Zur Geschichte der Obergassels



Der Obergasselhof am Eichhofweg 30 Sennestadt, lange nach dem Umbau von Bethel (siehe Sende-53-15.jpg)
Obergassel-Hof-AndreWinternitz-RottenPlaces-SG102407.jpg
Foto: André Winternitz ca. 2010. Quelle: rottenplaces.de


Weitere Fotos incl. der Nebengebäude Leibzuchthaus (Altenteil) und Heuerlingshaus, Karten und Infos:

Westfalenhöfe - Kreis Gütersloh: Sende Haus Nr. 53

Ein Youtube-Video zeigt das Gebäude nach dem Brand 2013 mit einer Drohne von oben:

Der Obergasselhof nach dem Brand


Ursprünge und Entwicklung des Namens Obergassel

Nahe der Raststätte Obergassel an der A2, werkelten die Ur-Obergassels auf Urhöfen (Hofstellen) zwischen Paderborn und Brackwede (nahe Bielefeld) in einem Areal, welches im Jahre 1153 als Godesloh bezeichnet wurde und hießen noch nicht Obergassel.
Der Name Obergassel entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte, varierte mehrfach und leitete sich der Erzählung nach, von jungen Gänsen ab, die auch heute noch 'Gösseln' heißen.
Die Bauern in diesem Gebiet züchteten auf dem relativ kargen Sandboden des Sennegebietes, dem südöstlichen Teil des Münsterlandes, offenbar Gänse.
Manche auf einem höher, andere auf einem tiefer gelegenen Gebiet. Daraus entstanden die Namen Obergassel, Niedergassel und natürlich auch Gassel.
(Wie sich der Name Obergassel im Laufe der Zeit entwickelte, lässt sich an der Besteuerungauflistung von 1555-1800 ersehen.)

Ich finde, das ist eine schöne und plausible Geschichte, die man all denen erzählen kann, die die Obergassels beim Hören des
Names automatisch in Bayern verorten wollen. :-)




Bei der Recherche in den Kirchenbüchern kamen sehr viele Puzzleteile aus dem Dunkel der Vergangenheit ans Licht der Erkenntnis, die ich hier gerne - unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz - mitteile. Trotz vieler Lücken ergab sich recht schnell ein recht umfassendes Bild, da unser Name einen regionalen Ursprung besitzt.
Um den Überblick über die gefundenen Personen in den Familienzweigen zu behalten, habe ich die Funde in Ahnentafeln eingetragen und hierfür eine Freeware-Version des Programms „Ahnenblatt“ verwendet. Aber Ahnentafeln geben viele Informationen, Schlussfolgerungen und Zusammenhänge nicht ausreichend wieder, so daß ich hier auf dieser Seite ergänzende Infos bereitstelle. Wer Informationen zu den Ahnentafeln wünscht, darf mich gerne anmailen:  E-Mail

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14. September 2021




Inhalt



Allgemeines

Sich durch die alten Kirchenbücher zu quälen wird mit zahlreichen Entdeckungen belohnt. Viele Schreiber hatten allerdings eine nahezu unleserliche Sauklaue. Manch einer schrieb auch mit deutlich erkennbarem Tremor bis ins hohe Alter. Es waren meist die Pfarrer selbst, die geschrieben haben. Aushelfen durften aber auch der Pfarrprovisor (Stellvertreter) und Küster. Die Dokumentation von Geburten, Taufen etc. in den Kirchenbüchern war eine Nebenpflicht und erst mit der Zeit nahm der Umfang der personenbezogenen Angaben zu. Wenn also so ein Kirchenmensch eine wunderbare Handschrift hatte und ein paar Jahrzehnte leserlich schrieb, dann darf man als Ahnenforscher auch „Gott sei Dank“ rufen.
Um 1700 'rum habe ich Kirchenbücher gefunden, die über Jahrzehnte Zeile für Zeile von oben bis unten voll geschrieben wurden. Mal eng und fast unleserlich zusammengequetscht, mal mit sehr schwungvollem Schreibstil und gar nicht selten ziemlich schief. Okay, die Federkiele waren keine Mont Blanc Schreibstifte und mit ein wenig Fantasie kann man sich kratzende Geräusche auf rauem und faserigen Papier leicht vorstellen. Aber ein wenig mehr Mühe hätte man sich ganz sicher geben können, finde ich. Möglicherweise hielt so mancher Kirchenmensch diese Dokumentationsaufgabe nicht nur für lästig sondern sogar für unnötig, schließlich war für sie das „jüngste Gericht“ nicht fern. Da die Kirchenbücher in den verschiedenen Orten in ganz unterschiedlicher Weise beschrieben wurden, gab es offenbar noch kein einheitliches System und so experimentierte man wohl.
In Brackwede zum Beispiel, beschrieb man das Taufbuch um 1715: "filius - geschweifte Klammer auf - dann die Namen der Eltern darin untereinander, daneben den Namen des Kindes, dann - geschweifte Klammer auf - dann die Namen der Taufzeugen darin untereinander". Ein Optimum war es nicht und setzte sich auch nicht durch.
Zum Glück hatte irgendwann jemand die glorreiche Idee, den Namen des neuen Erdenbürgers in einer Spalte an den Rand zu schreiben. Irgendjemand hatte herausgefunden, dass man mit einem Stöckchen und einem Stift einen Strich ziehen konnte.
Chapeau! (War es Leo Linne, der diese geniale Idee hatte und damit das Lineal erfand?)
Bis man feststellte, dass Zeilen, Spalten und eine Überschrift doch ganz sinnvoll sind, dauerte es mancherorts mal eben 100 Jahre.

Joannes Otto Overgahsel, Sohn von Petrus Obergehsel und Anna Eckerhoff, erblickte im Jahre 1702 in Bielefeld das Licht der Welt. Genauer gesagt: Ich fand die Taufnotierung in den Bielefelder Büchern. Der wahre Geburtsort konnte irgendwo im Umland sein. Hausgeburten waren damals üblich. Jedoch noch nicht die Nennung des Wohnortes in den Büchern. Er wird aber in der Senne gelegen haben.
Dass in o.g. Taufnotierung mal Overgahsel und mal Obergehsel steht, verwirrt zwar, jedoch stellt man schnell fest, dass die damaligen Schreibversierten recht flexibel in der Schreibweise waren. Nicht nur beim Nachnamen. Auch der Vorname varierte, wie ich bei den Geburten seiner zahlreichen Kinder bemerkte: Joanne, Joanni, Joannis Ottonis, Joes Otto.
Bei seiner Frau Anna Maria Elisabetha Westerman ist es ähnlich: Anna Maria Westerman, Anna Catharina Elisabetha Westerman. Man nahm das offenbar nicht so genau. Auch wurde wohl oft geschrieben wie gehört. Einen Personalausweis kannte man noch nicht. Wenn eine Verfizierung nicht schlüssig gelingt, bleiben leider immer Restzweifel ob es sich tatsächlich um ein und dieselbe Person oder um verschiedene Personen handelt.

