Wenn meine Informationen dem Leser weitergeholfen haben, dann würde ich mich über eine kleine Zuwendung freuen.
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Erfahrungen mit Praktika heute
- oder: Neue Konzepte zur Ausbeutung von Arbeitskräften
Eigene Erfahrungen von Dipl.-Ing. Dipl.-Wirt.Ing. (FH) Bernd Obergassel (2007)
(Reproduktion/Verwendung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors!)
Am 22. März 2007 wurde ich zu meinem Fallmanager gerufen. Der Herr K. der ARGE Dortmund meinte, er sehe die Notwendigkeit einer
beruflichen Qualifizierung. Ein Arbeitsangebot (gegen Entgelt) hatte er natürlich nicht für mich.
Die Eingliederungsvereinbarung, die ich unterschreiben musste, legte die Teilnahme an einer Maßnahme zur beruflichen Weiterbildung für die Dauer
von neun Monaten fest.
Ich sagte ihm natürlich, dass ich kein Interesse an einer Praktikumsstelle habe und lieber einen bezahlten Arbeitsplatz hätte. Mein Fallmanager
entgegnete:
„Herr Obergassel, wenn sie nicht freiwillig teilnehmen, dann werden Sie zugewiesen.“
Natürlich wurde ich wirtschaftlich genötigt eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben.
Man drohte mir bei Verweigerung der Unterschrift mit einer Leistungskürzung von 30%, in Schritten sogar die komplette Streichung des ALG IIs.
Bei eigenverschuldetem Abbruch der Maßnahme wurde ich zur Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 30% der Lehrgangskosten (4143,96 EURO) über die
Eingliederungsvereinbarung verpflichtet.
Folglich habe ich neben die Unterschrift geschrieben: „Zu dieser Unterschrift wurde ich wirtschaftlich genötigt.“
Damit werte ich die Eingliederungsvereinbarung eindeutig als für mich nicht bindend irgendwie rechtswidrig aber auf jeden Fall unseriös.
Was mir dennoch nicht weiterhilft; ich habe sie halt unterschrieben - aber hatte ich wirklich eine echte Wahl? Etwa verhungern? Oder gar straffällig werden, weil
ich meine Existenz aufrecht erhalten will und muss? Gegen schaffbare, bezahlte Arbeit hätte ich ja nix - habe sie aber z. Z. nicht und suche danach.
Somit bin ich der ARGE und ihren feudalistischen Machenschaften, incl. meinem ach so fürsorglichen Fallmanager, machtlos
und erniedrigend ausgeliefert.
Zusätzlich musste ich unterschreiben auf jede Art von Schadenersatzforderung der ARGE gegenüber zu verzichten - leider wurde mir keine Kopie ausgehändigt.
Ich darf also als Trainee (-->Praktikant) prima in der freien Wirtschaft verheizt werden - ich bin begeistert :-(
Nachtrag 13.02.2008:
Die Gerichte stimmen mitlerweile zu, dass der Zwang zur Unterzeichnung einer Eingliederungsvereinbarung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
Bayrisches Landesgericht (L 7 B 366/07 AS ER - 01.08.2007)
"Vertragliche Vereinbarungen müssen auf Freiwilligkeit im Sinn autonomer Entscheidungen beruhen. Hilfeempfängern darf zwar 'zugeredet' werden, ihre Entscheidung, eine
Eingliederungsvereinbarung abzuschließen, muss jedoch letzlich Ausdruck der Selbstbestimmung bleiben. Damit verträgt sich die Ausübung von Zwang nicht; diesbezüglich
sei auf den Rechtsgedanken des § 123 BGB hingewiesen. Ein unter diesen Umständen abgeschlossener 'Vertrag' trägt Züge eines Formmissbrauchs; in Wahrheit nämlich handelt
es sich möglicherweise um einseitiges Diktat."
Sozialgericht Dortmund (S 28 AS 361/07 ER - 18.09.2007)
Der Zwang zum Abschluss einer Eingliederungsvereinbarung gem. §§ 15 Abs. 1 Satz 6, 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 1a SGB II stellt einen Eingriff in den Schutzbereich der in Art. 2 Abs. 1 GG
normierten Vertragsfreiheit dar. Die Kammer schließt sich insoweit der Auffassung des LSG Niedersachsen-Bremen (Az.: L 8 AS 605/06 ER) an, dass dieser Eingriff in die Vertragsfreiheit
aufgrund eines Verstoßes gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt ist.
Ich möchte die "Bemühungen" der Dortmunder ARGE so betrachtet wissen: Als 1-EURO-Jobber darf man nur gemeinnützig, also für die
Allgemeinheit tätig werden. (I. d. R. für ein halbes Jahr). Die freie Wirtschaft bleibt also aussen vor, dabei möchte sie
doch nur allzu gerne unsere (Minder-) Leistung haben - aber nix bezahlen.
Was also ist zu tun? Ganz einfach. Wir tun einfach so, als ob die Kandidaten etwas sinnvolles vorher lernen
um dieses Erlernte anschließend in die Praxis umzusetzen. Dafür schickt man sie anschließend zum „Praktikum“
in die freie Wirtschaft.
Besser kann man die Wirtschaft nicht subventionieren!
Mitte April 2007
Bei einem „Vorstellungsgespräch“ bei Frau F. und Frau M. der c. GmbH Dortmund, zu dem man mich ein paar Tage nach
einem zuvor geführten Telefonat einlud, machte ich deutlich, dass ich die Methode, den Unternehmen kostenlose Arbeitskräfte zuzuschanzen durchaus
durchschaut hätte.
Man sicherte mir zu, das ich „... nicht zum Kaffeekochen missbraucht würde.“ - klar, da war ich mir sicher.
