Zur Geschichte der Obergassels



Der Obergasselhof am Eichhofweg 30 Sennestadt, lange nach dem Umbau von Bethel (siehe Sende-53-15.jpg)
Obergassel-Hof-AndreWinternitz-RottenPlaces-SG102407.jpg
Foto: André Winternitz ca. 2010. Quelle: rottenplaces.de


Ein Youtube-Video zeigt das Gebäude nach dem Brand 2013 mit einer Drohne von oben.

Der Obergasselhof nach dem Brand


Ursprünge und Entwicklung des Namens Obergassel

Nahe der Raststätte Obergassel an der A2, werkelten die Ur-Obergassels auf Urhöfen (Hofstellen) zwischen Paderborn und Brackwede (nahe Bielefeld) in einem Areal, welches im Jahre 1153 als Godesloh bezeichnet wurde und hießen noch nicht Obergassel.
Der Name Obergassel entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte, varierte mehrfach und leitete sich der Erzählung nach, von jungen Gänsen ab, die auch heute noch 'Gösseln' heißen.
Die Bauern in diesem Gebiet züchteten auf dem relativ kargen Sandboden des Sennegebietes, dem südöstlichen Teil des Münsterlandes, offenbar Gänse.
Manche auf einem höher, andere auf einem tiefer gelegenen Gebiet. Daher gibt es heute Obergassel und auch Niedergassel.
(Wie sich der Name Obergassel im Laufe der Zeit entwickelte, lässt sich an der Besteuerungauflistung von 1555-1800 ersehen.)

Ich finde, das ist eine schöne und plausible Geschichte, die man all denen erzählen kann, die die Obergassels beim Hören des
Names automatisch in Bayern verorten wollen. :-)





Hier sind einige Links für die eigene Ahnenrecherche:

Landesarchiv NRW

Kirchenbücher bei matricula-online.eu

Kirchenbücher bei genealogy.net

Die Ahnenfunde in den Kirchenbüchern habe ich natürlich akribisch zu Ahnentafeln verarbeitet. Bei der Recherche kamen sehr viele Puzzleteile aus dem Dunkel der Vergangenheit ans Licht der Erkenntnis, die ich hier gerne - unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz - mitteile. Trotz vieler Lücken ergab sich recht schnell ein recht umfassendes Bild, da unser Name einen regionalen Ursprung besitzt.
Um den Überblick über die gefundenen Personen zu behalten, habe ich natürlich Ahnentafeln angefertigt.
Hierzu verwendete ich eine Freeware-Version des Programms „Ahnenblatt“. Aber Ahnentafeln geben viele Informationen, Schlussfolgerungen und Zusammenhänge nicht ausreichend wieder, so daß ich hier auf dieser Seite ergänzende Infos bereitstelle. Wer Informationen zu den Ahnentafeln wünscht, darf mich gerne anmailen:  E-Mail