Auch die Schreibweise des Buchstabens „ß“ zum „ss“ im Namen Obergassel ist eine Entwicklungsgeschichte für sich. (siehe Wikipedia zum ß)
Danach ist die Schreibweise „hs“, manchmal auch „sh“, eigentlich eine Missdeutung, die sich daraus ergibt, dass das ursprüngliche lateinische Lang-ſ grafisch mit dem "h" der Kurrentschrift übereinstimmt. Da beide Zeichen in unserem heutigen Alphabet nicht vorhanden sind, ich diesen Buchstaben aber nicht unter den Tisch fallen lassen wollte, blieb nur das heutige "h" übrig, um z.B. Screenshots von Funden abzuspeichern.
Beispielsweise so: Franz_Obergahsel-1778-09Feb1862.jpg (Quelle: Rietberg, Sterbefälle 1855-1880, pg=65)

Und wo ich gerade schon bei den Namen bin. In vielen Taufbüchern, so grob von 1860 abwärts, da lauten die Taufnamen: Bernardus, Henricus, Antonius, Franciscus, Josephus, Benedictus, Ferdinandus, Philippus, Hermannus, Christianus, Casparus etc..
Im Heirats- und/oder Sterberegister fand ich dann aber Bernard, Heinrich, Anton, Franz, Joseph, Ferdinand, Philipp, Hermann, Christian, Caspar etc.
Möglicherweise haben die kirchlichen Schreiberlinge auch nur die Namen ins lateinische übersetzt, lateinisiert, so wie wesentlich früher aus dem chinesischen Lehrer Kong Fuzi dann Konfuzius wurde. In meinen Ahnentafeln habe ich immer die Taufnamen eingetragen - wenn ich sie in den alten Büchern fand.

Bei Cath. Marg. Kulage (*20. 7bris 1788), der Ehefrau von meinem Urururopa Franz Obergahsel, der erst Ackerknecht bei 'Schulte aufm Wiehe' und später Beylieger bei dem Colonat Heilf war, fand ich auch die Namen Anna Maria Catharina, Anna Catharina und Maria Catharina(e) Kulage. Jedes Mal bleiben Restzweifel, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt.
Ganz rappelig wird man, wenn man zwei Personen zur Auswahl hat:
Den Vater von Cath. Marg. Kulage, Otto Kulage, gibt es als Variante Joan Otto und Johan Otto mit verschiedenen Eltern. Sie liegen ein paar Jahre (1765-1810 und 1757-1815) auseinander.
Bei der Heirat der C.M. Kulage mit Franz Obergahsel waren dort nur Otto Kulage und Gertrud Buschherm (Schnieder) als ihre Eltern genannt. Eine Heirat des anderen Ottos fand ich leider nicht. Und auch als beide Ottos starben, fehlte der zweite Vorname und auch die Angabe ihrer Eltern, so dass nicht klar ist, welcher Otto nun Eingang in die Ahnenreihe finden soll. Da muss man mit dem arbeiten, was man gefunden hat, sich einfach entscheiden und seinem Bauchgefühl folgen oder Mut zur Lücke zeigen. Oder anders ausgedrückt: Irrtümer vorbehalten!
Anfangs hatte ich den Falschen eingetragen. Wie wichtig die Beachtung der Taufpaten ist, zeigte sich an diesem speziellen Fall. Da einer 1811 Taufpate bei seinem Enkel (ein Halbbruder von Franz's Kindern) und der andere ein Jahr zuvor verstorben war, fiel das Ausschlussverfahren leicht.

Nicht selten wurden die Vornamen in den Taufbüchern abgekürzt: Joes Hen. = Joan(n) Henricus oder Jo(h)ann(es) He(i)nrich. Das ermöglichte später eine gewisse Kreativität beim Umgang mit dem Namen und sorgt zweifelsfrei für Verwirrung bei Ahnenforschern. Rufnamen ebenso: Therese Schlüter (meine UrurOma und Ehefrau von Ururopa Heinrich Caspar Obergassel) wurde am 11. September 1840 als Maria Theresia getauft.
Wie Ludvig van Beethovens Mutter, Maria Magdalena Leym, wurde auch Therese Obergassels Tochter Maria Magdalena (30. August 1872 - 05. Mai 1909), „Helena“ genannt.
Um alles noch zu verkomplizieren, stimmen die Altersangaben bei der Heirat oder im Sterbefall auch nicht immer mit den Geburtsangaben überein. Man muss schon einen gewissen Forscherdrang besitzen um hier „am Ball“ zu bleiben. ^^

In den von mir gesichteten Büchern, wurde zum Anfang des 18. Jahrhunderts nur das Taufdatum eingetragen und nicht (auch) das Geburtsdatum. (Klar - es waren ja auch Taufregister der Kirche(n) und keine Geburtsregister) *fg*
Zwar war man darauf aus, seinem neugeborenen Kind so schnell wie möglich durch die Taufe „Gottes Segen“ zu Teil werden zu lassen, aber zwischen Geburts- und Taufdatum liegen nicht selten mehrere Tage.
Bei den ganz alten Sterberegistern ist mir aufgefallen, dass man zwar das Todesdatum niederschrieb, bei Kindern entweder „Kind“, „Infant“, „Infans“ hinzufügte, und weder eine Namens- noch Alterangabe als nötig erachtete.
Z.B.: 06. 9bris 1761 Infans von Obergasel - mehr Infos gab es oft nicht. (9bris = November)
Selbst die Eltern von verstorbenen Erwachsenen schienen viele Jahrzehnte lang auch niemanden zu interessieren. Sie wurden oft nicht genannt. Damals brauchte man auch nicht mehr wissen. Die allermeisten Menschen waren Leibeigene ihrer Grundherren und an ihren Höfen gebunden. „Kind von Obergassel“ oder „die alte Gäßelsche“ genügte vollkommen.
Ab Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich langsam durch, die Kirchenbücher mit mehr Angaben zu füllen. In manchen Büchern wurden die Nachnamen sogar (auch schon manchmal einige Jahrzehnte vorher) mit einem Farbstift zart unterstrichen, was das Auffinden des gesuchten Namens doch ungemein erleichtert.
Ab 1874 waren dann bereits Formulare bei den Standesämtern im Umlauf. Dort wurde akribisch festgehalten, wer die Eltern der Verstorbenen waren - soweit sie bekannt waren - und wo sie wohnten. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland einen Kulturkampf. Ein Konflikt, bei dem es um die Loslösung des Staates von der katholischen Kirche ging. Otto von Bismark erwirkte Reformen. Die von da an eingeführten Formulare ware recht aussagekräftig.
Die Eltern zu nennen, wurde leider 1921 generell wieder abgeschafft. Ein Schritt, der die Ahnenforschung nun wirklich nicht erleichtert.




Die Bielefelder

Das älteste Dokument das ich auftreiben konnte, beschreibt einen sogenannten Weinkauf von 1701 aus einem Weinkaufsregister. (Wikipedia: Weinkauf)


Peter ein Sohn von Meyer zu Verll
kombt auff Obergaeßels Volspän-
niges Erbe, so vorhin discutüret
gewesen und alßo ex nova gratia
wieder übergelaßen wird, giebt
deßwegen zum Weinkauff ...... 100

Enneke Echterhoff des Peters Frau
kombt auch auff dies Gaeßell
Volspänniges Erbe ...... 80

Für zusammen 180 Thaler als Antrittsgeld bzw. Hofübernahmegebühr wurde der Hof übergeben. „ex nova gratia“ übersetzt deepl.com/translator zwar mit „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ bzw. „ohne Gegenleistung“.
Aber das war zur Zeit der Leibeigenschaft (= Eigenbehörigkeit), die erst 1808 abgeschafft wurde, nicht gemeint. Gemeint war hier vielmehr eine Erlaubnis „ex nova gratia“ des Gutsherrn, die Peter benötigte um die Hofnachfolge anzutreten. Peter Meyer zu Verl war zuvor offenbar frei. Denn wer den elterlichen Hof verließ, brauchte dafür ebenfalls ein Dokument, einen sogenannten Freibrief. (vgl. Brackweder_Heimatblaetter_2003.pdf, Seite 26 ff.)