10. Mai 2007
Seit dem 2. Mai 2007 darf ich nun bei der c. GmbH Dortmund eine neun-monatige, von der ARGE über die Eingliederungvereinbarung
aufokroyierte, sog. Weiterbildungsmaßnahme incl. fünfmonatige Praxisphase zum „Management Trainee Projektmanagement“
absolvieren.
Wir - die 24 Leute in der Weiterbildungsmaßnahme bei c. GmbH, Dortmund sollen für fünf Monate also
kostenneutral für die Unternehmen schuften.
(Nach Außen wird „Traineestelle“ - und „Training on the Job“ - intern das
Wort Praktikum kommuniziert. Zum feinen Unterschied siehe: de.wikipedia.org.)
Umgerechnet wären dies gut 10 Mannjahre erpresste Gratisfronarbeit - wenn man mal davon absieht, dass
sich einige in naiver Hoffnung auf eine bezahlte Anschlussbeschäftigung freiwillig gemeldet haben.
Somit werden die restriktiven Vorgaben aus dem SGB II umgangen und die Wirtschaft hat den gewünschten Nutzen.
Zeigt sich ein Kandidat nicht willig, so unterstellt man ihm mangelnde Leistungsbereitschaft und droht ihm mit
der Kürzung resp. dem Entzug seiner üppigen 347 EURO Existenzsicherung.
Früher sagte man: Arbeit macht frei - heute sagt man: Sozial ist, was Arbeit schafft.
Zwangsarbeit lässt grüßen!!
Wie jämmerlich muss dieses Land dran sein, wenn es diese Vorgehensweise, aus doch schon längst vergangen
geglaubten Zeiten, gutheißt? Wenn es „Arm trotz Arbeit“ auf Job komm raus forciert? Wenn es erzwungene Praktika
als sozial hinstellt, weil doch gütigerweise Arbeit geschaffen wurde?
Hans-Peter Klös, verantwortlich für Bildungspolitik beim Institut der Deutschen Wirtschaft erklärt: „Bildung
soll die Produktivität der Arbeitskraft erhöhen und zum Erwerb von Qualifikationen führen, die am Arbeitsmarkt
durch Einkommen entgolten werden.“ (Geo 09/2006 S.132)
Aber - ich muss mir nicht in meinem Alter quasi vom Staat wie ein Pennäler vorschreiben lassen, was ich zu lernen habe.
Das möchte ich noch selbst bestimmen - sonst komme ich mir vor wie zur Reprogrammierung abkommandiert um meine
wirtschaftliche Nutzbarkeit zu erhöhen.
Davon abgesehen, bringt mir die vier monatige theorethische Phase als studiertem Wirtschaftsingenieur nichts Neues.
Ich muss langweilige Wiederholungen über mich ergehen lassen.
Das Pimpen der Bewerbungsunterlagen ist zwar sinnvoll, aber dafür täte es auch ein 14-Tage-Crash-Kurs.
10. Mai 2007
Heute erschien ein ALG I Fallmanager bei uns (der Herr Ö.), um eventuelle Fragen von uns zu beantworten.
So stellte ich die provokante Frage, ob es eine Regelung im SGB (II o. III) gebe, nach der
es möglich sei, einen Zuschuss zur geschäftsmäßigen Kleidung (Anzug) zu bekommen, da meine
Garderobe nicht mehr so aktuell sei. Das war natürlich nur vorgetäuscht und ich kannte seine
verneinende Antwort auch bereits im Voraus.
Mir ging es jedoch darum den anderen Teilnehmern vor Augen zu führen, dass zwar über 4.000 EURO
für den Maßnahmeträger vorhanden sind, aber keine 200 EURO für uns als Maßnahmenehmer um diese
bei einem Vorstellungsgespräch, bei einem potentiellen Arbeitgeber durch einen schicken modernen Anzug
auch zum Erfolg werden zu lassen.
(Vor über 70 Jahren wurde immerhin gestreifte Garderobe gespendet)
Man beachte auch den Unterschied von angebotsorientierter und nachfrageorientierter
Politik!
Man konnte anschließend auch in einem vier-Augen-Gespräch heikle Fragen klären.
Klar, dass ich nicht widerstehen konnte: Ich sagte ihm, dass ich dieses System der Weiterbildungsindustrie und der
Praktikantenzuschanzung durchaus durchschaut hätte.
Das ich durchaus wüsste, das der Arbeitsmarkt uns, mit unseren unterschiedlichen und oft multiplen Defiziten, nicht braucht.
Wir würden hier nur noch einmal auf Betriebstemperatur gebracht, um anschließend als kostenlose Praktikanten
fünf Monate verheizt und anschließend wieder, wie ein abgelutschter Kirschkern, ausgespuckt zu werden.
Lapidare Antwort: „Darum sollten Sie sich nicht kümmern - denken Sie nur an sich.
Alles andere hat Sie nicht zu interessieren“
Fand ich doch schon irgendwie bemerkenswert.
Nach diesem Besuch ging die Gehirnwäsche durch unseren Personalentwickler weiter, wobei er nach einer Weile,
an passender Stelle einfügte, dass es schon mal einen Teilnehmer gegeben hätte, der zwar immer tolle
Vorstellungsgespräche gehabt hätte, die aber nie zum Erfolg führten.
Ein Nachhaken (durch wen eigentlich?) hätte ergeben, das der Teilnehmer derartig misstrauisch gewesen sei,
dass die Arbeitgeber dies immer bemerkt hätten und er deshalb keine Stelle bekommen hätte.
Man sei dann mit ihm zum Therapeuten gegangen, der ihm dann Pillen verschrieben hätte.