Allgemeines

Sich durch die alten Kirchenbücher zu quälen wird mit zahlreichen Entdeckungen belohnt. Viele Schreiber hatten eine nahzu unleserliche Sauklaue, die hätte ich umgehend gefeuert. Und wenn dann mal jemand super leserlich geschrieben hatte, hätte ich ihm eine Lebensstellung gegeben.
Die älteste Aufzeichnung entdeckte ich 1702.
Joannes Otto Overgahsel, Sohn von Petrus Obergehsel und Anna Eckerhoff erblickte in Bielefeld das Licht der Welt. Zu dieser Zeit schrieb man das Kirchenbuch von oben bis unten voll. Zum Glück hatte bereits jemand zuvor die glorreiche Idee, den Names des neuen Erdenbürgers in einer Spalte an den Rand zu schreiben. Chapeau!
Dass da mal Overgahsel, mal Obergehsel steht, ist nicht schlimm. Man lernt, dass die damaligen Schreibversierten recht flexibel in der Schreibweise waren. Nicht nur beim Nachnamen. Auch der Vorname varierte, wie ich bei den zahlreichen Geburten seiner Kinder bemerkte: Joanne, Joanni, Joannis Ottonis, Joes Otto.
Bei seiner Frau Anna Maria Elisabetha Westerman ist es ähnlich: Anna Maria Westerman, Anna Catharina Elisabetha Westerman. Man nahm das offenbar nicht so genau. Es wurde wohl geschrieben wie gehört.
Auch die Schreibweise des Buchstabens "ß" zum "ss" ist eine Entwicklungsgeschichte für sich. (siehe Wikipedia zum ß)
Danach ist die Schreibweise "hs" eigentlich eine Missdeutung, die sich daraus ergibt, dass das ursprüngliche lateinische Lang-ſ grafisch mit dem "h" der Kurrentschrift übereinstimmt. Da beide Zeichen in unserem heutigen Alphabet nicht vorhanden sind, bleibt nur das heutige "h" übrig um z.B. Screenshots von Funden abzuspeichern.
Beispielsweise so: Franz_Obergahsel-1778-09Feb1862.jpg

Und wo ich gerade schon bei den Namen bin. Je weiter man zurückgeht, so grob von 1860 abwärts, - ich nenne diese Zeit die "us"-Zeit - da lauten die Taufnamen: Bernardus, Henricus, Antonius, Franciscus, Josephus, Benedictus, Ferdinandus, Philippus, Hermannus, Christianus, Casparus etc..
Im Heirats- oder Sterberegister fand ich dann aber Bernard, Heinrich, Anton, Franz, Joseph, Ferdinand, Philipp, Hermann, Christian, Caspar etc.
Möglicherweise haben die kirchlichen Schreiberlinge auch nur die Namen ins lateinische übersetzt, lateinisiert, so wie wesentlich früher aus dem chinesischen Lehrer Kong Fuzi dann Konfuzius wurde. In meinen Ahnentafeln habe ich immer die Taufnamen eingetragen - wenn ich sie in den alten Büchern fand.

Bei Cath. Marg. Kulage (*20. 7bris 1788), der Ehefrau von meinem Urururopa Franz Obergahsel, der erst Ackerknecht bei 'Schulte aufm Wiehe' und später Beylieger bei dem Colonat Heilf war, fand ich auch die Namen Anna Maria Catharina, Anna Catharina und Maria Catharina(e) Kulage. Jedes Mal bleiben Restzweifel, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt.
Ganz rappelig wird man, wenn man zwei Personen zur Auswahl hat:
Den Vater von Cath. Marg. Kulage, Otto Kulage, gibt es als Variante Joan Otto und Johan Otto mit verschiedenen Eltern. Sie liegen ein paar Jahre (1765-1810 und 1757-1815) auseinander.
Bei der Heirat der C.M. Kulage mit Franz Obergahsel waren dort nur Otto Kulage und Margarethe Buschherm als ihre Eltern genannt. Eine Heirat des anderen Ottos fand ich leider nicht. Und auch als beide Ottos starben, fehlte der zweite Vorname und auch die Angabe ihrer Eltern, so dass nicht klar ist, welcher Otto nun Eingang in die Ahnenreihe finden soll. Da muss man sich einfach entscheiden und seinem Bauchgefühl folgen oder Mut zur Lücke zeigen.
Oder anders ausgedrückt: Irrtümer vorbehalten!
Nicht selten wurden die Vornamen in den Taufbüchern abgekürzt: Joes Hen. = Joan(n) Henricus oder Jo(h)ann(es) He(i)nrich. Das ermöglichte später eine gewisse Kreativität beim Umgang mit dem Namen und sorgt zweifelsfrei für Verwirrung bei Ahnenforschern. Rufnamen ebenso: Therese Schlüter (meine UrurOma und Ehefrau von Ururopa Heinrich Caspar Obergassel) wurde am 11. September 1840 als Maria Theresia getauft.
Wie Ludvig van Beethovens Mutter, Maria Magdalena Leym, wurde auch Therese Obergassels Tochter Maria Magdalena (30. August 1872 - 05. Mai 1909), "Helena" genannt.
Um alles noch zu verkomplizieren, stimmen die Altersangaben bei der Heirat oder im Sterbefall auch nicht immer mit den Geburtsangaben überein. Man muss schon einen gewissen Forscherdrang besitzen um hier "am Ball zu bleiben". ^^