Da es zu der Zeit noch ausreichend Obergassels gab, sollte die Möglichkeit des fehlenden Nachfolgers eigentlich ausgeschlossen werden können. Eine Einheirat fand hier auch nicht statt.
Offenbar wurde der Hof, der in der Rietberger Senne lag, vom damaligen Grundherrn, dem Grafen von Rietberg, neu vergeben. Gründe dafür konnten sein: Es wollte oder konnte kein erbberechtigter Obergassel den Hof weiterführen oder der Hof wurde nicht gut genug bewirtschaftet und der Grundherr war demzufolge unzufrieden mit den Steuereinnahmen.

Die Heirat von Peter Meyer zu Verl und Anna Echterhoff fand am 31. Majus 1695 in Verl statt. Quelle
Im Verler Taufbuch fand ich nur ihren Sohn Jacobus, der 1697 geboren wurde.
Nach der Hofübernahme nahm Peter Meyer zu Verl und seine Ehefrau den Hofnamen Obergassel an. Durch diese Vorgehensweise auf Preußischem Gebiet, blieben die Höfenamen erhalten und man brauchte die Karten nicht ständig aktualisieren.

Joannes Otto Overgahsel, der im Bielefelder Taufbuch 1702 eingeschrieben wurde, erwähnte ich ja schon bereits. Als Eltern waren Petrus Obergassel und Anna Eckerhoff genannt. Also der ehemalige Peter Meyer zu Verl und seine Frau Anna Echterhoff. Nur eine Schwester vom Otto fand ich noch 1705 in dem Bielefelder Taufbuch.
Leider weisen die Funde aus dieser Zeit sehr viele Lücken auf. Und es scheint mehr als einen Peter Obergassel zu der Zeit gegeben zu haben.
Ich fand eine Heirat von einem Peter Obergaßel und Maria Kleinegräber (oo18. Junius 1698) in Verl, St. Anna. Quelle
Dieser Fall erledigte sich schnell, denn dieser Peter heiratete beim Hof Kleinegräber ein und änderte dementsprechend auch seinen Namen. (siehe weiter unten bei den unsortierten Ahnenfunden) Dieser Peter konnte den Obergassel-Hof nicht mehr erben, denn er hatte 1698 alle Rechte daran verloren.

Und ich fand in den Brackweder Büchern, dass ein Peter Obergassel und Anna Clara Riehten im Jahr 1713 heirateten. Drei Kinder der Beiden fand ich - und zwar unter Peter Riethen. Anna Clara starb 1725 im (angegebenen) Alter von 47 Jahren (=> *1678). Danach hieß Peter Riethen wieder Obergassel.
Peter ehelichte noch im gleichen Jahr Margreth Ilsabein Grundman, die bei der Geburt von Johann Gerdt 1732 im Kindsbett starb. Sechs Monate später heirateten Peter und Anna Margreth Ilsabein Brinkman. Aus der Ehe resultierten ein paar Töchter. Peter starb 1745 im (angegebenen) Alter von 64 Jahren (=> *1681) und die Brinkmann schloss acht Monate später den Bund der Ehe mit Johann Jacob Göke. A.M.I. Brinkmann starb 1765 im Alter von 58 Jahren und der Göke ehelichte eine Anna Catharine Birkemeier.
Vom Alter her könnte Peter durchaus vor der Riehten bereits eine Ehe gehabt haben. Aber da der ehemalige Peter Meyer zu Verl am 21. Augustus 1669 getauft wurde (Quelle) können beide nicht identisch sein. Zwischen ihnen liegen 12 Jahre.

Peter hinterließ aus seiner vorletzten Ehe die Söhne Christoffel Henrich (~1727) und Johann Gerdt (~1732). Sein Sohn Christoffel Henrich starb bereits mit 3 1/4 Jahren im Januar 1731.
Von Peters Sohn Johann Gerdt und dessen Ehefrau Margreth Ilsabein Diekman stammen die Söhne Johan Christoff (~1757) und Franß Henrich (~1759), die sie zu Verl katholisch taufen ließen.
Ich vermute sehr stark, dass Franß Henrich mein Ururururgroßvater und der Vater von Urururgroßvater Franz Obergassel ist. Bauchgefühl halt. Auch aus der Tatsache heraus, dass oft der Name des Vaters mit einem entsprechenden Paten an den erstgeborenen Sohn weitergegeben wurde. Die Paten wurden in dieser Zeit jedoch noch nicht (immer) eingetragen. Da die Taufbücher in Verl über den Zeitraum 1766-1801 fehlen, gibt es hier leider auch keine genaueren Informationen.

Otto und Anna Maria Elisabetha Westerman heirateten am 28. November (9bris) 1734 in Bielefeld. (Quelle) Dabei wurde Otto als „Meyer zu Obergaaßel“ bezeichnet. Somit wird der Obergassel-Hof ein sog. Meyerhof gewesen sein. (Siehe: Wikipedia)
Vom Otto und seiner Frau fand ich im Bielefelder Taufbuch 13 Kinder. Ab 1745, der Geburt seiner Tochter Anna Catharina, stand „Coloni“ bei einigen Taufeinträgen. Daraus geht hervor, dass Otto den Hof als Colon führte. Einen Sterbeeintrag fand ich nicht.
Später war zweifelsfrei ein Johan Christoff Colon. Aber: Ich fand keinen Johan Christoff unter Ottos Kindern.
Nur von Johann Gerdt fand ich einen Sohn mit dem Namen Johan Christoff, der aber eigentlich zu jung und außerhalb der Erbfolge war.
Also... mit 15 Jahren zu heiraten...das ist sehr ungewöhnlich und unüblich gewesen und darf man anzweifeln. Und einen Hof zu übernehmen erst recht. Auch vor dem Hintergrund, dass allein schon das Heiraten zu der Zeit der Leibeigenschaft einer Genehmigung bedurfte, sind hier Zweifel gerechtfertigt. (Siehe etwas weiter unten)
Dieser Johan Christoff war zwei Jahre älter als sein Bruder Franß Henrich. Wer wann den Hof erbte, ob der (die) Ältere oder der (die) Jüngere, dies unterschied sich allerdings von Region zu Region.
(So) „...galt in Ravensberg das Anerbenrecht in der Form, daß der jüngste Sohn bzw. die jüngste Tochter erbte.“ Quelle: Brackweder Heimatbätter 2005, Seite 14, Fußnote 27.
Danach hätte ein vom Otto eventuell nicht registrierter/bisher nicht gefundener Sohn Johan Christof zwischen Joannes Hermannus (~1739) und Henricus Wilhelmus (~1749) gelegen und und wäre ebenso wenig erbberechtigt gewesen. Unterhalb 1772 passt einfach (noch) nicht alles zusammen.

Johan Christoff (welcher nun auch immer) und Anna Maria Henrich zu Brumel heirateten den Funden nach 1772. Ihr Nachnahme ist schlecht zu lesen. Aber Nachnamen wie Henrig zu Brumel, Claß zu Brumel, Cordt zu Brumel ect. gab es und wurden manchmal auch mit Doppel-m geschrieben. Brummel und Kleine-Brummel fand ich auch. Ebenso Heinrich-Brummel in späteren Aufzeichnungen. Anna Maria Henrich zu Brumel starb 1773 im (angegebenen) Alter von 25 Jahren (=> *1748) im Kindsbett.
Im Rittbergischen. Des Coloni Obergaßels Frau Margrete Brummels im Kindbette gestorben, +08. April 1773, ißt auf Dimissoriales zu Verrel begraben alt 25 Jahr“ (warum zum... stand da Margrete und nicht Anna Maria???)
Auch von Ihnen fand ich keine Kinder. Im Jahr darauf heirateten Johan Christoff und Anna Maria Lisabeth Delker in Neuenkirchen.