Aha, so läuft das also: Wer nicht spurt, dem droht man mit psychiatrischer (Zwangs-) Behandlung.
Soweit sind wir bereits wieder! Haben diese, heutigen Politiker ein Glück, dass das Volk so dämlich ist!
Zwischenzeitlich ...
Ein weiterer Personalentwickler, der Herr K., bringt uns Projektmanagement bei:
Ganz ehrlich? Also, ein Büchlein für 20 EURO wäre sinnvoller angelegt gewesen, aber dafür gibt man uns ja
kein Geld. Stattdessen bekommen wir furchtbar schlecht kopierte Fotokopien sukzessive ausgeteilt.
Dilletantischer und wertloser geht es nicht!
Wir sollen einen Flyer entwerfen, der dann an 500 Firmen verschickt wird und in dem wir uns den
Unternehmen als Praktikanten anbiedern sollen.
Unterwürfiger Slogan: „Ihr Erfolg ist unser Ziel“
Als zweites soll eine Homepage entwickelt werden mit dem gleichen Ziel, incl. Abrufmöglichkeit
von Details und Lebensläufen der Teilnehmer:
www.projektteam2007.de
Zwischenzeitlich: Bewerbungstraining
Herr B. forderte uns auf, das Wort „Maßnahme“ in Bewerbungen zu vermeiden, da es negativ
besetzt sei. Stattdessen sollen wir „Weiterbildung“ verwenden.
Es werden bestimmte Formulierungen im Anschreiben empfohlen.
Z. B.: „Im Rahmen dieser Qualifizierung
besteht für Sie die Möglichkeit, mich in einer 5-monatigen kostenneutralen Trainee-Phase einzusetzen.“
oder auch:
„Um meine Kenntnisse zu vertiefen könnte ich vom 1. September 2007 bis zum 31. Januar 2008 ihr Team im
Rahmen eines „Training on the Job“ kostenneutral verstärken.“
25. Mai 2007
Heute kam man auf die häufig nicht ausbildungsfähigen Azubianwärter zu sprechen und ich
meinte dazu, dass man dies auch unter einem philisophischen Aspekt sehen sollte und doch in den
Fokus der Betrachtung rücken sollte, dass wir als Menschen nur auf Basis von Chemie arbeiten.
Also keine Maschinen sind, jedoch wie solche funktionieren sollen - nicht zuletzt, um in der
Wirtschaft zu „funktionieren.
Der Einwand von mir, dass am 24.05.2007 beim Radiosender „WDR 5 gegen 20:00 Uhr Heiner Geisler
zu hören war, der da sagte: „Die Wirtschaft habe dem Menschen zu dienen und nicht umgekehrt.
wurde umgehend abgebügelt mit den unqualifizierten Worten unseres Personalentwicklers Herrn H. K. :
„Und gleich kommen Sie noch mit Marx und Engels.
Ich sagte, dass ich dieses Argument nicht gelten lasse, dies als gewöhnliches „Totschlagsargument
betrachte und für meinen Einwand vollkommen unangebracht sei.
Man wechselte darauhin das Thema.
Dies ist aber ein typisches Verhaltensmuster: Man übe eine durchaus angebrachte leichte Kritik an den
bestehenden Normen - hier des Neoliberalismus - man stelle Auswirkungen in Frage - und schon kommt da
so eine verstaubte Keule aus der rechten ideologischen Ecke angesaust mit dem Ziel einen zu treffen.
Warum ist der Neoliberalismus nicht fähig zur Selbstreflektion???
05. Juni 2007
Auf der Webseite der FAZ steht heute: „Schwarzarbeit - Die im Dunkeln sieht man doch“
Mal wieder die typische neoliberale Hetzkampagne gegen die Erwerbslosen. Angeblich hätte ein Modellversuch aus
Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Schwarzarbeit unter Erwerbslosen ergeben, „dass in den beiden Bundesländern
fast die Hälfte der arbeitslosen Bauarbeiter, Reinigungskräfte und Verkäufer einer illegalen Tätigkeit nachgeht.“
Weiter: „Die Empörung ist verständlich, handelt ein illegal tätiger Erwerbsloser doch im doppelten Sinne kriminell und
unsolidarisch: Er bezieht ungerechtfertigterweise staatliche Leistungen und verweigert zugleich Steuern und Sozialabgaben.“
Na klar, über die legal gewinnmanipulierenden, üppig auf Steuerzahlerkosten subventionierten Unternehmer, die sich verweigern
zugleich Steuern und Sozialabgaben zu zahlen, regt sich dieses Blatt natürlich nicht auf. Kann man ja auch nicht erwarten.
Aber das beste ist die Schlussfolgerung: „Am wirksamsten dagegen ist Arbeitsverpflichtung“
„... Ausweitung auf ganz Deutschland und auf alle von Schwarzarbeit getroffenen Branchen ist dringend geboten.
... mit Arbeitsverpflichtung unter Androhung der Transferstreichung. “
Aha - so läuft der Haase. Man will deren Wertschöpfung mitnehmen. Alternativ könnte man ja auch Hausarrest verordnen - aber
da können die fetten Herren nix dran verdienen.
Warum diese Arbeitsverpflichtung nicht gleich: -Plichtpraktika- nennen ;-)
Hat der Neoliberalismus nicht eine fiese, asoziale, menschenverachtende Fratze?
Aber mal eine andere Seite: Praktikum, warum nicht?
Man könnte doch durchaus den Erwerbslosen sagen:
Seht her, es gibt die Möglichkeit Praktika zu absolvieren in der Wirtschaft, z. B. für
2-3 Monate, und wir zahlen das ALG I oder II weiter wie bisher incl. Fahrtkosten etc..