In den von mir gesichteten Büchern, wurde zum Anfang des 18. Jahrhunderts nur das Taufdatum eingetragen und nicht (auch) das Geburtsdatum. (Klar - es waren ja auch Taufregister der Kirche(n) und keine Geburtsregister) *fg*
Zwar war man darauf aus, seinem neugeborenen Kind so schnell wie möglich durch die Taufe "Gottes Segen" zu Teil werden zu lassen, aber zwischen Geburts- und Taufdatum liegen nicht selten mehrere Tage.
Bei den Rietberger Sterberegistern ist mir aufgefallen, dass man zwar das Todesdatum niederschrieb, bei Kindern entweder "Kind" oder "Infant" hinzufügte, und eine Alterangabe als unnötig erachtete. Selbst die Eltern von Verstorbenen schienen viele Jahrzehnte lang auch niemanden zu interessieren. Bis man herausfand, dass Zeilen, Spalten und eine Überschrift doch ganz sinnvoll sind, dauerte es mal eben 100 Jahre.
Ab Anfang des 19. Jahrhunderts wurde genauer "Buch geführt". In manchen Büchern wurden die Nachnahmen sogar (auch schon manchmal einige Jahrzehnte vorher) mit einem Farbstift zart unterstrichen, was das Auffinden des gesuchten Namens doch ungemein erleichtert.
Ab 1874 waren dann bereits Formulare bei den Standesämtern im Umlauf. Dort wurde akribisch festgehalten, wer die Eltern der Verstorbenen waren - soweit sie bekannt waren - und wo sie wohnten. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland einen Kulturkampf. Ein Konflikt, bei dem es um die Loslösung des Staates von der katholischen Kirche ging. Otto von Bismark erwirkte Reformen. Die von da an eingeführten Formulare ware recht aussagekräftig.
Die Eltern zu nennen, wurde leider 1921 generell wieder abgeschafft. Ein Schritt, der die Ahnenforschung nun wirklich nicht erleichtert.


Die Rietberger


Wie erstaunlich die Funde sein können, zeigen die komplizierten Familienverhältnisse meines Rietberger Ururgroßvaters Heinrich Caspar Obergassel. Hier waren sechs Personen nacheinander verbandelt.

Heinrich Caspar (27), Kötter im Herrenbruch bei Rietberg, heiratete Therese Schlüter (23) 1862.
Therese Schlüter starb 1884 im Alter von 43 Jahren an Schwindsucht und hinterließ 1 Gatten und sieben (!) Kinder.
(Es sollten acht sein. Offenbar hatte sich da jemand verzählt. ^^)
Heinrich Caspar (50) heiratet danach Margarethe Blankenaufulland (44), die lange Magd bei Winkelheide in Westerwiehe war, im Jahr 1885.
Heinrich Caspar starb 1886 im Alter von 51 Jahren an einem Magenleiden und hinterließ 1 Gattin und acht (!) Kinder.
Margarethe Blankenaufulland (46) heiratete J. Hermann Holtkamp (64), Kötter in Mastholte, 1887. Da war er bereits 64 Jahre alt.
J. Hermann Holtkamps Ehefrau, Margarethe Deiters, starb zuvor im Jahre 1886 im Alter von 65 Jahren. Diese Ehe hatte keine Kinder.
J. Hermann (67) verstarb 1890 an Schlagfluss und Margarethe (50) heiratete Conrad Pickert (32) im Jahre 1891.
Margarethe Blankenaufulland (58) starb 1899.
Vermutlich durften die jungen Obergassels auf Holtkamps und Heinrich Caspars Kotten ordentlich arbeiten.
Mutter tot, Vater tot. Waren die Stiefeltern nicht so nett zu ihnen?
Anscheinend hatten viele die Nase voll gehabt und zogen weg als sie erwachsen waren.