Definitv sicher ist, dass Johan Christoff Obergassel mit seiner Frau Anna Maria Elisabeth Delker im Jahre 1791 das markante Hofgebäude in Sende erbaute. Eine Inschrift an dem Altbau bezeugte es. (siehe Sende-53-14.jpg)
Der Obergassel-Hof war von der Größe her in der Lage, mehr als eine Familie zu ernähren, während dies für kleinere Kotten in der Umgebung oft schwieriger gewesen ist.
Johan Christoff hatte mehrere Kinder. Mehrmals fand ich den Hinweis: „Colonus Obergaßel hat sein Kind mit Confens zu Verrel tauffen laßen
Wie sie alle hießen, und wann genau sie getauft wurden, steht sicher in den nicht vorhandenen Verler (online-) Büchern. Drei von den Kindern starben kurz hintereinander im April 1783. Nur die Tochter Anna Maria Elisabeth überlebte.
Joes Wilhelm Gaukstert aus Stukenbrock und Anna Maria Elisabeth Obergassel heirateten Ende 1803. Oft stehen in den Büchern noch wichtige Hinweise, die man in den Ahnenforschungsportalen myheritage und ancestry nicht findet. Es geht eben nichts über die Sichtung der Originaleinträge. So stand in einem Brackweder Buch: „Wilhelm Gookstert verheiratet sich mit Colon Obergaßel Tochter und Anerbin Namens Elisabeth und wird Colonus Obergaßel“. Kinder fand ich hier auch nicht. Wilhelm starb 1819 im Alter von 39 Jahren.

Bereits drei Jahre zuvor (1816) starb Johan Christoff. Quelle
Das Alter von J.C.O. wurde in Verl mit 68 Jahren angegeben. In Brackwede stand ein Alter von 70 Jahren und der Satz: „Der Verstorbene war ins Waßer gefallen, und ertrunken aber vielleicht auch an Schlagfluß gestorben.
Lieber hätte ich dort die Namen der Eltern gelesen. Denn bei einer Geburt zwischen 1746-1748 kann er nicht Sohn vom Gerdt Obergassel sein. Aber bei Ottos Kindern fand ich nunmal keinen Johan Christoff. In das entsprechende Zeitfenster würde zwar noch Henricus Wilhelmus (~1749) passen, bei dem erstaunlicherweise ein Joannes Christophorus Meyer zu Verl Taufpate war und man sich fragen darf, warum Henricus Wilhelmus nicht den Namen des Taufpaten bekam. Hatte sich etwa der Pfarrer lediglich verschrieben? Hier ist irre viel Raum für etliche Fragen und Spekulationen.

Wenn Otto tatsächlich keinen Nachfolger mit dem Namen Johan Christoff hatte, konnte aus irgendeinem Grunde Gerdts Sohn die Nachfolge angetreten haben? Gerdts Sohn wäre ja dann nur 59 Jahre alt geworden und nicht 68 bzw 70 Jahre. Altersangaben in Heirats- und Sterberegistern sind nicht immer exakt, aber eine Diskrepanz von 9-11 Jahren ist zu auffällig. Oder sah Gerdts Sohn nach den vielen Schicksalsschlägen auch nur so alt aus? Trickste man evtl. bei der Heirat bereits?

Gerdts J.C.O.'s Frauen wären somit einige Jahre älter gewesen. Die Brummel neun Jahre und die Delker, die 1826 mit angeblich 80 Jahren starb (katholisches Buch), dann elf Jahre. Da die Delker 1826 auch im evangelischen Sterberegister stand und dort mit einem Alter von 78 Jahren angegeben wurde, wäre sie dann auch nur neue Jahre älter gewesen. Leider sind auch in Neuenkirchen entsprechende Bücher (von 1709-1752) als fehlend vermerkt und so konnte ich ihren Taufeintrag nicht finden um ihr genaues Alter zu bestimmen.
Beide Frauen werden bestimmt dem „kleinen“ Christoff einiges haben beibringen müssen - wenn er denn tatsächlich so jung, aus welchem Grund auch immer, geheiratet hat - oder heiraten musste. ^^ Spielte etwa der „siebenjährige Krieg“ (1756-1763) irgendeine Rolle? Die hohe (Kinder-) Sterblichkeit durch Nahrungsmangel und viele Krankheiten?
Da Zweifel angebracht sind, ist hier meine Ahnentafel noch nicht in „trockenen Tüchern“. Zumal es einen Hinweis eines Ahnenforscherkollegen gibt, nachdem ein 1757 geborener „Johan Christoff Obergaßel gnt. Seppeler“ eine „Anna Maria Meyer zu Verl“ ehelichte. Auch hier verbergen sich die Beweise sicher in den nicht vorhandenen Verler Kirchenüchern, die hoffentlich irgendwann in einem ausgetrockneten Brunnenschacht wiederentdeckt werden.
Der Hinweis des Sterbeeintrags einer Seppeler-Tochter ist auch vage:
„Elisab Seppeler filia Colonorum Christophori nata Obergaßel et Anna Maria nata Meyer zu Verl, at: an: 20, Mortius: 12 Octobris 1819 Bornholte“. Quelle
Und der Sterbeeintrag des Johan Christoff Seppeler in Verl fällt bemerkenswert schlicht aus: „Christophorus Seppeler 30 Aprilis 1804, 48“ Jahre (=> geb.: 1756). Quelle

Fazit: Gab es einen 1746/48 geborenen Johan Christoff, der Colon des Hofes war, dann sieht meine bisherige Ahnentafel anders aus, da er andere Eltern hatte.
In den Brackweder Büchern fand ich nur den Eintrag eines Taufpaten „Joh Christoffel Obergaßel“ im „Februarius 1728“, der dann vor 1748 geboren wurde und altersbedingt ausscheidet. Hier steckt also noch Forschungsarbeit drin und eventuell hilft nur ein Besuch im Staatsarchiv Münster um hier mehr zu erfahren.

Johannes Antonius (Anton) Stutewille und Johan Christoffs Tochter Elisabeth heirateten im Jahr 1821. Anton heiratete somit in den Obergassel-Hof ein und bekam auch den zusätzlichen Namen Obergas(s)el. Er wurde „angeklebt“.
genealogy.net Namensanklebung und Wikipedia: Genanntname
Ab da hieß er Anton Stutewille genannt Obergasel. (hier wurde oft, aber eben auch nicht immer, nur ein „s“ geschrieben)
Im Jahr 1822 starb Anna Maria Elisabeth im Kindsbett. Also... schicksalshafter und tragischer ging es nun wirklich nicht!