Ihr habt damit die Möglichkeit die Unternehmen kennenzulernen und umgekehrt.
Aber, und das ist das entscheidende, wenn euch etwas nicht behagt, dann könnt ihr auch jederzeit aufhören.
(So könnte man schwarze Schafe und menschenverachtende Verhaltensweisen bei den Unternehmern ausschalten.)
Genau dies ist derzeit so einfach nicht möglich - man unterstellt mangelnde Leistungsbereitschaft und droht
mit Leistungskürzungen - ganz zu schweigen von der übermäßigen Länge der Praktika.
(Basis sollte §49 SGB III sein)
2-3 Monate sind definitiv genug, alles darüber ist Ausbeutung!
Man lese dazu bitte auch folgendes Urteil:
http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=66449&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=
Sozialgericht Aachen
Aktenzeichen: S 9 AS 32/07 ER
Datum: 22.03.2007
Warum nur werden erwachsene Menschen heute von der ARGE dazu genötigt, warum nur derartig entmündigt?
Warum wird in Deutschland immer und nahezu alles komplett falsch gemacht? Selbst, wenn es gut gemeint ist?
Ausbeuter und Menschenschinder haben dadurch freie Hand.
Der Dumme, da komplett dem Wohlwollen des Unternehmers ausgeliefert, wegen dem Druck mit dem Praktikumszeugnis,
ist mal wieder der Erwerbslose als schwächstes Glied in der Kette.
Warum nur tun sich diese Politiker in diesem Land so schwer den abhängigen Menschen die Freiheit zu geben
selbst zu entscheiden. Warum geben sie Unternehmern freie Hand in jeder Beziehung?
Warum erfolgt keine Steuerung des ordnungspolitischen Rahmens nach ethischen Gesichtspunkten?
14. Juni 2007
Die Flyer sind aus der Druckerei gekommen und werden versandt. Die Homepage ist online:
www.projektteam2007.de Anbiederndes Motto: „Ihr Erfolg
ist unser Ziel
19. Juni 2007
Heute mal wieder bei unserem Personalentwickler Herrn M. B.. Er fragt so in die Runde, wer denn schon einen Praktikumsplatz in
Aussicht hätte. Zwei Personen melden sich, worüber Herr. B. sichtlich erfreut ist und fröhlich ein: „Klasse“ in den Raum ruft.
Zwei Leute dürfen also ab September fünf Monate für ein Unternehmen kostenneutral schuften.
Herr B. sagte, dass man durchaus die Festanstellung in den Vordergrund stellen könne - es sei jedoch eine andere Sache dies auch beim
potentiellen Arbeitgeber durchsetzen zu können.
Auch gab er an, dass der „Klebeeffekt“ aus seiner Erfahung eher gering anzusehen sei.
Er schätzt, dass bei einer so großen Gruppe wie wir es sind (24 Leute) bestenfalls eine Handvoll mit einer anschließenden Festanstellung zu rechnen
habe. (Somit hatte ich mit meiner anfänglichen Vermutung recht!)
Uns wurde erklärt, dass man flexibel sein solle was die Praktikumsstelle angeht.
Sorry, ich kann mich nicht ständig neu orientieren und rumeiern wie eine Kompassnadel im Bermudadreieck - irgendwann muss ich ja mal meine Linie finden.
Eine Dame einer zwei-Leute-Franchisenehmeragentur besuchte uns vormittags. Sie benötigt einen (fünften) Praktikanten.
Das Unternehmen schreibt gerade schwarze Zahlen. Eine avisierte Übernahme erscheint jedem als unglaubwürdig.
5. Juli 2007
Herr B., unser Personalentwickler, behandelte heute das Thema „Konfliktarten“ und erläuterte uns die neun Stufen bis zum „totalen
Krieg“.
Frau F., die uns betreuende Dame von der c. GmbH Dortmund, betrat den Raum und erbat einen Zwischenstand über unsere Bewerbungsaktivitäten.
Dies wurde von den Teilnehmern recht unterschiedlich (von 0-10), mehrheitlich jedoch mit weniger fünf laufende Bewerbungen angegeben.
Sie hielt uns eindringlich dazu an, diese Bemühungen wesentlich zu intensivieren, schließlich wollten wir doch alle in ein „Praktikum“.
Ich wandte ein, dass ich die Bewerbung auf eine Festanstellung vorziehe, da doch gerade die Wirtschaft boomt und Fachkräfte gesucht werden.
Wenn nicht jetzt, wann dann - in einem wirtschaftlichen Abschwung stünden unsere Chancen wieder schlechter.
Frau F. und Herrn B. bliebt nichts anderes übrig als sich zustimmend zu äußern und hier Priorität einzuräumen.
Jemand erwähnte, er hätte bereits einen Praktikumsvertrag unterzeichnet bei einer Firma über die er durch Beziehungen gekommen sei, worauf Frau F.
sichtlich irritiert sagte, dass die Praktikumsverträge ausschließlich zwischen der c. GmbH Dortmund und dem jeweiligen Unternehmen geschlossen
werden.
Aha! Wir sind also definitiv nur Arbeitssklaven - da haben wir es! Nur unseren Herrn dürfen wir (bedingt) wählen.
(Aber nur, solange die Theoriephase läuft.) Nach dem 31. August, so drohte Frau F. wäre es doch unschön, wenn wir ein „Notpraktikum“
annehmen müssten.
Hat von denen schon mal jemand etwas von Artikel 12 unseres Grundgesetzes gehört?
Jemand anderes lehnte einen Praktikumsplatz strikt ab, der ihn beruflich nicht weiter bringt und außerdem sei doch zuvor nicht von einem Praktikumsplatz,
sondern von „Training on the Job“ die Rede gewesen - d.h., man arbeitet konkret auf eine spätere anvisierte und vorab avisierte Übernahme hin.