Ein Vater mit Kindern, darunter Minderjährige und Kleinkinder, dem die Ehefrau verstirbt, brauchte dringend eine neue Frau. Und eine (Stief-) Mutter, dessen Ernährer und Versorger verstrirbt, brauchte dringend einen neuen Solchen. Eine andere Absicherung gab es früher ja nicht und somit wurde wohl auch nicht nach Schönheit geschaut.
Das Leben war damals kein Ponyhof ^^

Neben meinem Urgroßvater, Hermann Everhard, kamen noch sein Bruder Hermann Heinrich und seine Schwestern Maria Margarethe und Franzisca Elisabeth nach Dortmund-Hörde. Damals war Hörde noch eine eigene Stadt und wurde erst 1928 zu Dortmund eingemeindet. Johann Georg war nur kurz um 1904 in Dortmund gemeldet und heiratete später in Liesborn und blieb dort.
Hermann Everhard, der als Fabrikarbeiter im Hörder Stahlwerk arbeitete, heiratete 1888 seine erste Frau Caroline Keller (1864 - 27. Mai 1899) in Dortmund. Geburten stellten auch zu der Zeit noch ein erhebliches Sterberisiko dar. Caroline starb am Wochenbettfieber. Auch sein Bruder Hermann Heinrich gründete 1891 eine Familie und auch die Schwestern waren bald "unter der Haube". Hermann Heinrich arbeitet zuvor als Diener bei dem Rietberger Gutsbesitzer und Industriellen Tenge. In Dortmund dann als Badewärter.
1901 heiratete Hermann Everhard meine Uroma Maria Elisabeth Dreier aus und in Liesborn und brachte sie mit nach Dortmund. Kohle und Stahl brachten in den kommenden Jahrzehnten harte Arbeit aber auch bescheidenen Wohlstand.


Die Auswanderer


Carl Joseph Obergassel aus Brackwede heiratete Elisabeth Troja in Thüle 1861. Sie starb 1865 an Morphinsucht und hinterließ ihren Gatten und den 2 1/2-jährigen Sohn Stephan Konrad. (Morphin wurde lt. Wikipedia zuerst in Paderborn aus Morphium isoliert)
Einen Monat nach dem Tod seiner Frau, schipperte Carl von Bremen nach New York rüber. Sein Sohn blieb offenbar hier. (bei Carls Geschwistern?)
Stephan Konrad reiste 28 Jahre später als sein Vater, 1893 fast 31-jährig mit der S.S. Weimar der Steam Ship Company Norddeutscher Loyd von Bremen nach Baltimore, Maryland, in die Vereinigten Staaten und hieß fortan Conrad. In der Passanger-List steht, dass er Single war, aus Weine stammte und sein Vater die Passage bezahlte. Als sein Beruf wurde dort "distiller" eingetragen. Als final destination: St. Louis. Grund der Reise war der Besuch des Vaters in St. Louis MO.