1823 heirateten Anton und Anna Maria Catharine Hapig aus Delbrück. Sieben Kinder gebar sie, wobei 1834 ein Mädchen bald nach der Geburt verstarb. Die vier Söhne wurden in Verl, St. Anna, katholisch getauft. Alle Söhne jeweils ein paar Tage danach und auch die beiden Töchter in Brackwede (evangelisch). Doppelter Segen irgendwie - bemerkenswert!
Beim Carl Joseph (*27.12.1832) mogelte man ein wenig. In Verl wurde er am 29.12.1832 getauft. In Brackwede nannte man das Geburtsdatum den 05.01.1833 als er am 15.01. dort getauft wurde.
Die Kinder hießen später nur noch Obergas(s)el. Eine 1828 erlassene Verordnung des Oberpräsidenten von Westfalen bestimmte es so. Denn die Genannt-Namen konnten lang werden, wenn mehrmals entsprechend geheiratet wurde.
1837 starben die Eltern, Anton und seine Gattin, gleichzeitig an Cholera und hinterließen den Hof und sechs zum Teil noch minderjährige Kinder.
Allein waren sie aber ganz und gar nicht. Es gab einige Familien auf dem Hof, die dort als Heuerlinge arbeiteten. Auch von diesen gab es Geburten und so dürften ständig Kinder dort herumgewuselt sein. Natürlich fand ich in den Sterberegistern auch viele, die dort starben. Freude und Trauer waren somit permanent präsent.

1857 wurde der Hof für 19.250 Taler an Otto Diekhoff aus Neuenkirchen verkauft. Danach ging er noch durch mehrere Hände, bis er 1884 an Bethel verkauft und „Eichhof“ genannt wurde. (siehe Hofbesitzerfolge Sende-53-14.jpg)
Elisabeth Obergassel (21 Jahre) und Joan Henrich Kaupschäfer heirateten 1846 in Kaunitz.
Johan Conrad Obergassel (26 Jahre) und Maria Theresia Kiffe aus Boke heirateten 1856. Sie blieben auch dort. Sie bekamen sechs Kinder.
Carl Joseph Obergassel (29 Jahre) und Anna Maria Elisabeth Troja heirateten 1861 in Thüle. Carl wanderte ein paar Jahre später in die USA aus. (siehe: Die Auswanderer)
Die Hanna Maria Anna Obergassel heiratete wohl 1851 Wilhelm Thiesbohnenkamp gnt. Bremehr aus Bornholte in Verl. Warum ich mir nicht 100%ig sicher bin? Bei der Heirat der Beiden wurde Maria Anna angegeben. Es gab für mich bis zum Fund des Taufeintrags in Brackwede nur eine Hanna Maria vom Anton. Erst im Taufeintrag fand ich ihren ganzen Namen: Hanna Maria Anna. War ich mir nun sicher? Hmm... es gibt da noch einen Taufeintrag aus Friedrichsdorf...

Maria Anna Obergassel, geb. 25. November 1827, Taufe: 27. November 1827 in Friedrichsdorf, St. Friedrich
Parentes: Colonus Antonius Obergashel natus Stutewille et Maria Francisca Haupmann in Sende
Patrini: Maria Anna Haupmann
(Siehe: Quelle)
Der Name der Mutter weicht aber sehr ab von Antons Frau ^^ Und das Taufdatum der Maria Anna liegt zwei Monate vor dem der Hanna Maria Anna. Dennoch könnte sie es sein, da ich eine Maria Francisca Haupmann nirgendwo fand, die Doppeltaufe beim Anton wohl üblich war und es nicht selten Ungereimtheiten gab.
Sicherer war ich mir nach dem Fund des Taufeintrags am 06. Jan. 1828 im evangelischen Buch in Brackwede. Dort stand bei der Spalte der Taufzeugen:
„Die Geburt dieses Kindes wurde aus Vernachläßigung der Eltern, und des Parrers so spät angezeigt, weil sie katholisch sind, und sich dieses erlauben zu dürfen glauben.“ (Siehe Bild 278 bei: Quelle)

Wo Antons Kinder Johan Wilhelm und Joannes Hermannus abgeblieben sind, konnte ich nicht herausfinden. Etwas bemerkenswert finde ich, dass es den Namen Stutew(v)ille auch in den USA gibt. Waren sie vor dem Carl ausgewandert?

Auf den ersten Blick auf die erstellte Ahnentafel, sieht es so aus als ob diese Obergassels gar keine Obergassels sind, da sie alle von dem Stutewille und der Hapig abstammen. Aber der Anton war der Sohn von Christoph Stutewille und Anna Maria Walkenforth. Und ein Joan Christoph Stutewille war der Sohn von Henrich Stutewille und Anna Maria Obergassel (ca. 1710-1765). Bei der Heirat von Anton mit der Anna Maria Elisabeth Obergassel wurde ein Verwandschaftsverhältnis 3. Grades notiert. (Siehe: Quelle)




Die Auswanderer

Carl Joseph Obergassel aus Brackwede und Elisabeth Troja heirateten in Thüle 1861. Sie starb 1865 an Morphinsucht und hinterließ ihren Gatten und den 2 1/2-jährigen Sohn Stephan Konrad. (Morphin wurde lt. Wikipedia zuerst in Paderborn aus Morphium isoliert)
Einen Monat nach dem Tod seiner Frau, schipperte Carl von Bremen nach New York rüber. Sein Sohn blieb offenbar hier. (bei Carls Geschwistern?)
Stephan Konrad reiste 28 Jahre später als sein Vater, 1893 fast 31-jährig mit der S.S. Weimar der Steam Ship Company Norddeutscher Loyd von Bremen nach Baltimore, Maryland, in die Vereinigten Staaten und hieß fortan Conrad. In der Passanger-List steht, dass er Single war, aus Weine stammte und sein Vater die Passage bezahlte. Als sein Beruf wurde dort "distiller" eingetragen. Als final destination: St. Louis. Grund der Reise war der Besuch des Vaters in St. Louis MO.

In einer Volkszählung im Jahre 1900 (12th Census Of The United States) - da war Conrad 38 Jahre alt - stand, dass sein Beruf „Laborer Glue Wks“ war und er mit Anna E. verheiratet war. Anna E. war 1836 geboren, also 26 Jahre älter als er und auch aus Deutschland. Aber, und das finde ich das Bemerkenswerte, als Year of Immigration war bei ihr das Jahr 1867 eingetragen. Somit lebte sie fast so lang in den Staaten wie sein Vater. Ihr Mädchenname war Abeln. Unter „Number of years married“ war „0“ eingetragen. Sie hatten offenbar im Jahr 1900 geheiratet. Sie hatte weder lebende noch verstorbene Kinder.
Beide wohnten zur Miete in dem Haus einer Witwe Christina Abeln (Head of family) mit fünf Kindern. Christina war "Boarding House Keeper". Ihr Haus war also eine Pension in welcher zum Zeitpunkt der Volkszählung noch weitere Kostgänger registriert wurden.
Da Carl in der 1900er Volkszählung nicht auftauchte, wird er zwischen 1893 und 1900 verstorben sein. Leider begann die Aufzeichnung der Totenscheine in Missouri erst 1910.
In der Volkzählung 1910 stand nur der Vorname Elisabet als Conrads Ehefrau und in der aus dem Jahre 1920 stand, dass Conrad und Elizabeth im Jahr 1901 eingebürgert worden waren. Auch kam plötzlich noch eine 7-jährige Tochter Julia hinzu. In anderen Funden bei „MyHeritage“ und „ancestry“ fanden sich auch die Namen Julia Newerthe und Julia Weinerth, die abt. 1913 geboren sein soll. Nun, da die Elisabeth mit damals 83 Jahren sicher keine siebenjährige leibliche Tochter gehabt wird... Keine Frage, das ist alles sehr mysterös ^^

Die North 11th Street Home Number 3624, wo sie lebten, liegt nur ein paar Blocks vom Ufer des Mississippi River entfernt. Der Mississippi dort gehört nur bis zur Flussmitte zu Missouri. Die andere Hälfte gehört zu Illinois. Dort gibt es die Städte Paderborn, Germantown, Freeburg, New Hanover, New Minden. Zwischen Baltimore, Maryland und St. Louis in Missouri liegen die Staaten Virgina/West Virgina, Kentucky, Ohio, Indiana und Illinois. Je nach Route, durchquerte Stephan Konrad alias Conrad also mehrere Bundesstaaten auf seinem Weg nach St. Louis im Bundesstaat Missouri.
Es bleibt der Fantasie überlassen, was die einzelnen Personen damals so alles erlebt haben könnten. Da könnte man wilde Geschichten drüber ersinnen :-D

Mit seiner Frau Anna Elisabeth hat Conrad in St. Louis, Missouri gelebt bis sie dort starben. Sie starb 1922 im Alter von 86 Jahren, er 1928 im Alter von 65 Jahren. Im Certificate of Death steht beim Conrad „Night Watchman“.