Lapidar sagte Frau F., das dies im Idealfall auch so sein soll, mahnte nochmal die Intensivierung der Eigenbemühungen an und verabschiedete sich mit einem
gequälten Lächeln.
In welchen archaischen Zeiten leben wir eigentlich - Scotty, beam me up!
Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich laut Eingliederungsvereinbarung nur vier Bewerbungen pro Monat zu schreiben habe.
Bewerbungen auf Stellen die ein Einkommen bringen, welches mich vom Hartz-IV-Bezug unabhängig macht - wohlgemerkt!
Ein Vertrag zwischen mir und der c. GmbH Dortmund, trug zwar den Namen „Vertrag“, wurde aber nicht mit mir verhandelt und trug neben
dem Unterschriftsfeld den Satz: „Zur Kenntnis genommen“.
Also, unter einem Vertrag verstehe ich etwas anderes.
Fakt ist - ich gab zu keinem Zeitpunkt eine Verpflichtung ab, mich Unternehmern in Bewerbungen um ein Praktikum anzubiedern.
Aber mir wird wohl nicht anderes übrig bleiben.
5. Juli 2007
Herr B., unser Personalentwickler, hat uns heute drei Sätze gegeben deren Wörter durcheinander gewürfelt waren.
Z. B.:
Ich - engagierte - möchte - Einsatzbereitschaft - meine - Herausforderung - durch - annehmen - Persönlichkeit - die - Ziele - Ihres - innovativen -
Unternehmens - meine - Kenntnisse - meine - und - umzusetzen - fachlichen -gewinnbringend.
Der zu suchende Satz beginnt mit dem Wort „Ich“ und endet mit dem Wort „umzusetzen“.
Mit dieser tollen Aufgabe für debile, durften sich nun 24 Akademiker einen Vormittag lang beschäftigen.
E-n-t-s-e-t-z-l-i-c-h! - Das ist schon menschenunwürdig!
19. Juli 2007
In den Ruhrnachrichten lese ich heute: „Akademiker ins Handwerk“. In dem Artikel geht es darum, dass
die Handwerkskammer Dortmund ebenfalls so eine äußerst fragwürdige Geschichte anbietet:
Ein einjähriges Projekt „Management-Trainee für Akademiker“.
Als Weiterbildung getarnt werden nunmehr auch hier Erwerbssuchende Menschen einer Beschäftigungstherapie
ohne akademischen Anspruch unterzogen, ähnlich wie beiden Unternehmen F.-P., c. GmbH Dortmund, C.C. usw.
Incl. 5 monatiges Praktikum beträgt diese Variante der Handwerkskammer Dortmund genau ein Jahr! - Auf
Steuerzahlerkosten natürlich.
Das Ganze wird mit Geldern des Landes NRW und der EU gefördert.
Auch hier wird suggeriert, dass den Teilnehmern eine berufliche Karriere bevorsteht - klar, nur was für eine!
--> gelernter Praktikant <--
Ich befürchte, dass gerade durch diese Praxis immer weniger echte Jobs entstehen, bzw. um an echte Jobs zu kommen,
muss man sich erst einmal für eine gewisse Zeit kostenneutral von den Unternehmen ausbeuten lassen.
Neoliberalistischer geht es nicht mehr.
Viele hundert Menschen in, und aus, Dortmund dürfen sich mitlerweile in Praktika verdingen, häufig auf Hartz IV - Niveau, unterhalb des
Existenzminimums, meist von der ARGE dazu (wirtschaftlich) genötigt. Und zwar ohne Mehraufwandsentschädigung - sonst
wäre es ja so etwas wie ein 1-EURO Job - und dieser ist an die Gemeinnützigkeit gebunden.
Die erste Garde wird schon an der Uni aussortiert und abgeworben. Die zweite Garde benötigt etwas Zeit für die
Jobsuche - der übrig gebliebene Rest und die ehedem geschassten dürfen nun für die Weiterbildungsindustrie
instrumentalisiert werden - natürlich zu hohen Kosten - auf Kosten der Steuer- und Beitragszahler.
Niemand sollte ernsthaft glauben, dass dieses perfide Spiel nicht durchschaut würde. Dazu ist es zu offensichtlich.
Natürlich schaffen einige besonders engagierte den Sprung in eine feste Stelle - die Möglichkeit besteht immer.
Jedoch ist ein Großteil der Praktikanten nach dem Praktikum auch wieder draussen.
D. h., die Recruitierung von Personal geschieht mithin zunehmend durch den Praktikantenpool:
Merke: Nur die Harten kommen in den Garten - die Weichen kommen zwei Meter tief unter die Eichen!
Zuvor müssen alle ordentlich strampeln und Leistung zeigen - und wehe, einer bockt.
Die Menschen haben mit ihrer subventionierten Arbeit den Wohlstand der Unternehmen gemehrt.
Ein Schelm, wer da nicht an eine versteckte Subventionierung denkt - auf den Knochen der Menschen
die so schamlos ausgenutzt werden.
Das Vertrauen in dieses Wirtschaftssystem wird bei Millionen Menschen langsam aber sicher zutiefst erschüttert.
23. Juli 2007
Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei einem innovativen Unternehmen im Technologiepark Dortmund.
Hier hätte ich gerne ein Praktikum gemacht - auch fünf Monate - weil mich die Produkte interessieren und
Chef wie Personaler ganz ok schienen.
Leider ist daraus nichts geworden, jemand anderes wurde vorgezogen.
Natürlich habe ich in diesen Monaten etliche Bewerbungen auf Fest- sowie Praktikumsstellen geschrieben.