In einer Volkszählung im Jahre 1900 (12th Census Of The United States) - da war Conrad 38 Jahre alt - stand, dass sein Beruf "Laborer Glue Wks" war und er mit Anna E. verheiratet war. Anna E. war 1836 geboren, also 26 Jahre älter als er und auch aus Deutschland. Aber, und das finde ich das Bemerkenswerte, als Year of Immigration war bei ihr das Jahr 1867 eingetragen. Somit lebte sie fast so lang in den Staaten wie sein Vater. Ihr Mädchenname war Abeln. Unter "Number of years married" war "0" eingetragen. Sie hatten offenbar im Jahr 1900 geheiratet. Sie hatte weder lebende noch verstorbene Kinder.
Beide wohnten zur Miete in dem Haus einer Witwe Christina Abeln (Head of family) mit fünf Kindern. Christina war "Boarding House Keeper". Ihr Haus war also eine Pension in welcher zum Zeitpunkt der Volkszählung noch weitere Kostgänger registriert wurden.
Da Carl in der 1900er Volkszählung nicht auftauchte, wird er zwischen 1893 und 1900 verstorben sein. Leider begann die Aufzeichnung der Totenscheine in Missouri erst 1910.
In der Volkzählung 1910 stand nur der Vorname Elisabet als Conrads Ehefrau und in der aus dem Jahre 1920 stand, dass Conrad und Elizabeth im Jahr 1901 eingebürgert worden waren. Auch kam plötzlich noch eine 7-jährige Tochter Julia hinzu. In anderen Funden bei "MyHeritage" und "ancestry" fanden sich auch die Namen Julia Newerthe und Julia Weinerth, die abt. 1913 geboren sein soll. Nun, da die Elisabeth mit damals 83 Jahren sicher keine siebenjährige leibliche Tochter gehabt wird... Keine Frage, das ist alles sehr mysterös ^^

Die North 11th Street Home Number 3624, wo sie lebten, liegt nur ein paar Blocks vom Ufer des Mississippi River entfernt. Der Mississippi dort gehört nur bis zur Flussmitte zu Missouri. Die andere Hälfte gehört zu Illinois. Dort gibt es die Städte Paderborn, Germantown, Freeburg, New Hanover, New Minden. Zwischen Baltimore, Maryland und St. Louis in Missouri liegen die Staaten Virgina/West Virgina, Kentucky, Ohio, Indiana und Illinois. Je nach Route, durchquerte Stephan Konrad alias Conrad also mehrere Bundesstaaten auf seinem Weg nach St. Louis im Bundesstaat Missouri.
Es bleibt der Fantasie überlassen, was die einzelnen Personen damals so alles erlebt haben könnten. Da könnte man wilde Geschichten drüber ersinnen :-D

Mit seiner Frau Anna Elisabeth hat Conrad in St. Louis, Missouri gelebt bis sie dort starben. Sie starb 1922 im Alter von 86 Jahren, er 1928 im Alter von 65 Jahren. Im Certificate of Death steht beim Conrad "Night Watchman".

Historisches über die Bielefelder (Sende)

Die dankenswerterweise mir übergebenen und gescannten Unterlagen (Querformat) als JPGs:


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Zu oben stehenden Seiten gibt es eine handschriftliche Liste mit Worterklärungen.
Die alte Liste war gescannt zu schlecht lesbar, deshalb habe ich sie neu geschrieben
Da ich einige Buchstaben auf den mir zur Verfügung gestellten Seiten nicht lesen konnte,
habe ich dafür '?' gesetzt. Die Worte: Ilsabein, minorenn und Wittib wurden von mir
angehängt, da sie für mich vorher unbekannt war und recherchiert werden mussten.
Diese Liste als PDF herunterladen.
1
Altnummer
Alte Hofnummern vor der Straßenbenummerung
Anerbe
Hoferbberechtigter, nach (unleserliches wort) Recht jüngster Sohn
Anerbin
Jüngste Hoftochter, wenn keine Söhne da sind
Areal
Bodenfläche einer Hofstätte
Becher
Schüttmaß ca 5 Pfund (4 Becher = 1 Spint)
Bernd
Schrumpf- u. Koseform von Bernhard
Beyschatz
Abgabe an den Landesherrn (nicht an den Gutsherrn)
Beyliggers
Hofabhängige (Küsselte) im 17. Jahrhundert
Brock
Bruch, sumpfiges Niederungsland/Riet; in die Brüche gehen
Canon
regelmäßig wiederkehrende Abgabe, meist jährlich
Cläre
Koseform von Klara
Colon
Bauer
Colona
die Bäuerin als Witwe
Colonat
die Hofstätte
Daler
Taler (Dallar - davon abgeleitet (Münze nach Joachimstal)
Dent
holländische kleine Scheidemünze; entspricht Pfennig