Die Rietberger

Schade ist es, dass ich z.Z. meine starke Vermutung nicht bestätigen kann, dass Franz Obergassel ein Sohn von Franß Henrich (~1759) ist. Denn dann käme ich zwei Generationen weiter und auch die Verbindung zu den Bielefeldern wäre möglicherweise gegeben. Damit würde sich ein sehr großer Stammbaum ergeben. Aber solange ich dies nicht schwarz auf weiß in den Büchern nachlesen kann, wäre eine reine Behauptung sehr unwissenschaftlich und unprofessionell. Jedoch darf man obigen Zusammenhang durchaus im Hinterkopf behalten, denn es sprechen einige Indizien für meine Vermutung und nicht das Geringste dagegen.
Als Franz seine Eltern wurden bei seiner Trauung Henrich Obergasel Beylieger bey Obergasel in Sende und Elisabeth Kleinelillmeyer genannt. Wenn dieser Henrich nun der Franß Henrich wäre, würde alles perfekt passen. Wenn nur die Verler Bücher des entsprechenden Zeitraumes online verfügbar wären...

Franz Obergassel (46 Jahre) und die Witwe Maria Catharina Kulage heirateten im Mai 1821. Quelle
Damit wäre er 1775 geboren. Als er 1862 starb, stand dort 84 Jahre => *1778.
Franz seine Frau war zuvor mit Joannes Petrus (Peter) Langhorst verheiratet (oo1809) und bekam von diesem vier Kinder. Peter verstarb Anfang 1820. Als Franz und die Kulage heirateten, war sie bereits seit drei Monaten schwanger, denn im November 1821 kam Elisabeth, das erste Kind von den Beiden, zur Welt. Es folgten Everhard (*1823), Magdalena (*1824), Elisabeth (*1826), die Zwillinge Catharina Elisabetha und Maria Elisabetha Margarethe (*1827), Anna Maria Elisabeth (*1829), Johann Heinrich (*1831) und mein Ururgroßvater Heinrich Caspar (*1835) als letzes Kind. Mal locker insgesamt 13 Kinder aus beiden Ehen. ^^

Wie erstaunlich Ahnenfunde sein können, zeigen die komplizierten Familienverhältnisse meines Rietberger Ururgroßvaters Heinrich Caspar Obergassel. Hier waren sechs Personen nacheinander verbandelt.

Heinrich Caspar (27 Jahre), Kötter im Herrenbruch bei Rietberg, und Therese Schlüter (23 Jahre) aus Neuenkirchen heirateten 1862.
Therese Schlüter starb 1884 im Alter von 43 Jahren an Schwindsucht und hinterließ 1 Gatten und sieben (!) Kinder.
(Es sollten acht sein. Offenbar hatte sich da jemand verzählt. ^^)
Heinrich Caspar (50 Jahre) heiratete danach Margarethe Blankenaufulland (44 Jahre) aus Bornholte, die lange Magd bei Winkelheide in Westerwiehe war, im Jahr 1885.
Heinrich Caspar starb 1886 im Alter von 51 Jahren an einem Magenleiden und hinterließ 1 Gattin und acht (!) Kinder.
Margarethe Blankenaufulland (46 Jahre) und J. Hermann Holtkamp (64 Jahre), Kötter in Mastholte, heirateten 1887. Da war er bereits 64 Jahre alt.
J. Hermann Holtkamps Ehefrau, Margarethe Deiters, starb zuvor im Jahre 1886 im Alter von 65 Jahren. Diese Ehe hatte keine Kinder.
J. Hermann (67 Jahre) verstarb 1890 an Schlagfluss und Margarethe (50 Jahre) heiratete Conrad Pickert (32 Jahre) im Jahre 1891.
Margarethe Blankenaufulland starb 1899 im Alter von 58 Jahren.
Vermutlich durften die jungen Obergassels auf Holtkamps und Heinrich Caspars Kotten ordentlich arbeiten.
Mutter tot, Vater tot. Waren die Stiefeltern nicht so nett zu ihnen?
Anscheinend hatten viele die Nase voll gehabt und zogen weg als sie erwachsen waren.

Ein Vater mit Kindern, darunter Minderjährige und Kleinkinder, dem die Ehefrau verstirbt, brauchte dringend eine neue Frau. Und eine (Stief-) Mutter, dessen Ernährer und Versorger verstirbt, brauchte dringend einen neuen Solchen. Eine andere Absicherung gab es früher ja nicht und somit wurde wohl auch nicht nach Schönheit geschaut.
Das Leben war damals kein Ponyhof ^^

Neben meinem Urgroßvater, Hermann Everhard, kamen noch sein Bruder Hermann Heinrich und seine Schwestern Maria Margarethe und Franzisca Elisabeth nach Dortmund-Hörde. Damals war Hörde noch eine eigene Stadt und wurde erst 1928 zu Dortmund eingemeindet. Johann Georg war nur kurz um 1904 in Hörde gemeldet, heiratete später in Liesborn und blieb dort.
Hermann Everhard, der als Fabrikarbeiter im Hörder Stahlwerk arbeitete, und seine erste Frau Caroline Keller (1864 - 27. Mai 1899) heirateten 1888 in Dortmund. Die Rietberger waren alle katholisch. Dass die Caroline evangelisch war, überraschte mich. Geburten stellten auch zum Ende des 19. Jahrhunderts noch ein erhebliches Sterberisiko dar. Caroline starb am Wochenbettfieber.
Auch sein Bruder Hermann Heinrich gründete 1891 eine Familie in Hörde und auch die Schwestern waren bald „unter der Haube“. Hermann Heinrich arbeitete zuvor als Diener bei dem Rietberger Gutsbesitzer und Industriellen Tenge. In Hörde/Dortmund arbeitete Hermann Heinrich als Badewärter.
Meine Urgroßeltern Hermann Everhard Obergassel und Maria Elisabeth Dreier aus Liesborn heirateten 1901 in Liesborn. Er brachte sie mit nach Dortmund. Drei Söhne und zwei Töchter bekamen sie. Kohle und Stahl sorgten in den kommenden Jahrzehnten für harte Arbeit aber auch bescheidenen Wohlstand. Damals konnten Berg- und Stahlarbeiter sich sogar ein Eigenheim erarbeiten.
Unvergesslich: In dem großen Garten meiner Großeltern habe ich als Kleinkind die Hühner mit Würmern gefüttert und einmal im Jahr wurde ein Schwein verwurstet. Leeecker!!!