07. August 2007
Heute hatte ich ein Vorstellungsgespräch! Die c. GmbH teilte mir vor einer Woche mit, dass sich die Firma
L. L.. aus Dortmund, nähe Flughafen auf unseren Flyer gemeldet hätte und Leute im Bereich
Projektmanagement sucht - ich möge mich dort umgehend telefonisch melden.
Das tat ich - und verabredete mit dem Leiter QM + IT, meine Unterlagen per E-Mail zuzusenden.
Heute also das Vorstellungsgespräch bezüglich eines „Training on the Job“ bei der Firma.
Angebot: Viel Arbeit. Ein detaillierte Arbeitsplan wurde mir gereicht.
Unter „Training on the Job“ verstand man dort: Arbeiten wie in einem (bezahlten) Job.
Die Frage, ob es denn eine irgendwie gelagerte Bezahlung während der fünf-monatigen Praxisphase gebe, wurde verneint,
das Bugdet sehe leider nichts vor.
Also kein Geld - noch nicht mal einen Zuschuss zum Kantinenessen.
Ein fetter, feister Personalchef, mit glänzendem Mondgesicht dem der Speck nur so aus dem Anzug quoll, sagt in einer
offensichtlich gierigen, bereits händereibenden Art zu mir:
Sie bekommen doch Geld von dem Arbeitsamt. Reicht das nicht?
Ich würde doch schließlich Erfahrungen sammeln - das sei doch auch etwas Wert.
--> Wie tief, menschlich gesehen, kann ein Personalchef eigentlich sinken? <--
Ich war erschüttert und sagte: Eine Tätigkeit zu derartigen Bedingungen nennt man „Arm trotz Arbeit“.
Meine Frage, ob es denn nach der Praxisphase die Möglichkeit der Übernahme gibt, wurde verneint.
Ich sagte, dass bei einer dreimonatigen Praxisphase ich dies möglicherweise noch hinnehmen könne - so wie es auch in dem SGB III
stehe und auch ein Gericht dies noch im März bestätigt habe, jedoch bei einer fünfmonatigen Zurverfügungstellung von Arbeitskraft
eine geringe Vergütung sicher motivierend wäre.
Aber die Verträge sehen doch ein Praktikum von fünf Monaten vor, wurde mir von Herrn S. entgegnet.
Ich sagte darufhin, dass eben manche dieser Programme mit heisser Nadel gestrikt seinen.
Natürlich erwähnte ich, das ich ja in erster Linie an einer bezahlten Tätigkeit interessiert sei und es begrüßen würde, wenn
sich hier eine Möglichkeit bieten täte. Diese Möglichkeit sei im Stellenplan jedoch nicht vorhanden entgegnete man mir.
Da ich zuvor jedoch die Webseite besuchte, wusste ich, dass dort acht Positionen für Akademiker vakant waren.
Man verabschiedete sich.
16. August 2007
Heute war Tribunal! Man wünschte mich in der Mittagszeit zu sprechen. Mein Fallmanager ( Herr K.)
war zu „Besuch“ - in einem seeeehr schicken grauen Nadelstreichenanzug, Hemd und Krawatte Frau M. und Frau S. und der Herr K. warfen mir vor, nicht willig zu sein, die so liebevoll
angebotenen Praktikumsplätze anzunehmen und auch noch negativ über die c. GmbH Dortmund zu reden.
Erstaunlich ist der gemachte Aufstand dann nicht - gibt es hier in der Nähe etwa ein Wespennest?
(Geldkürzung / -streichung und die Vernichtung meiner wirtschaftlichen Existenz schwang im Raum). Herr K. von der ARGE Dortmund meinte
ich hätte durch mein Verschulden die (äußerst vage) Chance auf einen (bezahlten) Arbeitsplatz wissentlich vertan, was ihn dazu berechtigt Sanktionen
auszusprechen
Ich musste mich verteidigen, erzählte den Sachverhalt und erwähnte, dass es bei der Dortmunder Firma L. L.. nicht um einen Arbeitsplatz ging.
Natürlich war ich nicht enthusiastisch, natürlich bin ich kein Naivchen - und - ist es denn moralisch verwerflich nach einer Vergütung zu fragen?
Mir wurde entgegnet, das ich die Chance auf einen Arbeitsplatz durch die gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen erheblich verbessern könne und außerdem wäre die
Erfolgsquote bei c. GmbH Dortmund ja bei 80% - sorry, aber mir wurde berichtet, wie diese Zahlen zustande kommen - jeder Abgang in sozialversicherungspflichtige Arbeit
wird als Erfolg verbucht, unanbhängig davon wie und durch wen er zustande kommt.
Und wenn es so wäre - nicht jedes Mittel wird durch den Zweck geheiligt. Menschenrechte sollten vor gehen.
Möglicherweise wird sogar die Dame mitgerechnet, die sich vor einigen Wochen, an ihrem Geburtstag, auf dem Weg zum Praktikum früh morgens mit ihrem Wagen
um einen Baum gewickelt hat. Suizid??
Somit versucht man mir schon wieder einen Bären aufzubinden. Wir Akademiker werden nicht gerade für voll genommen.
Das sieht man ja schon daran, dass die Personaler Rückmeldung geben, dass man Auskunft über unser Auftreten erteilt.
Ich stelle fest: Das Firmennetzwerk (ca. 250 Unternehmen), dass c. GmbH Dortmund unterhält, ist intensiv geknüpft - die Bande sind offenbar stark.
Man vertraut sich, man spricht sich offenbar intensiv ab und aus. Von mafiösen Strukturen möchte ich natürlich nicht sprechen.