2

Diek
Teich, auch nasses Wiesental
Dirk
Schrumpf- u. Koseform von Dietrich
Drees / Dreis
Schrumpf- u. Koseform von Andeas
Ebbo
Koseform von Ebbing
Eigenbehörigkeit
Leibeigenschaft, Hörigkeit
Einträger
Rietberger Bauernklasse, die jährlich 8 Handdienste leistet.
Alte Einträger entstanden vor dem 30 jährigen Krieg. Neue Einträger
(oder Neuwöhner) nach 1654 (nach Schroertener ? 1824?; samt Markk ?)

Elbracht
Kurzform von Adelbracht (später Albrecht)
Enneke
Ännchen; Koseform von Anna
Erbkötter

Westf. Hofklasse; Abspliß eines Erbes (von den Meiern ausge-
hende Siedelwelle; sie entsprechen den Rietberger Zweiträgern)

Erpächter
Heuerling mit Erbpachtland von der Solstatte, dem Mutterhofe
Everd
Schrumpfform von Eberhard
Fieken
Schrumpf- u. Koseform von Sophie
Fuß, ◻Fuß

alte Flächenmaße; als Längenmaß 31cm, als Flächenmaß 1/10
(144 ◻Fuß waren eine ◻Ruthe)



3

Gerd
Schrumpf- u. Koseform von Gerhard
Gode
Kurzform des Altsachsennamens Goding
Goltgulden
40 Mariengroschen (1 Taler = Mariengroschen)
Greite
Schrumpf- u. Koseform von Margarethe
Grundbuch


Hypothekenbuch; die ersten Grundbücher der Bauernschaft
wurden 1977 von den Amtsgerichten an das Staatsarchiv in
Detmold weitergegeben

Grupen
alter Bauerntopf mit Standfüßen
Gutegrorschen
1 Taler hatte 24 Gutegroschen od. 3x Silbergr. od. 21 Weiße Gr.?
Gütersorth
ehem. Bauernschaft im Verler Raum
Gutsherr
ihm waren die Hörigen leibeigen
Halbmeier

hatten ursprünglich 1/2 Hufe ? Land, entstanden oft durch
Teilung eines Meierhofes

Hele Höfe
ungeteilte Höfe (heile Höfe) der ersten Siedelwelle
Handdienst
Tagwerk (bei freier Kost) beim Gutsherrn
Herbstpfechte
Abgabe im Herbst, oft an Martini
Heggele
Flachshechel


4

Kort / Kurt
Kurzformen von Konrad
Kotten
Wohnung des Knechts oder der Hofabhängigen
Kop / Kamp
Kurzform von Jakob
Lehmstich
Geschiebemergel zur Verbesserung des Sandbodens
Leibzucht
Wohnung od. Haus des Ausgedingers (Hofabgebers)
Liemke
Bauernschaftsname (fr. Limeke, Limike, Lindbike)
Lüke / Ludeke
Kurzform von Ludwig
1/2 Magd
Kleinmagd
Mas / Mees / Maas
Kurzform von Thomas
Malter
großes Schüttmaß (preuß. Malter = 659 Liter)
Maibede / Meibedde
Maiabgabe (anf. Maitag - 1.5. - fällig)
Mariengroschen
36 Mariengroschen = 1 Taler
Merkkötter
wie Einträger, Siedler in der Mark, der Allmende (Gemeinheit)
Meßkorn
Kornabgabe der Colonen an die Pfarrei
Morgen
Unterteilung des ha (4 Morgen = 1 ha)
Müdde
Schüttmaß (kleiner als Malter, größer als Scheffel)
Neuwöhner
letzte Siedelwelle der Feudalzeit; nach 1654 entstanden


