


Alte Fotos

Hier ist ein Foto von meiner Urgroßmutter väterlicherseits (die Dame in Schwarz).

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Abb. 10: Maria Elisabeth Obergassel geb. Dreier, *10.06.1870 in Liesborn, Westfalen / ✝29.03.1951 in Dortmund.

Als einziges Foto von vor 1900 habe ich eines von meiner Urgroßmutter mütterlicherseits auftreiben können.

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Abb. 11: Johanne Clever geb. Drees *09.1874 in Wegerhof, Kreis Altena. ✝01.01.1915 in Hückeswagen.
              Links: Das eingescannte Foto. Rechts: Retuschiert und coloriert mit einem Tool von MyHeritage.
              MyHeritage schätzte das Aufnahmedatum mit einer Sicherheit von 89 Prozent auf 1889 +/- 5 Jahre.
              Es könnte sich um ein Foto zur Kommunion oder Firmung handeln. Johanne war katholisch.
              Oder um ein Verlobungsfoto, da Johanne eine Kragenbrosche und am zweiten Finger der linken Hand einen Ring trägt.

Carl_Wilhelm_Gödecke-1860-1941.jpg
Abb. 12: Mein Urgroßvater Carl Wilhelm Gödecke, *09.01.1860 in Gottsbüren / ✝um 1941 in Dortmund.
              Links: Das eingescannte Foto. Rechts: Retuschiert und coloriert mit ChatGPT.


Unsortierte Ahnenfunde

So mancher Fund in den alten Kirchenbüchern lässt sich nicht auf Anhieb in den Stammbaum einhängen. Bei diesen werden noch weitere Hinweise und damit noch weitere Recherchen benötigt. Damit sie nicht aus dem Blickfeld geraten, ist es sinnvoll, sie irgendwo unter „Unsortierte Funde“ einzuordnen. Beispiele:

Margaretha Obergaasel, Ehefrau des Kötters Heinrich Brüggershemke, Neukaunitz, 70 Jahre, starb am ✝11. Mai 1857 in Liesborn (=> *1787) (Quelle).

Heinrich Lückewille geboren Obergaßel in Sende, Leibzüchter, starb am ✝11. Januar 1845 im Alter von 78 Jahren in Verl (=> *1767) (Quelle).
Verheiratet war er mit Anna Catharina Lukewille geborene Wulfhorst, Leibzüchterin. Sie starb 1830 im angegebenen Alter von 77 Jahren (Quelle).
Joan Henrich Obergasel heiratete 1832 im Alter von 64 Jahren (=> *1768) Anna Maria Puls (46 J.) aus Stuckenbrock (Quelle 1 und Quelle 2).
Bei Quelle 2 steht: Stand und Wohnort des Vaters: „Colon Obergahsel in Sende“.
Anmerkung:
Frage: Wer war 1767/68 Colon in Sende? Hatte Otto noch ein oder sogar noch mehrere Kinder? Doch sicher nicht mehr mit der Westermann ^^

Anna Maria Riwenpeter, geb. Obergasel, Alter: 80 Jahre, Witwe des Heinrich R. Heuerling bey Ellebracht Hülsewe zu Sende, starb am ✝13. Februar 1825 (=> geb.: 1745) (Quelle).
Anna Maria könnte die am 02. März 1747 getaufte Tochter von Otto sein. (oder auch nicht)

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Joannes Christophorus Niermeyer de Centuria D. de Wolframhsdorff und virgo Elisabetha Obergassel heirateten am 22. Martii 1772 in Bielefeld, St. Jodokus (Quelle).

Taufeinträge von Kindern der beiden fand ich in Bielefeld, St. Jodokus:

Anna Catharina ~18. Jan. 1773, Filia legitima Joannis Christophori Niermeyer Militis Centuria D. de Wolframsdorff et Elisabetha Obergahsel. Patrina sunt Anna Catharina Merschman (Quelle).