Unsortierte Ahnenfunde

So mancher Fund in den alten Kirchenbüchern lässt sich nicht auf Anhieb in den Stammbaum einhängen. Bei diesen werden noch weitere Hinweise und damit noch weitere Recherchen benötigt. Damit sie nicht aus dem Blickfeld geraten, ist es sinnvoll, sie irgendwo unter „Unsortierte Funde“ einzuordnen. Beispiele:

Margaretha Obergaasel, Ehefrau des Kötters Heinrich Brüggershemke, Neukaunitz, 70 Jahre, starb am 11. Mai 1857 in Liesborn. (=> *1787) Quelle
Sie könnte eine Schwester von Franz Obergassel sein.

Heinrich Lückewille geboren Obergaßel in Sende, Leibzüchter, starb am 11. Januar 1845 im Alter von 78 Jahren in Verl.
(=> *1767) Quelle
Verheiratet war er mit Anna Catharina Lukewille geborene Wulfhorst, Leibzüchterin. Sie starb 1830 im angegebenen Alter von 77 Jahren. Quelle
Joan Henrich Obergasel heiratete 1832 im Alter von 64 Jahren (=> *1768) Anna Maria Puls (46 J.) aus Stuckenbrock Quelle 1 und Quelle 2
Bei Quelle 2 steht: Stand und Wohnort des Vaters: „Colon Obergahsel in Sende“.
Frage: Wer war 1767/68 Colon in Sende? Hatte Otto noch ein Kind? Doch sicher nicht mehr mit der Westermann ^^

Peter Ferd. Obergassel heiratete Anna Xtina Humann, Copulatorum 22. November (9bris) 1785 in Neuenkirchen, St. Margartha Quelle
Anna Christina starb am 17. März 1825 im Alter von 82 Jahren. Gut, dass der Pastor so viel ins Sterberegister geschrieben hat. Die Anna Christina, geb. Meyer to Bokel, heiratete 1773 in erster Ehe Colon Christoph Humann, der 1785 starb. Im gleichen Jahr schloss A.C.H. den Bund er Ehe mit P.F.O. und brachte in diese zwei Töchter mit. Laut diesem Sterberegister blieb die Ehe mit Peter Ferdinand Obergassel kinderlos. Quelle 1
Peter Humann (Obergassel) starb 1788. Quelle 2
Sterbeeintrag Xtopher Human 1785: Quelle 3
Traueintrag A.C.M. to B. mit Xtopher Humann 1773: Quelle 4

Joan Christophorus, Taufe: 05. August 1764 in Bielefeld, St. Jodokus (kath). Filius legitimus Joannis Overgaßel et Anna Maria Grotenbrummel conjugum, Patrinus fuit Joan Christopher Stutewille. Quelle
Geheiratet haben: Joann Obergaßell et Anna Maria Graute Brummel am 27. November 1756 in Verl, St. Anna. Quelle

Petrus Ferdinandus Obergassel, Taufe: 10. November 1757 in Bielefeld, St. Jodokus (kath). Leider wurden keine Eltern genannt. Es stand nur "N.N." dort (Non Nomina). Quelle
Warum wurden keine Eltern genannt? Wenn Peter Ferdinand ein Findelkind war, welches man auf dem Obergasselhof ablegte, und sich die Obergasselfamilie des Kindes annahm und taufen ließ, dann hätten doch zumindest Obergassels als Taufpaten dort gestanden. Aber auch Taufpaten standen dort nicht. Dennoch wurde das Kind Petrus Ferdinandus Obergassel getauft. Seltsam... ^^
Oder war der Täufling Peter Ferdinand gar kein Kind? War er erwachsen und ungetauft oder evangelisch und ließ sich katholisch in Bielefeld taufen? Dann wäre der Altersunterschied zur Anna Xtina auch geringer als 14 Jahre.

Elisab. nate Obergaßel vidua de Hermannus Hermwille Colona Senior, at: 84 an., aus Sende starb am 28. Martii 1819 (=> geb.: 1735) Quelle
Ihr Gatte starb 1815 im angegebenen Alter von 77 Jahren (=> geb.: 1738). Quelle
Joes Hermannus Hermanwille und Elisabetha Obergasel heirateten am 28. November 1761 in Verl, St. Anna. Quelle

Anna Maria Riwenpeter, geb. Obergasel, Alter: 80 Jahre, Witwe des Heinrich R. Heuerling bey Ellebracht Hülsewe zu Sende, starb am 13. Februar 1825. (=> geb.: 1745) Quelle

Joannes Christophorus Niermeyer de Centuria D. de ?oostramhsdorff? und virgo Elisabetha Obergassel heirateten am 22. Martii 1772 in Bielefeld. Quelle

Anna Obergaßel et Cordt Stutewille heirateten am 01. November 1715 in Verl, St. Anna. Quelle

Jacobus Obergasel war Taufpate am 29. Februarius 1707 in Bielefeld, St. Jodokus. Quelle

Etwas tragisches zwischendurch...
29. Augustus 1698: ein 2 jähriges Knäblein stranguliert gefunden bey Obergaßels Feld an der Landstraße Quelle

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Hier gab es wohl eine Überkreuzheirat. Peter Obergaßel heiratete offenbar in den Hof Kleinegräber, der nur einen „Katzensprung“ vom Obergassel-Hof entfernt war, ein:

Regina Obergaßel und Cord Kleine gräber heirateten am 06. Julius 1698 in Verl, St. Anna. Quelle

Peter Obergaßel und Maria Kleine gräber heirateten am 18. Junius 1698 in Verl, St. Anna. Quelle

Aus dem Peter Obergaßel wurde ein Peter Kleinegräber. Notiert wurde in den Folgejahren:

Anna Maria Elisabetha, Taufe: 14. Junius 1699 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter Kleine Gräber und Maria Ehel. Quelle

Anna Catharina, Taufe: 04. December 1701 in Verl, St. Anna. Parentes: Peter Kleine Gräber und Maria Ehel. Quelle

Anna Maria, Taufe: 07. Aprilis 1705 in Verl, St. Anna. Par.: Peter et Maria Kleine gräber. Patrina: Anna Gaeßell. Quelle
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Gerardus Joannes, Taufe: 03. Majus 1693 in Verl, St. Anna, Parentes: Cord Obergaßel und Elisab., Eheleute. Quelle

Frantz Obergaßel war Taufpate am 29. Sept. 1685 und am 04. Feb. 1691 in Verl, St. Anna Quelle1 / Quelle1




Hier sind einige Links für die eigene Ahnenrecherche:




Historisches über die Bielefelder (Sende)

Die dankenswerterweise mir übergebenen und gescannten Unterlagen (Querformat) als JPGs:
Sie lassen sich verzerrungsfrei auf DIN A4 ausdrucken.


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Diese vier Seiten, die die Lage der Höfe um 1815 darstellen, muss man sich zusammengesetzt vorstellen.
Mein Tipp: Auf DIN A4 ausdrucken und zusammenfügen.