5

Nolde / Nolte
Kurzform von Arnold
Obereigenthum
Besitzrecht der Feudalherren
Ordt / Orth
Ecke / Winkel; auch der Vierteltaler
Pachtschilling
Pachtgeld
Pfechte
Pacht
Plaggenstich
zur Gewinnung von Stein und Dünger
Rauchschatz
Steuer, die auf der Hofstädte lag
relnieren
bat davon befreien (durch Geld)
Ruthe, ◻Ruthe
der 180. Teil eines Morgens
Rüter
Kurzform von Rüdiger
Sander / Sanders
Kurz- u. Lateinform von Alexander
Schatzregister
Besteuerungsaufstellung
Schilling
frühe Unterteilung des Talers (1 Taler = 21 Schilling od. Weiße Groschen)
Scheffel / Schepel
Schüttmaß ca 80 Pfund = 4 Spint
Schoppen
Scheune; Platz für Ackergeräte
Sedig Land
Saatland
Spanndienst
Robot mit Wagen und Pferden (Robot = Arbeit im Frondienst B.O.)


6
Spint
Schüttmaß, ca 20 Pfund; zwischen Becher und scheffel
Steffen
Kurzform von Stephanus
Sterbfall
Grundherrliche Abgabe im Todesfall
Stina
Kurzform von Christina
Stoffel
Kurzform von Christoph
Stoppen
Junges Pferd / Euter
Stute
Kurzform des altsächs. Namens Stoting ?
Subhastation
Zwangsversteigerung
Taler
Silbermünze aus Joachimstal im 16. Jahrhundert
Tomaksel
Hinzugemachtes; zum Areal geschlagenes
Tönnies / Töns
Kurzform von Antonius
Trine / Triene
Kurzform von Katharina
Unland
Unkultiviertes; brachliegendes Land
Venn
Sumpf- oder Moorland
Verdedingsgeld
Schutzgeld; Verteidigungsgeld
Verrlischorth
Teil der Bauernschaft Verl im 17. Jahrhundert


7
Viehschatz

Besteuerung der Tiere (Pferde, Stoppen, Kühe, Rinder, Schweine
und Schafe)

Vollmeyer / Vollspann
Hofstätte der 1. Siedelwelle
Wede / Wehebner
Die Bauernschaften Õster- und Westerwiehe vor dem 30 jähr. Krieg
Weinkauf
Abgabe zum Wiedergewinn von Hof und Land bei Besitzwechsel
Xtian
alte Schreibform von Christian (Kersting)
Xtoph
alte Schreibform für Christoph
Zuschlag
T??schlag; aus der Mark / Allmende zum Arreal zugeteilt
Zweiträger
16 Handdienste; Rietberger Name der Erbkötter


Ergänzung
Ilsabein
alte Variante von Elisabeth
Minorenn/en
minderjährig/Minderjährige
Wittib/Wittiber
Altes Wort für Witwe/Witwer

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Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann, so das LG, nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. In meinem Webangebot können Links zu anderen, nicht von mir gestalteten, Seiten im Internet gelegt sein. Für all diese Links gilt: Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte dieser verlinkten Seiten habe. Deshalb distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten all dieser verlinkten Seiten und mache mir diese nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle innerhalb meiner Seiten angebrachten Verlinkungen und für alle Inhalte der Seiten, zu denen diese Verlinkungen führen. Die Betreiber der jeweiligen Seiten handeln in Eigenverantwortung und unterliegen dem jeweiligen Landesrecht.



Dortmund, Oktober 2020.   Recht auf Änderungen und Irrtümer vorbehalten.

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Sugambrer Str. 11
44263 Dortmund
Tel.: 0178 2969425

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