Maria Elisabeth ~11. Sept, 1774, Filia ligitima Joannis Christophori Niermeyer de Centuria D. de Wolframsdorff et Elisabeth Obergahsel, Patrina denominata sunt Elisabeth Althof. Prolem Levavit Franciscus Stegemann (Quelle).

Joannes Henricus ~1. Augusti 1776, Filius ligitimus Christophori Niermeyer de Centuria D. de Wolframsdorff et Elisabeth Obergahsel. Patrinus sunt Joannes Henricus Rieve (Quelle).

Weitere (Tauf-)einträge von Kindern der beiden fand ich in Stukenbrock, St. Johannes Bapt:

Joes Otto ~04. xbris 1780, Parentes: Xtophor Niehrmeyer et Anna Ilseb Obergahsel, Patrini: Joes Otto Wineke, Elisabeth Ferl Stephan (Quelle).
Anmerkung:
Bei Joes Ottos Taufe wurde bei der Mutter zum ersten und einzigen Mal ein weiterer Vorname geschrieben: Anna Ilseb (Elisabeth)

Joes Conradus ~??. Feb. 1783, Parentes: Christophor Niedermeier et Elisabeth Obergahsel, Patrini: Conrad Hellerfordt, Elisabeth aKock Quelle).

Joes Henricus Niehermeyer, infans, ✝18. April 1783, in Stukenbrock (Quelle).

Joes Conradus ~03. Feb. 1784, Parentes: Xtophorus Niehermeier et Elisabeth Obermeier, Patrini: Conradus Fockel, Christin Ekenbusch (Quelle).
Obiger Fund sah mir sehr nach Obergassel aus. „Obermeier“ könnte somit ein Schreibfehler sein, denn Joes Conradus verstarb zuvor:

Joes Conradus Niehermeyer ✝03. Martius 1783, in Stukenbrock (Quelle).
Zumal ich weder einen Sterbeeintrag der Obergassel, noch eine Heirat mit einer „Obermeier“ in Stukenbrock fand.

Christoph Niedermeier maritus ✝14. 7bris 1784 in Stukenbrock (Quelle).
Anmerkung:
Wenn das der Johan Christoff Niermeyer war, hat die Elisabeth sicher neu geheiratet. Leider fehlt im Buch der Zeitraum von 9bris (Nov.) 1783 bis 7bris (Sept.) 1785. Im Sterberegister fand ich nichts. Hier wird sicher einiges offen bleiben.

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Joan Christophorus, ~05. August 1764 in Bielefeld, St. Jodokus (kath). Filius legitimus Joannis Overgaßel et Anna Maria Grotenbrummel conjugum, Patrinus: fuit Joan Christopher Stutewille (Quelle).

Geheiratet haben: Joann Obergaßell et Anna Maria Graute Brummel am oo27. November 1756 in Verl, St. Anna (Quelle).

Anmerkung:
Wenn der Joannis der Joann Otto gewesen ist, dann wäre die Grotebrummel seine (verm.) zweite Ehefrau. Aber leider habe ich weder einen Sterbeeintrag von der Westermann gefunden, noch reicht der Vorname Joannis aus, um diese Heirat/Taufe dem Otto zuzuordnen.
Zusatzspekulation: Der Peter Ferdinand ~1757 (s.u.) könnte das erste Kind der beiden gewesen sein.