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Aus_dem_Urkataster-Sende_1815-3.jpg

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Zu oben stehenden Hofdokumenten hat Rudolf Gürtler eine handschriftliche Liste
mit Worterklärungen zugefügt.
Die mir zur Verfügung gestellte Kopie war gescannt zu schlecht lesbar, deshalb
habe ich sie neu geschrieben.
Die Worte: Ilsabein, minorenn und Wittib wurden von mir am Listenende angehängt,
da sie für mich vorher unbekannt waren und recherchiert werden mussten.
Diese Liste als PDF herunterladen.
1
Altnummer
Alte Hofnummern vor der Straßenbenummerung
Anerbe
Hoferbberechtigter, nach westf. Recht jüngster Sohn
Anerbin
Jüngste Hoftochter, wenn keine Söhne da sind
Areal
Bodenfläche einer Hofstätte
Becher
Schüttmaß ca 5 Pfund (4 Becher = 1 Spint)
Bernd
Schrumpf- u. Koseform von Bernhard
Beyschatz
Abgabe an den Landesherrn (nicht an den Gutsherrn)
Beyliggers
Hofabhängige (Hüsselte) im 17. Jahrhundert
Brock
Bruch, sumpfiges Niederungsland/Riet; in die Brüche gehen
Canon
regelmäßig wiederkehrende Abgabe, meist jährlich
Cläre
Koseform von Klara
Colon
Bauer
Colona
die Bäuerin als Witwe
Colonat
die Hofstätte
Daler
Taler (Dallar - davon abgeleitet (Münze nach Joachimstal)
Dent
holländische kleine Scheidemünze; entspricht Pfennig


2

Diek
Teich, auch nasses Wiesental
Dirk
Schrumpf- u. Koseform von Dietrich
Drees / Dreis
Schrumpf- u. Koseform von Andeas
Ebbo
Koseform von Ebbing
Eigenbehörigkeit
Leibeigenschaft, Hörigkeit
Einträger
Rietberger Bauernklasse, die jährlich 8 Handdienste leistet.
Alte Einträger entstanden vor dem 30 jährigen Krieg. Neue Einträger
(oder Neuwöhner) nach 1654 (nach Schroertener 1804); sonst Markkötter

Elbracht
Kurzform von Adelbracht (später Albrecht)
Enneke
Ännchen; Koseform von Anna
Erbkötter

Westf. Hofklasse; Abspliß eines Erbes (von den Meiern ausge-
hende Siedelwelle; sie entsprechen den Rietberger Zweiträgern)

Erpächter
Heuerling mit Erbpachtland von der Solstatte, dem Mutterhofe
Everd
Schrumpfform von Eberhard
Fieken
Schrumpf- u. Koseform von Sophie
Fuß, ◻Fuß

alte Flächenmaße; als Längenmaß 31cm, als Flächenmaß 1/10
(144 ◻Fuß waren eine ◻Ruthe)



3

Gerd
Schrumpf- u. Koseform von Gerhard
Gode
Kurzform des Altsachsennamens Goding
Goltgulden
40 Mariengroschen (1 Taler = Mariengroschen)
Greite
Schrumpf- u. Koseform von Margarethe
Grundbuch


Hypothekenbuch; die ersten Grundbücher der Bauernschaft
wurden 1977 von den Amtsgerichten an das Staatsarchiv in
Detmold weitergegeben

Grupen
alter Bauerntopf mit Standfüßen
Gutegrorschen
1 Taler hatte 24 Gutegroschen od. 3x Silbergr. od. 21 Weiße Groschen
Gütersorth
ehem. Bauernschaft im Verler Raum
Gutsherr
ihm waren die Hörigen leibeigen
Halbmeier

hatten ursprünglich 1/2 Hufe Land, entstanden oft durch
Teilung eines Meierhofes

Hele Höfe
ungeteilte Höfe (heile Höfe) der ersten Siedelwelle
Handdienst
Tagwerk (bei freier Kost) beim Gutsherrn
Herbstpfechte
Abgabe im Herbst, oft an Martini
Heggele
Flachshechel


4

Kort / Kurt
Kurzformen von Konrad
Kotten
Wohnung des Knechts oder der Hofabhängigen
Kop / Kamp
Kurzform von Jakob
Lehmstich
Geschiebemergel zur Verbesserung des Sandbodens
Leibzucht
Wohnung od. Haus des Ausgedingers (Hofabgebers)
Liemke
Bauerschaftsname (fr. Limeke, Limike, Lindbike)
Lüke / Ludeke
Kurzform von Ludwig
1/2 Magd
Kleinmagd
Mas / Mees / Maas
Kurzform von Thomas
Malter
großes Schüttmaß (preuß. Malter = 659 Liter)
Maibede / Meibedde
Maiabgabe (anf. Maitag - 1.5. - fällig)
Mariengroschen
36 Mariengroschen = 1 Taler
Markkötter
wie Einträger, Siedler in der Mark, der Allmende (Gemeinheit)
Meßkorn
Kornabgabe der Colonen an die Pfarrei
Morgen
Unterteilung des ha (4 Morgen = 1 ha)
Müdde
Schüttmaß (kleiner als Malter, größer als Scheffel)
Neuwöhner
letzte Siedelwelle der Feudalzeit; nach 1654 entstanden


5

Nolde / Nolte
Kurzform von Arnold
Obereigenthum
Besitzrecht der Feudalherren
Ordt / Orth
Ecke / Winkel; auch der Vierteltaler
Pachtschilling
Pachtgeld
Pfechte
Pacht
Plaggenstich
zur Gewinnung von Streu und Dünger
Rauchschatz
Steuer, die auf der Hofstädte lag
relnieren
bat davon befreien (durch Geld)
Ruthe, ◻Ruthe
der 180. Teil eines Morgens
Rüter
Kurzform von Rüdiger
Sander / Sanders
Kurz- u. Lateinform von Alexander
Schatzregister
Besteuerungsaufstellung
Schilling
frühe Unterteilung des Talers (1 Taler = 21 Schilling od. Weiße Groschen)
Scheffel / Schepel
Schüttmaß ca 80 Pfund = 4 Spint
Schoppen
Scheune; Platz für Ackergeräte
Sedig Land
Saatland
Spanndienst
Robot* mit Wagen und Pferden


6
Spint
Schüttmaß, ca 20 Pfund; zwischen Becher und scheffel
Steffen
Kurzform von Stephanus
Sterbfall
Grundherrliche Abgabe im Todesfall
Stina
Kurzform von Christina
Stoffel
Kurzform von Christoph
Stoppen
Junges Pferd / Euter
Stute
Kurzform des altsächs. Namens Stoting
Subhastation
Zwangsversteigerung
Taler
Silbermünze aus Joachimstal im 16. Jahrhundert
Tomaksel
Hinzugemachtes; zum Areal geschlagenes
Tönnies / Töns
Kurzform von Antonius
Trine / Triene
Kurzform von Katharina
Unland
Unkultiviertes; brachliegendes Land
Venn
Sumpf- oder Moorland
Verdedingsgeld
Schutzgeld; Verteidigungsgeld
Verrlischorth
Teil der Bauernschaft Verl im 17. Jahrhundert


7
Viehschatz

Besteuerung der Tiere (Pferde, Stoppen, Kühe, Rinder, Schweine
und Schafe)

Vollmeyer / Vollspann
Hofstätte der 1. Siedelwelle
Wede / Wehebner
Die Bauernschaften Õster- und Westerwiehe vor dem 30 jähr. Krieg
Weinkauf
Abgabe zum Wiedergewinn von Hof und Land bei Besitzwechsel
Xtian
alte Schreibform von Christian (Kersting)
Xtoph
alte Schreibform für Christoph
Zuschlag
Tonschlag; aus der Mark / Allmende zum Arreal zugeteilt
Zweiträger
16 Handdienste; Rietberger Name der Erbkötter


Ergänzung
Ilsabein
alte Variante von Elisabeth
Minorenn/en
minderjährig/Minderjährige
* Robot
Arbeit im Frondienst
Wittib/Wittiber
Altes Wort für Witwe/Witwer

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Dortmund, 14. September 2021.   Recht auf Änderungen und Irrtümer vorbehalten.

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