Bezüglich der fünf Monate Praxisphase sagte Frau S., dass ich ja einen Vertrag unterzeichnet hätte.
Natürlich - neben der Unterschrift steht in Druckschrift „Zur Kenntnis genommen“. So macht man keine Verträge sagte ich, ein wenig trotzig.
Die drei Personen schauten sich ein wenig irritiert an.
In Anbetracht der drängenden Zeit (die Theoriephase läuft ja Ende August ab) verlangt man von mir in den nächsten Wochen intensivste Bemühungen um einen
Praktikumsplatz - Bundesweit!
Natürlich für einen Praktikumsplatz - von „Training on the Job“ ist schon lange keine Rede mehr.
Den psychischen Druck bekam auch die labilste Dame in unserer Truppe, Frau K., zu spüren - in hohem Maße suizidgefährdet brach sie vor uns
des öfteren in Weinkrämpfe aus. Von uns konnte ihr niemand helfen. Auch andere wurden massivst unter Druck gesetzt. Es gab reichlich Krankmeldungen.
Zwei Stunden später berichtete ich all dies unserem Personalentwickler, dem Herrn B.- er lief mir im Hause über den Weg. Er hielt die Vorgehensweise für in höchstem Maße unprofessionell.
Mitlerweile fühlt er sich auch unwohl in seinem Job bei c. GmbH Dortmund und beeilt sich zu erwähnen, dass er doch, wie ich ja wüsste, schon immer
sozial eingestellt war und sei. Er gab mir jedoch einige nützliche Ratschläge.
Mein Fazit:
Nix da mit „auf gleicher Augenhöhe“. Nichts da mit: „auch mal Forderungen stellen“. Nichts da mit „man muss sich nicht alles gefallen lassen“ - wir
haben zu „fressen“, was man uns vorwirft.
Letztendlich geht es nur um kostenlose Arbeitskräfte für die Industrie - wer nicht mitspielen will, wird wirtschaftlich vernichtet!
Es geht um einen Milliardenmarkt!
Wie gerne würde ich einen bezahlten Job haben wollen - ich verlange doch schon gar nicht viel - bin bescheiden geworden - offenbar bin ich nur noch kostenlos interessant.
27. August 2007
Heute gab es u. a. das Thema: „Die Null-EURO Jobber - wie Hartz IV-Empfänger zu kostenloser Arbeit gezwungen werden“ bei der Sendung REPORT MAINZ
in der ARD um 21:45 Uhr.
Endlich hat dieses brisante Thema Eingang in die Medien gefunden.
Dort war sogar ein „philantropischer“ CDU Landrat im Kreis Düren der Ansicht: „Der Praktikant bekommt Geld vom Staat, und dieses Geld verpflichtet ihn, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen.“
- Sprich: Der Unternehmerschaft kostenlos zu Diensten zu sein.
Ver.di Chef Frank Bsirske sagte im Interview mit REPORT MAINZ: „Ich hätte den Behörden einiges zugetraut, aber eine solche Art der Geschäftemacherei, die darauf hinausläuft, private
Unternehmen zu bedienen, indem Ihnen im Grunde Billigstarbeitskräfte zugewiesen werden, das hat bis vor Kurzem mein Vorstellungsvermögen überstiegen."
Willkommen in der Realität.
„Es gebe Betriebe, in denen weit mehr als zehn Prozent der Beschäftigten mit vagen Aussichten auf einen möglicherweise befristeten Arbeitsvertrag
bei gleichzeitiger Bedrohung ihrer Mindestsicherung monatelang arbeiten müssten, um nach Ablauf des Praktikums schließlich durch den nächsten Langzeitarbeitslosen
ersetzt zu werden. Die Menschen werden letztlich gezwungen, jene regulären Arbeitsplätze zu vernichten, die sie eigentlich vermittelt bekommen müssten", sagte Bsirske
und fordert die Bundesregierung auf, den rechtswidrigen Praktiken umgehend entgegenzutreten.
Quelle: http://presse.verdi.de/pressemitteilungen/showNews?id=4b77e8e6-5564-11dc-77be-0019b9e321cd
Mein Reden! - Ich hatte also das richtige Gespür für diesen Skandal.
28. August 2007
Als ich im Büro der c. GmbH Dortmund Frau M. fragte, ob sie die Report Sendung gestern gesehen hätte verneinte sie und fragte, um was es denn ginge.
Ich klärte sie darüber auf, woraufhin sie meinte: „Haaach, Herr Obergassel - sie hängen sich da viel zu sehr rein - stecken Sie Ihre Energie besser in die Bewerbungen.“
29. August 2007
Bundesagentur für Arbeit räumt Fehlverhalten bei Praktika-Vergabe ein.
Bundesministerium für Arbeit: Missbrauch vor Ort prüfen.
Quelle:
http://www.swr.de/report/presse/-/id=2527310/property=download/nid=1197424/1vzmt4b/index.rtf
Der Sprecher der BA, John-Phillipp Hammersen räumte gegenüber Report Mainz ein:
„... Der Sprecher kündigte an, dass die örtlichen Arbeitsverwaltungen noch einmal darauf hingewiesen würden, in Zukunft nur Praktika im
Rahmen der gesetzlichen Grundlagen zuzulassen.“
Jetzt wird die Bundesagentur aber kleinlaut. Sie hat also die eigenen Gesetze gebrochen. Bzw. sich nicht an sie gehalten.
(hier § 49 SGB III )
30. August 2007
Ich habe die Texte des SWR und die ver.di Pressemitteilung Frau F. von der c. GmbH Dortmund gezeigt und gefragt, ob ich mich nun für ein drei- oder für ein
fünf-Monatiges „Training on the Job“ bewerben solle. Darauf entgegnete sie, das hätte sich für mich eh erledigt - wir würden später noch einmal miteinander reden.