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Peter Ferd. Obergassel heiratete Anna Xtina Humann, Copulatorum 22. November (9bris) 1785 in Neuenkirchen, St. Margartha (Quelle).
Anna Christina starb am ✝17. März 1825 im Alter von 82 Jahren. Gut, dass der Pastor so viel ins Sterberegister geschrieben hat. Die Anna Christina geb. Meyer to Bokel heiratete 1773 in erster Ehe Colon Christoph Humann, der 1785 starb. Im gleichen Jahr schloss Anna Christina Human den Bund der Ehe mit Peter Ferdinand Obegassel und brachte in diese zwei Töchter mit. Laut diesem Sterberegister blieb die Ehe mit Peter Ferdinand Obergassel kinderlos (Quelle 1).
Peter Humann (geb. Obergassel) starb ✝1788 (Quelle 2).
(Sterbeeintrag Xtopher Human ✝1785: Quelle 3)
Traueintrag Anna Christina Meyer to Bokel mit Xtopher Humann oo1773: (Quelle 4)

Petrus Ferdinandus Obergassel, Taufe: ~10. November 1757 in Bielefeld, St. Jodokus (kath). Leider wurden keine Eltern genannt. Es stand nur "N.N." dort (Non Nomina) (Quelle).
Warum wurden keine Eltern genannt? Wenn Peter Ferdinand ein Findelkind war, welches man auf dem Obergasselhof ablegte, und sich die Obergasselfamilie des Kindes annahm und taufen ließ, dann hätten doch zumindest Obergassels als Taufpaten dort gestanden. Aber auch Taufpaten standen dort nicht. Sehr seltsam... ^^
Peter Ferdinand war 14 Jahre jünger als Anna Xtina. Der Altersunterschied von 14 und auch noch mehr Jahren war damals gar nicht ungewöhnlich.

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In den evangelischen Archion-Büchern fand ich u.a. die Einträge:

Der Colonus Obergaßel hat seine Tochter Liesabeth des 25. Mart. 1769 4 Jahre alt zu Verrel laut Dimissor. begraben laßen. Brs. [Bauerschaft] Senne im Rittbergischen.
(Quelle: Landeskirchliches Archiv der Evang. Kirche > Kirchenkreis Gütersloh > Brackwede > Trauungen 1751-1795, Taufen 1751-1779, Beerdigungen 1751-1779 BAND 2, Bild 304)

[verm. zw. 09. u. 23.] November 1766: Colonus Obergaßel hat sein Kind mit Consens zu Verrel tauffen laßen.
(Quelle: Landeskirchliches Archiv der Evang. Kirche > Kirchenkreis Gütersloh > Brackwede > Trauungen 1751-1795, Taufen 1751-1779, Beerdigungen 1751-1779 BAND 2, Bild 146)
Anmerkung:
Dies könnte der Joan Henrich gewesen sein, der in den Hof Lükewille einheiratete. Er starb am ✝11. Januar 1845 im angegebenen Alter von 78 Jahren und war „Filius Colon Obergassel in Sende“. (=> geb.: ✝1845-78=*1767)

[verm. zw. 01. u. 19. Oct.] 1766: Des Coloni Obergaßels Frau ißt mit Consens zu Verrell begraben. (Quelle: Landeskirchliches Archiv der Evang. Kirche > Kirchenkreis Gütersloh > Brackwede > Trauungen 1751-1795, Taufen 1751-1779, Beerdigungen 1751-1779 BAND 2, Bild 297)

Anmerkung:
Immer wieder die gleiche Frage: Wer war zu dieser Zeit Colon? 1766 war die Westermann bereits 57 und der Otto 64 Jahre alt. Joan Christoph (*1748) mit 18 Jahren aber zu jung für die Hofnachfolge. War es Ottos vermutete zweite Frau? Evtl. die Anna Maria Graute Brummel? (s.o.) Das könnte schon passen. Nur beweisen muss man es ^^

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Anna Maria Obergasel, ~21. September 1749 in Bielefeld, St. Jodokus. filia legitima: Joannis Hermanni Obergasel inquilini in sic dicta villa, et Anna Elisabetha Peterleling (verm. Peterleweling/Peterleveling) prolem levavit: Anna Maria Stranek (Quelle).

Anna Obergaßel et Cordt Stutewille heirateten am oo01. November 1715 in Verl, St. Anna (Quelle).
Oh, das ist auch ein interessanter Fund. Cordt Rieven genannt Stutewille konnte es ja nicht sein, denn dieser verstarb 1709.