31. August 2007
Heute wurde mir dann mitgeteilt, dass ich mich am Montag den 03.09.2007 bei meinem Fallmanager melden solle. Die c. GmbH Dortmund hat ihm mitgeteilt, dass ich nicht
kooperativ sei und sie keinen Sinn darin sähen, dass ich mich weiterhin bemühe.
3. September 2007
Mein Fallmanager hat Urlaub, der Vertreter ist auch nicht zugegen, man gab mir einen Termin für den 10. September.
Man sagte mir, im Computer stünde: „Maßnahmeabbruch durch Fehlverhalten von Herrn O.“
Ich befürchte, man möchte von mir die 30% der Maßnahmekosten (von 4143,96 EURO) erstattet haben, zu deren Rückzahlung man
mich bei eigenverschuldetem Maßnahmeabbruch zwangsverpflichtet hat - ich durfte die Unterschrift unter der Eingliederungsvereinbarung
ja nicht ablehnen.
4. September 2007
Per Einschreiben kam heute die Aufforderung zur Stellungnahme über mein vereinbarungswidriges Verhalten während der Theoriephase
bezüglich der Praktikumsplatzsuche. Ich hätte aktiv verhindert einen Praktikumsplatz zu bekommen, womit der Tatbestand für den Eintritt einer Absenkung
oder Wegfall des Arbeitslosengeldes II gem. § 31 des zweiten Buches Sozialgesetzbuch (SGB II) gegeben sei.
Ich darf mich schriftlich äußern bis zum 21.09.2007.
Ich halte fest: In dieser Gesellschaft gilt der Grundsatz: Keine Strafe ohne Schuld.
Warum werde ich mit Freiheitsentzug bestraft?
Mir wird die Freiheit genommen, „Nein“ sagen zu dürfen!
Im Umkehrschluss bedeutet dies, erwerbslos zu werden ist offenbar eine strafbare Handlung die sanktioniert werden muss.
Damit wären wir bei dem offenen Strafvollzug wie der DM-Ladenkettenbesitzer Götz W. Werner es formuliert.
27. September 2007
Es kommt, wie es kommen muss. Die ARGE kürzt mir von den 347 EURO ALG II Leistung 30% für drei Monate.
Das, was ich in der Anhörung geschrieben habe, ist nicht relevant. Die Aktenlage sei eindeutig.
ICH - hätte nun die Maßnahme abgebrochen, heißt es in dem Schreiben.
Das ist blanker Unsinn.
28. September 2007
Die Rechtpflegerin beim Amtsgericht, bei der ich heute war, sieht keine Chance dagegen anzugehen. Solche Konstrukte sind
so gemacht, dass man immer auf die Nase fällt, wenn man nicht zu allem "Ja und Amen" sagt.
Irgendwie wird mir immer klarer, wie Deutschland zu seiner unrühmlichen Vergangenheit gekommen ist.
Es begann damals schließlich auch mit einer Entrechtung und Stigmatisierung von Millionen Menschen - so wie heute wieder.
Und - eigentlich nimmt es keiner wahr, oder will sich nicht damit belasten.
Diejenigen, die davon nicht tangiert und betroffen sind, sind heilfroh darüber, nicht zu den Ausgegrenzten zu gehören.
Diejenigen, die betroffen sind, kämpfen gegen Windmühlen.
01. Oktober 2007
Heute stiefelte ich also zu einem Anwalt für Sozialrecht und erzählte ihm meine Geschichte.
Mit Freude nahm er sich meines Falles an und setzte ein Schreiben (den Widerspruch) auf, in dem
die ARGE Dortmund aufgefordert wird die angedrohte Sanktion zurückzunehmen, andernfalls werde man vor das
Dortmunder Sozialgericht ziehen.
01. November 2007
Die ARGE Dortmund kürzte das ALG II wie angekündigt
28. November 2007
Der Anwalt übersandte mir schon mal den Antrag auf Prozesskostenhilfe.
11. Dezember 2007
Der Anwalt schrieb nochmal zur ARGE Dortmund und bat um Bescheidung des Widerspruches.
18. Januar 2008
Der Anwalt teilte mit, dass die ARGE Dortmund den Bescheid über die Sanktionierung vom 25.09.2007 abändert und
die Sanktionierung für die drei Monate (November 2007 - Januar 2008) aufhebt.
Die Aufhebung des Bescheides erfolgt aufgrund eines formalen Fehlers.
Die Leute bei der ARGE Dortmund wissen schon was sie zu verlieren gehabt hätten, wenn es zu einer Gerichtsverhandlung gekommen wäre.
01. Juni 2008 Nachtrag
In einem Artikel der Ruhrnachrichten vom 31.05.2008 wird Victoria Ouw-Welkerling, Beraterin beim Career Service der Universität Duisburg-Essen, zitiert.
"Für sie, die Studierende und Absolventen berät, gibt es eine klare Regel:
Während des Studiums sind Praktika grundsätzlich sinnvoll, nach dem Studium allerdings rät sie dringend davon ab.
Ein Praktikum nach dem Studium mache sich nicht so gut im Lebenslauf.
Stattdessen empfiehlt die Karriereberaterin Trainee-Programme, die in der Regel hoch vergütet werden."
Wir, die Teilnehmer an dieser "Weiterbildungsmaßnahme", sollten von vorn herein nur verscheißert und ausgenutzt werden!
Weitere Themen des Autors zu:
Erlebnisse mit meinem Fallmanager
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Broschüre: Internet und E-Mail am Arbeitsplatz
Eine Orientierungshilfe für die betriebliche Internetnutzung von Bernd Obergassel
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