Etwas tragisches zwischendurch...
✝29. Augustus 1698: ein 2 jähriges Knäblein stranguliert gefunden bey Obergaßels Feld an der Landstraße (Quelle).

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Hier gab es eine Überkreuzheirat. Peter Obergaßel heiratete offenbar in den Hof Kleinegräber, der nur einen „Katzensprung“ vom Obergassel-Hof entfernt war, ein:

Peter Obergaßel und Maria Kleine gräber heirateten am oo18. Junius 1698 in Verl, St. Anna (Quelle).
und
Regina Obergaßel und Cord Kleine gräber heirateten am oo06. Julius 1698 in Verl, St. Anna (Quelle).

Aus dem Peter Obergaßel wurde ein Peter Kleinegräber. Notiert wurde in den Folgejahren:

Anna Maria Elisabetha, Taufe: ~14. Junius 1699 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter Kleine Gräber und Maria Ehel. (Quelle).

Anna Catharina, Taufe: ~04. December 1701 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter Kleine Gräber und Maria Ehel. (Quelle).

Anna Maria, Taufe: ~14. Aprilis 1705 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter et Maria Kleine gräber. Patrina: Anna Gaeßell (Quelle).

Catharina Elisabeth, ~Taufe: 29. Julius 1708 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter und Maria Kleinegraber (Quelle).

Jacob, Taufe: ~17. Julius 1718 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter et Maria Kleine gräber Patrinus: Jacob Kleine gräber (Quelle).

Von der Regina und dem Cord (Conrad) fand ich:

Anna Maria Elisabetha, Taufe: ~30. November 1699 in Verl, St. Anna. Parentes: Conrad Kleine gräber und Regina (Quelle).

Anna Gerdrudis, Taufe: ~17. Aprilis 1701 in Verl, St. Anna. Parentes: Cord von und bey Kleine gräber und Regina (Quelle).

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Anna Catharina Obergaßel, Ripbergensis, und Henrich Platz waren am 04. November 1705 in Stukenbrock Taufpaten bei Henrich Sieweke (Quelle).

Gerardus Joannes, Taufe: ~03. Majus 1693 in Verl, St. Anna, Parentes: Cord Obergaßel und Elisab., Eheleute (Quelle).

Frantz Obergaßel war Taufpate am 29. Sept. 1685 und am 04. Feb. 1691 in Verl, St. Anna (Quelle 1 / Quelle 2).




Hier sind einige Links für die eigene Ahnenrecherche:




Historisches über die Bielefelder (Sende)

Die dankenswerterweise mir übergebenen und gescannten Unterlagen (Querformat) als JPGs:
Sie lassen sich verzerrungsfrei auf DIN A4 ausdrucken.


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Diese vier Seiten, die die Lage der Höfe um 1815 darstellen, muss man sich zusammengesetzt vorstellen.
Mein Tipp: Auf DIN A4 ausdrucken und zusammenfügen.

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Aus_dem_Urkataster-Sende_1815-2.jpg

Aus_dem_Urkataster-Sende_1815-3.jpg

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Zu oben stehenden Hofdokumenten hat Rudolf Gürtler eine handschriftliche Liste
mit Worterklärungen zugefügt.
Die mir zur Verfügung gestellte Kopie war gescannt zu schlecht lesbar, deshalb
habe ich sie neu geschrieben.
Die Worte: Ilsabein, minorenn und Wittib wurden von mir am Listenende angehängt,
da sie für mich vorher unbekannt waren und recherchiert werden mussten.
Diese Liste als PDF herunterladen.
1
Altnummer
Alte Hofnummern vor der Straßenbenummerung
Anerbe
Hoferbberechtigter, nach westf. Recht jüngster Sohn
Anerbin
Jüngste Hoftochter, wenn keine Söhne da sind
Areal
Bodenfläche einer Hofstätte
Becher
Schüttmaß ca 5 Pfund (4 Becher = 1 Spint)
Bernd
Schrumpf- u. Koseform von Bernhard
Beyschatz
Abgabe an den Landesherrn (nicht an den Gutsherrn)
Beyliggers
Hofabhängige (Hüsselte) im 17. Jahrhundert
Brock
Bruch, sumpfiges Niederungsland/Riet; in die Brüche gehen
Canon
regelmäßig wiederkehrende Abgabe, meist jährlich
Cläre
Koseform von Klara
Colon
Bauer
Colona
die Bäuerin als Witwe
Colonat
die Hofstätte
Daler
Taler (Dallar - davon abgeleitet (Münze nach Joachimstal)
Dent
holländische kleine Scheidemünze; entspricht Pfennig


2

Diek
Teich, auch nasses Wiesental
Dirk
Schrumpf- u. Koseform von Dietrich
Drees / Dreis
Schrumpf- u. Koseform von Andeas
Ebbo
Koseform von Ebbing
Eigenbehörigkeit
Leibeigenschaft, Hörigkeit
Einträger
Rietberger Bauernklasse, die jährlich 8 Handdienste leistet.
Alte Einträger entstanden vor dem 30 jährigen Krieg. Neue Einträger
(oder Neuwöhner) nach 1654 (nach Schroertener 1804); sonst Markkötter

Elbracht
Kurzform von Adelbracht (später Albrecht)
Enneke
Ännchen; Koseform von Anna
Erbkötter

Westf. Hofklasse; Abspliß eines Erbes (von den Meiern ausge-
hende Siedelwelle; sie entsprechen den Rietberger Zweiträgern)

Erpächter
Heuerling mit Erbpachtland von der Solstatte, dem Mutterhofe
Everd
Schrumpfform von Eberhard
Fieken
Schrumpf- u. Koseform von Sophie
Fuß, ◻Fuß

alte Flächenmaße; als Längenmaß 31cm, als Flächenmaß 1/10
(144 ◻Fuß waren eine ◻Ruthe)



3

Gerd
Schrumpf- u. Koseform von Gerhard
Gode
Kurzform des Altsachsennamens Goding
Goltgulden
40 Mariengroschen (1 Taler = Mariengroschen)
Greite
Schrumpf- u. Koseform von Margarethe
Grundbuch


Hypothekenbuch; die ersten Grundbücher der Bauernschaft
wurden 1977 von den Amtsgerichten an das Staatsarchiv in
Detmold weitergegeben

Grupen
alter Bauerntopf mit Standfüßen
Gutegrorschen
1 Taler hatte 24 Gutegroschen od. 3x Silbergr. od. 21 Weiße Groschen
Gütersorth
ehem. Bauernschaft im Verler Raum
Gutsherr
ihm waren die Hörigen leibeigen
Halbmeier

hatten ursprünglich 1/2 Hufe Land, entstanden oft durch
Teilung eines Meierhofes

Hele Höfe
ungeteilte Höfe (heile Höfe) der ersten Siedelwelle
Handdienst
Tagwerk (bei freier Kost) beim Gutsherrn
Herbstpfechte
Abgabe im Herbst, oft an Martini
Heggele
Flachshechel


4

Kort / Kurt
Kurzformen von Konrad
Kotten
Wohnung des Knechts oder der Hofabhängigen
Kop / Kamp
Kurzform von Jakob
Lehmstich
Geschiebemergel zur Verbesserung des Sandbodens
Leibzucht
Wohnung od. Haus des Ausgedingers (Hofabgebers)
Liemke
Bauerschaftsname (fr. Limeke, Limike, Lindbike)
Lüke / Ludeke
Kurzform von Ludwig
1/2 Magd
Kleinmagd
Mas / Mees / Maas
Kurzform von Thomas
Malter
großes Schüttmaß (preuß. Malter = 659 Liter)
Maibede / Meibedde
Maiabgabe (anf. Maitag - 1.5. - fällig)
Mariengroschen
36 Mariengroschen = 1 Taler
Markkötter
wie Einträger, Siedler in der Mark, der Allmende (Gemeinheit)
Meßkorn
Kornabgabe der Colonen an die Pfarrei
Morgen
Unterteilung des ha (4 Morgen = 1 ha)
Müdde
Schüttmaß (kleiner als Malter, größer als Scheffel)
Neuwöhner
letzte Siedelwelle der Feudalzeit; nach 1654 entstanden


5

Nolde / Nolte
Kurzform von Arnold
Obereigenthum
Besitzrecht der Feudalherren
Ordt / Orth
Ecke / Winkel; auch der Vierteltaler
Pachtschilling
Pachtgeld
Pfechte
Pacht
Plaggenstich
zur Gewinnung von Streu und Dünger
Rauchschatz
Steuer, die auf der Hofstädte lag
relnieren
bat davon befreien (durch Geld)
Ruthe, ◻Ruthe
der 180. Teil eines Morgens
Rüter
Kurzform von Rüdiger
Sander / Sanders
Kurz- u. Lateinform von Alexander
Schatzregister
Besteuerungsaufstellung
Schilling
frühe Unterteilung des Talers (1 Taler = 21 Schilling od. Weiße Groschen)
Scheffel / Schepel
Schüttmaß ca 80 Pfund = 4 Spint
Schoppen
Scheune; Platz für Ackergeräte
Sedig Land
Saatland
Spanndienst
Robot* mit Wagen und Pferden


6
Spint
Schüttmaß, ca 20 Pfund; zwischen Becher und scheffel
Steffen
Kurzform von Stephanus
Sterbfall
Grundherrliche Abgabe im Todesfall
Stina
Kurzform von Christina
Stoffel
Kurzform von Christoph
Stoppen
Junges Pferd / Euter
Stute
Kurzform des altsächs. Namens Stoting
Subhastation
Zwangsversteigerung
Taler
Silbermünze aus Joachimstal im 16. Jahrhundert
Tomaksel
Hinzugemachtes; zum Areal geschlagenes
Tönnies / Töns
Kurzform von Antonius
Trine / Triene
Kurzform von Katharina
Unland
Unkultiviertes; brachliegendes Land
Venn
Sumpf- oder Moorland
Verdedingsgeld
Schutzgeld; Verteidigungsgeld
Verrlischorth
Teil der Bauernschaft Verl im 17. Jahrhundert


7
Viehschatz

Besteuerung der Tiere (Pferde, Stoppen, Kühe, Rinder, Schweine
und Schafe)

Vollmeyer / Vollspann
Hofstätte der 1. Siedelwelle
Wede / Wehebner
Die Bauernschaften Õster- und Westerwiehe vor dem 30 jähr. Krieg
Weinkauf
Abgabe zum Wiedergewinn von Hof und Land bei Besitzwechsel
Xtian
alte Schreibform von Christian (Kersting)
Xtoph
alte Schreibform für Christoph
Zuschlag
Tonschlag; aus der Mark / Allmende zum Arreal zugeteilt
Zweiträger
16 Handdienste; Rietberger Name der Erbkötter


Ergänzung
Ilsabein
alte Variante von Elisabeth
Minorenn/en
minderjährig/Minderjährige
Robot
Arbeit im Frondienst
Wittib/Wittiber
Altes Wort für Witwe/Witwer

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Dortmund, Februar 2026.   Recht auf Änderungen und Irrtümer vorbehalten.

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Dipl.-Ing. Dipl.-Wirt.Ing. (FH) Bernd Obergassel
Sugambrer Str. 11
44263 Dortmund
Tel.: 0231 417731

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